Mischpoke

Mischpoke, auch Mischpoche, Meschpoke oder Muschpoke, ist ein auf das hebräisch מִשְׁפָּחָה [miʃpa'χa], deutsch ‚Familie‘ zurückgehender Jiddismus in der Bedeutung ‚Familie, Gesellschaft, Sippschaft‘, der Anfang des 19. Jahrhunderts in der abwertenden Bedeutung ‚Gesindel, Diebesbande‘ in die deutsche Umgangssprache übernommen wurde. Während die Bezeichnung im Jiddischen wertneutral verwendet wird, hat das Wort im Deutschen häufig eine abwertende Bedeutung. Der Duden, der den Begriff 1941 aufnahm, definiert Mischpoke heute als salopp abwertend in der Bedeutung „jemandes Familie, Verwandtschaft“ und „üble Gesellschaft, Gruppe von unangenehmen Leuten“.

Begriffsgeschichte

Entlehnt wurde das Wort über das Rotwelsche aus dem Westjiddischen für hebräisch משפּחה ‚Familie, Sippschaft, Sippe, Verwandtschaft‘, welches seinerseits dem gleichbedeutenden und ebenfalls nicht abwertenden Wort im Hebräischen (מִשׁפָּחָ(ה = mišpāḥā(h) entstammt. Laut dem Variantenwörterbuch des Deutschen sind die Sprachvarianten Mischpoke und Muschpoke einzig in Deutschland gebräuchlich; die Variante Mischpoche findet hingegen sowohl in Österreich als auch in Deutschland Verwendung.

Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon definierte 1911:

„Mischpōke (jüd.-deutsch), eigene Familie, jetzt im verächtlichen Sinne: Sippschaft.“

– Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon, Band 2, 5. Auflage. Leipzig 1911, S. 194.

Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909 auch in antisemitischer Hinsicht als:

„Mischpōke (verderbt aus hebr. mischpâchâh, ‚Familie‘), verächtlich für Judensippe, -Gesellschaft.“

– Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13, 6. Auflage. Leipzig und Wien 1908, S. 895.

In älteren Belegen wurde Mischpoche eher familiär verwendet, so heißt es in Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon 1873 zu der Redewendung „Es liegt an der Mischpoche“ etwa:

„Es ist von den Aeltern ererbt, oder es ist Naturanlage. Mischpachah […] Familie. Die Redensart wird in gutem wie in schlimmem Sinne gebraucht, von Familientugenden wie von Familienfehlern.“

– Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 3. Leipzig 1873, Sp. 666–667.

Verwendungsbeispiele

Der jiddische Schriftsteller Hirsch David Nomberg schrieb 1913 ein Schauspiel Di mischpoche. 2015 wurde selbstironisch die europäische Makkabiade in Berlin unter anderem mit dem Slogan „Die ganze Mischpoke ist am Start“ beworben.

Die deutsch-jüdische Schriftstellerin Marcia Zuckermann brachte 2016 den Familienroman Mischpoke! heraus, der in Romanform u. a. aus ihrer Familiengeschichte berichtet.

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Mischpoke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Mischpoke. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 20. Oktober 2026
  2. ↑ Mischpoke in duden.de, abgerufen am 5. Januar 2015.
  3. ↑ Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2001, ISBN 3-11-017473-1, DNB 965096742 unter dem Lemma „Mischpoche“, S. 623.
  4. ↑ Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, S. 1149.
  5. ↑ Ulrich Ammon et al. (Hrsg.): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2004, ISBN 3-11-016574-0, S. 505.
  6. ↑ Mischpoke. In: Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 5. Auflage. Band 2. Brockhaus, Leipzig 1911, S. 194 (zeno.org).
  7. ↑ Mischpōke. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 13: Lyrik–Mitterwurzer. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1908, S. 895 (zeno.org).
  8. ↑ online in zeno.org, abgerufen am 5. Januar 2015.
  9. ↑ Die ganze Mischpoke ist am Start, Berliner Morgenpost vom 15. Juli 2015.