Michail Leonidowitsch Gromow

Michail Leonidowitsch Gromow

Michail Leonidowitsch Gromow (auch Michael oder Mischa Gromow; russisch Михаил Леонидович Громов; meist Mikhail Gromov oder Mikhaïl Gromov zitiert; * 23. Dezember 1943 in Boksitogorsk, RSFSR, Sowjetunion) ist ein russisch-französischer Mathematiker, der vor allem zur Differentialgeometrie, Analysis und Gruppentheorie forscht. Seit 1992 ist Gromow französischer Staatsbürger. Er gilt als einer der führenden Geometer und ist unter anderem Träger des Abelpreises 2009.

Werdegang

Gromow besuchte die Schule 217 (Petrischule) in Leningrad. Anschließend studierte er an der dortigen Universität, wo er 1965 seinen Abschluss machte und 1969 bei Wladimir Rochlin promoviert wurde. Ab 1967 war er dort Assistenzprofessor, 1973 habilitierte er sich (sowjetischer Doktorgrad) in Leningrad. 1974 wurde er Professor an der Universität von Stony Brook in New York, 1981 an der Universität Paris und von 1982 bis heute am IHES in Bures-sur-Yvette bei Paris, wo er heute noch ständiges Mitglied ist. Außerdem wurde er 2008 Jay-Gould-Professor am Courant Institute of Mathematical Sciences of New York University.

Forschung

In der geometrischen Gruppentheorie (als deren Begründer er Ende der 1980er Jahre gilt, in Erweiterung der Kombinatorischen Gruppentheorie, die insbesondere aus den Arbeiten von Max Dehn Anfang des 20. Jahrhunderts entstand) untersuchte Gromow Gruppen von polynomialer Wachstumsordnung und führte den Begriff der hyperbolischen Gruppen ein. In der symplektischen Topologie etablierte er den Begriff der pseudoholomorphen Kurve. Sein Homotopieprinzip für Differentialrelationen ist wichtig in der Theorie der partiellen Differentialgleichungen; Gromow erweiterte dabei ältere Ansätze, unter anderem den von John Nash.

Insbesondere in der riemannschen Geometrie hat Gromow viele neue Sichtweisen eröffnet, beispielsweise indem er häufig asymptotische und globale Aspekte untersuchte und in Ungleichungen formulierte. Von ihm stammen Konzepte wie Fast-Flachheit (almost flatness) von Metriken und Zusammenhängen sowie simpliziales Volumen. Er beschäftigte sich auch mit Blätterungen, sub-riemannschen Mannigfaltigkeiten und Indextheorie von Operatoren.

Die Laudatio zum Abelpreis 2009 nannte folgende Beiträge Gromows zur Mathematik:

In den Jahren 1970 (A topological technique for the construction of solutions of differential equations and inequalities), 1978 (Synthetic geometry in Riemannian manifolds) und 1983 (Infinite groups as geometric objects) war er Invited Speaker auf den Internationalen Mathematikerkongressen (ICM). 1986 in Berkeley hielt er auf dem ICM einen Plenarvortrag zum Thema „Soft and Hard Symplectic Geometry“. 2012 hielt er einen Plenarvortrag auf dem Europäischen Mathematikerkongress (ECM) in Krakau (In a search for a structure).

Sonstiges

Gromow war 2018 einer der 200 Unterzeichner eines Aufrufs in der Zeitung Le Monde, in der vor drastischen Folgen wie dem Aussterben der menschlichen Spezies gewarnt wurde, falls nicht rasch ein Umdenken in Problemfeldern wie dem Klimawandel und dem Artensterben und bei weiteren planetaren Grenzen geschieht.

Vom 21. Oktober 2011 bis zum 18. März 2012 fand in der Pariser Fondation Cartier die Ausstellung Mathematics: A Beautiful Elsewhere statt, für die unter anderem der Filmregisseur und Künstler David Lynch in Zusammenarbeit mit Gromow Exponate beisteuerte.

Ein im Dezember 2025 veröffentlichtes Foto des House Oversight Committee zeigt Gromow in einem Seminarraum mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, Seth Lloyd, Martin Nowak, DP-World-CEO bin Sulayem und anderen.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Er ist Ehrendoktor der Universitäten von Genf und Tel-Aviv.

Er ist Mitglied der Académie des sciences (1997), der Academia Europaea (1993), der American Academy of Arts and Sciences (1989), der National Academy of Sciences, der Russischen Akademie der Wissenschaften (2011), der Norwegischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der London Mathematical Society.

Schriften

Bücher

Veröffentlichungen (Auswahl)

Siehe auch

Commons: Mikhail Leonidovich Gromov – Sammlung von Bildern

Einige online zugängliche Arbeiten:

Einzelnachweise

  1. ↑ https://www.lemonde.fr/idees/article/2018/09/03/le-plus-grand-defi-de-l-histoire-de-l-humanite-l-appel-de-200-personnalites-pour-sauver-la-planete_5349380_3232.html
  2. ↑ Foto-ID „HOUSE_OVERSIGHT_046117“
  3. ↑ Eintrag auf der Internetseite der Academia Europaea
Personendaten
NAME Gromow, Michail Leonidowitsch
ALTERNATIVNAMEN Громов, Михаил Леонидович (russisch)
KURZBESCHREIBUNG sowjetisch-französischer Mathematiker
GEBURTSDATUM 23. Dezember 1943
GEBURTSORT Boksitogorsk, Oblast Leningrad, Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik, Sowjetunion