Avery wuchs in einer Gerberfamilie auf. Bereits mit 16 Jahren arbeitete er in verschiedenen Hilfstätigkeiten, mit denen er sich und seine Familie ernährte, was er auch später, teilweise in Nachtschichten, fortsetzte. Als sein Schwager 1915 starb, war er als einziger verbliebener männlicher Familienangehöriger in der Pflicht, für die Familie zu sorgen. Sein Kunstinteresse veranlasste ihn, bei der Connecticut League of Art Students in Hartford, Connecticut Unterricht zu nehmen. 1924 lernte er die Kunststudentin und Grafikerin Sally Michel kennen, die er 1926 heiratete. Michels Einkommen ermöglichte ihm, sich auf die Malerei zu konzentrieren. Im Verlauf der 1920er und 1930er Jahre war Avery auch in der Art Students League of New York tätig. Roy Neuberger begann ihn zu fördern und kaufte über 100 seiner Werke, was für Avery nach jahrelanger Tätigkeit den künstlerischen Durchbruch bedeutete. 1929 kam es zum ersten größeren Aufkauf seiner Werke durch die Phillips Collection in Washington, D.C.; dort fand 1944 die erste Einzelausstellung seiner Werke statt. 1963 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.
Stil
Avery wird gerne als amerikanischer Matisse bezeichnet, so etwa 1981 in der New York Times, was auf seine farbliche Vielfalt und die Flächigkeit seiner Landschaftsgemälde Bezug nimmt. Farbbeziehungen waren ihm wichtiger als perspektivische Tiefenwirkung. Wurde er zunächst für zu abstrakt gehalten, galt er, nachdem der Expressionismus populär wurde, als zu naiv. Weitere Einflüsse werden Adolph Gottlieb und Mark Rothko zugerechnet.
Avery war ein wortkarger Mensch. Er wurde auf dem Artist Cemetery in Woodstock, New York, begraben. 1965 übergab Sally Avery die persönlichen Unterlagen dem Archive of American Art in der Smithsonian Institution. Seit 2007 sind diese auch online verfügbar. Seine Tochter March Avery ist ebenso Malerin.
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
1962: Milton Avery Retrospektive, Krannert Art Museum, Champaign
1968: Milton Avery, Birmingham Museum of Art, Birmingham
1969: Milton Avery, Smithsonian American Art Museum, Washington, D.C.
1980: Milton Avery/MATRIX 34, University of California, Berkeley Art Museum
1982: Milton Avery in Mexico and After, Orange County Museum of Art, Newport Beach
1983: Milton Avery, The Modern Art Museum of Fort Worth, Fort Worth
1990: Milton Avery in Black and White: Drawings 1929–59, Brooklyn Museum of Art, New York City
1990: Milton Avery: Works from the 1950s, The Modern Art Museum of Fort Worth, Fort Worth
1994: Milton Avery: Works on Paper, The National Gallery of Art, Washington, D.C.
1997: Milton Avery's Ebb & Flow, Cornell Fine Arts Museum, Winter Park
2001/02: Milton Avery – the late paintings, Milwaukee Art Museum, Milwaukee, sowie im Hammer Museum, Los Angeles, und Norton Museum of Art, West Palm Beach
2008: Milton Avery – The Kaufman Collection, Coral Springs Museum of Art, Coral Springs
2011: Milton Avery and the End of Modernism, Nassau County Museum of Art
↑ClementGreenberg:Milton Avery. In: Arts Magazine. Band32. Jahrgang, 1957, S.39–46 (englisch).
↑vgl. die Biographie im Davistown Museum in Liberty (Maine).
↑Mark Rothko: Commemorative Essay für die New York Society for Ethical Culture, 7.Januar 1965. In: Adelyn D. Breeskin: Milton Avery. National Collection of Fine Arts, Washington 1969.