Minzen

Minzen

Grüne Minze, Krause Minze oder Krause Wald-Minze (Mentha spicata L.) (Synonym: Mentha spicata var. crispa), Illustration

Systematik
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae
Untertribus: Menthinae
Gattung: Minzen
Wissenschaftlicher Name
Mentha
L.

Die Minzen (Mentha) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Die meisten der je nach Quelle etwa 20 bis über 30 Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel beheimatet; auf der Südhalbkugel (Australien und Afrika) kommen nur wenige Arten vor. Alle Minze-Arten gedeihen meist an feuchten Standorten.

Etymologie

Der westgermanische Pflanzenname Minze (mittelhochdeutsch minz, althochdeutsch minza, englisch mint) beruht auf einer Entlehnung aus dem lateinischen Wort menta, das auch in Komposita wie calamentum und Calamintha gelangte. Dieses Wort wiederum wird in einen Zusammenhang mit der griechischen Nymphe Minthe gebracht.

Beschreibung

Pfefferminze (Mentha ×piperita), Illustration aus Koehler's Medizinalpflanzen 1887
Polei-Minze (Mentha pulegium)

Vegetative Merkmale

Minze-Arten sind aromatische und ausdauernde krautige Pflanzen mit unterirdischen Ausläufern oder Rhizomen. Sie besitzen meistens einfache oder verzweigte Haare (Trichome). Die aufrechten bis kriechenden Stängel können verzweigt sein. Die gegenständigen Laubblätter sind einfach und haben meistens einen gezähnten oder gesägten Rand. Ein Blattstiel kann vorhanden sein.

Generative Merkmale

Die Blüten sind in überwiegend vielblütigen Scheinquirlen angeordnet, die unterbrochene Scheinähren mit laubigen Tragblättern oder dichte Scheinähren mit kleinen Hochblättern bilden.

Die mittelgroßen Blüten sind zwittrig bis funktional eingeschlechtig und zygomorph mit doppeltem Perianth. Funktional eingeschlechtige Blüten kommen bei vielen Arten häufig vor; besonders männlich-sterile Blüten treten bei bis zu 40 % oder sogar mehr Individuen einer Population auf. Die fünf ungleichen Kelchblätter sind röhrig bis glockenförmig verwachsen. Die fünf vorwiegend weißlichen bis rosafarbenen Kronblätter sind verwachsen und nur schwach zweilippig. Die Oberlippe ist meist so groß wie einer der drei Lappen der Unterlippe. Hierdurch scheint die Blüte fast regelmäßig vierspaltig. Es sind nur vier ungleiche Staubblätter vorhanden, die deutlich aus der Kronröhre herausragen. Die zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen; er ist durch falsche Scheidewände in vier Kammern gegliedert; jede der vier Kammern enthält nur eine Samenanlage. Der aus der Kronröhre herausragende Griffel endet zweiästig. Bei einigen Arten sind die Blüten vormännlich (Proterandrie).

Die Klausenfrucht zerfällt in vier kleine Klausen, die eiförmig bis kugelig sind mit einer glatten oder deutlich netzartigen Oberfläche.

Ökologie

Die Bestäubung erfolgt meist durch kurzrüsselige Insekten wie Fliegen. Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Klausen, erfolgt über das Wasser (Hydrochorie).

Systematik und Verbreitung

Die Gattung Mentha wurde 1753 durch Carl von Linné aufgestellt. Synonyme für Mentha L. sind: Preslia Opiz, Pulegium Mill.

Die meisten Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel sowohl in Eurasien als auch in Nordamerika beheimatet; auf der Südhalbkugel in Australien und in der Capensis kommen nur wenige Arten vor. Einige Arten oder Kulturformen sind weltweit invasive Pflanzen.

Wasser-Minze (Mentha aquatica)
Acker-Minze (Mentha arvensis)
Hirsch-Minze (Mentha cervina)
Ross-Minze (Mentha longifolia)
Korsische Minze (Mentha requienii)
Rundblättrige Minze (Mentha suaveolens)

Die Abgrenzung der Arten ist schwierig, denn sie neigen dazu, natürliche Hybriden (Bastarde) zu bilden. So kommt es zu einer Fülle von Synonymen, die man in botanischer und gartenbaulicher Literatur häufig findet. Es gibt etwa 25 bis 30 akzeptierte Arten:

Natürliche Hybriden

Nicht mehr zur Gattung gehört:

Katzenminze (Nepeta cataria) und Pferdeminze (Monarda punctata) gehören nicht zur Gattung der Minzen (Mentha).

Krankheiten

Auf allen Mentha-Arten und -Sorten kommt der Rostpilz Puccinia menthae vor. Er nimmt keinen Wirtswechsel vor, daher erfolgen alle Entwicklungsstadien auf Mentha.

Verwendung

Zeichnung aus einem Manuskript des Herbarium des Pseudo-Apuleius aus dem 13. Jahrhundert: Links eine schwangere Frau; die rechte Frau hält eine Polei-Minze (Mentha pulegium) in der Hand.

Minzen werden schon sehr lange in Gärten angebaut und wurden unter anderem als Heilpflanzen verwendet, etwa deren Saft. Im Jahr 812 schrieb Karl der Große bereits vier Minzearten für den Anbau in Gärten in seinem Reich vor (siehe Capitulare de villis vel curtis imperii): Polei-Minze (Mentha pulegium), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Ähren-Minze (Mentha spicata) und Ross-Minze (Mentha longifolia). Die Pfefferminze wurde erstmals im 17. Jahrhundert beschrieben.

Als Gewürz und Teekraut relevante Minze-Sorten tragen oft Namen, die auf die Geschmacksähnlichkeit mit anderen Pflanzenarten hinweisen:

Schoko-Minze (Mentha ×piperita), fotografiert im Juni

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 165.
  2. ↑ Brigitte Alsleben (Red.): Duden Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Dudenverlag, Mannheim 2007, ISBN 978-3-411-04074-2, Stichwort „Minze“.
  3. ↑ Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie. Quellen und Deutung. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1984, ISBN 3-499-55404-6, S. 107.
  4. ↑ Ian C. Hedge: Flora of Pakistan. 192: Labiatae. National Herbarium, Islamabad 1990, Mentha, S. 255, online.
  5. ↑ Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 576 (Digitalisat).
  6. 1 2 3 4 Mentha im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 Rafael Govaerts et al.: World Checklist of Lamiaceae. In: Mentha. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science
  8. ↑ Ernst Gäumann: Die Rostpilze Mitteleuropas mit besonderer Berücksichtigung der Schweiz. In Beiträge zur Kryptogamenflora der Schweiz. Band 12, 1959.
  9. ↑ Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 425 (mintzensaft).
  10. ↑ Claudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 32.
Commons: Minzen (Mentha) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Minze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen