Logo von missio – Internationales Katholisches Missionswerk e.V., Aachen
missio (lateinisch „Sendung“, „Auftrag“) ist die Kurzbezeichnung der Päpstlichen Missionswerke in Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen Ländern.
Struktur
Die Päpstlichen Missionswerke unterstehen dem Apostolischen Stuhl und sind der Leitung des Dikasteriums für die Evangelisierung anvertraut, das direkt dem Papst untersteht. Präsident der Päpstlichen Missionswerke war von 2022 bis 28. Februar 2025 Erzbischof Emilio Nappa. Seitdem ist das Amt vakant. Papst Leo XIV. ernannte im Oktober 2026 Schwester Mary Teresa BarronOLA, Generaloberin der Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von den Aposteln, mit Wirkung zum 1. Januar 2027 zur Präsidentin der Päpstlichen Missionswerke. Sie ist damit die erste Frau in dieser Leitungsposition.
Die Päpstlichen Missionswerke sind in vier Werke gegliedert:
Am 22. Oktober 2026 trat der seit rund sechs Wochen amtierende Nationaldirektor Johannes Laichner überraschend von seinem Amt zurück. Als Grund für seinen Rücktritt nannte er gesundheitliche Gründe. Seine Entscheidung teilte er dem zuständigen Dikasterium für die Evangelisierung in Rom sowie dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner OFM, mit. Weitere Gründe für den Rücktritt wurden vom Hilfswerk nicht bekannt gegeben.
missio Schweiz
Missio Schweiz (offiziell: Päpstliche Missionswerke in der Schweiz, auch Missio Suisse, Missio Svizzera) ist die Schweizer Nationaldirektion der Päpstlichen Missionswerke mit Sitz in Einsiedeln und Geschäftsstelle in Freiburg im Üechtland sowie einem Büro in Lugano.
Missio Schweiz organisiert in der Schweiz den Monat der Weltmission und die Aktion Sternsingen im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz. Laut Medienberichten beteiligen sich jährlich rund 10.000 Kinder und Jugendliche an der Aktion Sternsingen in der Schweiz.
Unter dem Namen Young Missio organisiert Missio Schweiz Angebote für Kinder und Jugendliche; das Leitwort lautet „Kinder helfen Kindern“. Thematische Schwerpunkte sind globale Solidarität, Kinderrechte sowie Bildungsangebote zur Lebenssituation von Kindern in verschiedenen Ländern. Zu den Angeboten zählt unter anderem die Kinderkampagne „Post von Paul“.
Geschichte
Pauline Marie Jaricot
Im Jahr 1819 gründete die 23-jährige Pauline Marie Jaricot den Lyoner Missionsverein (ab 3. Mai 1922 offiziell Werk der Glaubensverbreitung). Ihre Idee der Spendenhilfe fand schnell ein Echo in Deutschland.
1832 gründeten der Aachener Arzt Heinrich Hahn und seine Freunde den Franziskus-Xaverius-Verein zur Unterstützung der katholischen Missionen. Heinrich Hahn stieß bei einem Krankenbesuch im belgischen Montzen auf die Jahrbücher des Vereins von Lyon und betrieb mit Gleichgesinnten die Gründung eines deutschen Zweigs. Sie organisierten sich und sammelten Spenden, mussten aber zehn Jahre lang um die kirchliche und staatliche Anerkennung ringen. Zur selben Zeit entstand in München der von König Ludwig I. unterstützte Ludwigs-Missionsverein. Das Prinzip missio entstand als eine „Bürgerinitiative von unten“, als Laieninitiative.
Missio ist seit dem 1. Januar 1972 Nachfolger des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung in Deutschland. Dieser Zweig des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung wurde unter Papst Pius XI. durch Motu proprio am 3. Mai 1922 errichtet. Träger des Missionswerkes war bis 1972 der seit 1841 bestehende Franziskus-Xaverius-Verein (FXV) in Aachen, der seit 1922 den Namen Päpstliches Werk der Glaubensverbreitung (PWG) führte.
In der Münchener Zentrale des Internationalen Katholischen Missionswerkes, dem Haus der Weltkirche, befindet sich die seit 1988 mit Werken von 16 malawischen Holzbildhauern ausgestattete Missio-Hauskapelle.
Heute haben missio Aachen und München nach eigenen Angaben zusammen rund eine halbe Million Mitglieder. Die Arbeit von missio wird durch Mitgliedsbeiträge und Spenden unterstützt.
Daneben fördert missio Projekte in der Ortskirche Afrikas, Asiens, Ozeaniens und Lateinamerikas in den Handlungsfeldern Akuthilfe, Pastoralarbeit, Ausbildung und Unterhalt.
Außerdem leistet es Bildungsarbeit, um ein weltkirchliches Bewusstsein in und außerhalb der katholischen Kirche zu schaffen. Die Leitthemen der Missionsarbeit sind dabei: Mission, Menschenrechte, Nächstenliebe, Friedensarbeit und Spiritualität.
Unterstützung von Hilfsprojekten anderer Träger
Kampagnen
missio wendet sich auch mit Kampagnen an die Öffentlichkeit, um für die Anliegen notleidender Menschen in Afrika, Asien und Ozeanien hinzuweisen:
Die „Aktion Schutzengel – Für Familien in Not. Weltweit.“ stellte die dramatische Situation von Flüchtlingsfamilien im Kongo in den Mittelpunkt. Die Demokratische Republik Kongo ist seit 1996 Schauplatz der blutigsten Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg. Rebellengruppen im Ostkongo erobern Coltanminen und verkaufen illegal das seltene Erz, das für die Herstellung von Mobiltelefonen benötigt wird. Die Zivilbevölkerung wird brutal vertrieben. Vergewaltigungen werden als Kriegswaffe eingesetzt. Besonders Frauen und Familien leiden unter der unglaublichen Brutalität. Ein zentrales Element der Kampagne ist der missio-Truck, ein begehbarer LKW, der auf die Flüchtlings-Problematik in Afrika aufmerksam macht.
Die Kampagnen „Solidarität mit bedrängte Christen“ und „Aktion Lebenszeichen“ stellte das Schicksal von Christen vor, die im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und Asien diskriminiert, bedrängt oder zum Teil verfolgt werden. Wichtig ist missio dabei die Rolle des interreligiösen Dialoges als Mittel zur Lösung von Konflikten und Hilfe für bedrängte Christen, die Unteilbarkeit des Menschenrechtes auf Religionsfreiheit, das für Angehörige aller Religionen und Nicht-Gläubige gleichermaßen gilt, sowie der Appell zu Toleranz und Versöhnung. Dafür steht beispielhaft eine Postkarten-Kampagne 2016 für den syrisch-katholischen Priester Jacques Mourad, der sich trotz fünfmonatiger Entführung durch Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“ weiter für Frieden und Versöhnung zwischen Christen und Muslimen einsetzt.
Die Kampagne „Glauben teilen. Weltweit.“ sollte den Menschen in Deutschland christliche Spiritualität aus Afrika, Asien und Ozeanien zugänglich machen, die sie in ihrem alltäglichen Glaubensleben oder für die kirchliche Gemeindearbeit nutzen können. missio stellt gleichzeitig Männer und Frauen vor, die den liebenden, menschenfreundlichen Gott auf außergewöhnliche Weise bezeugen. Zu diesen Glaubenszeugen zählen neben Mutter Teresa zum Beispiel die Sängerin Patricia Kelly sowie missio-Projektpartner.* Zum Sonntag der Weltmission im Oktober gestaltet missio jährlich seine zentrale Jahreskampagne. Jedes Jahr fokussiert die Kampagne das Engagement der Kirche in den Partnerländern. Am Sonntag der Weltmission (vorletzter Sonntag im Oktober; nur in Deutschland am vierten Sonntag) wird das Leben der Kirchen in den „Ländern des Südens“ thematisiert und deren Einsatz im Kampf für Menschenrechte, Nächstenliebe und den Friedenseinsatz vorgestellt.
Die Kampagne zum Afrikatag in Deutschland kam kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugute, die sich in Afrika für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Die Spenden gehen in die Aus- und Fortbildung. Gundula Gause ist seit 2002 Schirmherrin des Afrikatags.
Finanzierung
Missio-Gebäude in Aachen
946 Projekte hat missio Aachen im Jahr 2019 finanziell unterstützt. In einem jährlich veröffentlichten Rechenschaftsbericht gibt missio Auskunft, welche Gelder eingenommen wurden und was mit diesen Spenden, Kollekten und Mitgliedsbeiträgen geschieht. Der Jahresbericht 2019 verzeichnete Einnahmen in Höhe von 52,35 Millionen Euro, davon waren (in Mio. EUR): 1,0 Fördermitgliedsbeiträge, 4,8 Kollekten, 19,9 Einzelspenden, 14,1 Kirchensteuermittel, 1,0 Kath. Zentralstelle für Entwicklungshilfe (KZE), 4,4 Zinsen.
Im Juni 2011 wurde bekannt, dass gegen den damaligen Nationaldirektor von „Missio Austria“, Leo Maasburg, eine Sachverhaltsdarstellung wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung eingebracht worden war. Eine ehemalige Vertraute Maasburgs erhob Vorwürfe, wonach es 1994 zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. Maasburg wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, es habe weder eine sexuelle Beziehung noch eine Nötigung gegeben. Aufgrund des zeitlichen Abstands zu den behaupteten Ereignissen stellte sich auch die Frage einer möglichen Verjährung. Die Erzdiözese Wien und Kardinal Christoph Schönborn wurden im Zusammenhang mit der Angelegenheit öffentlich thematisiert, nachdem die Betroffene angegeben hatte, bereits früher kirchliche Stellen informiert zu haben. Die von der Erzdiözese Wien eingerichtete Opferschutzstruktur befasste sich mit dem Fall und bewilligte der Frau eine finanzielle Unterstützung für eine Therapie. Eine strafrechtliche Verurteilung Maasburgs erfolgte nicht. Im Zusammenhang mit denselben Vorwürfen wurden auch Anschuldigungen gegen einen Tiroler Franziskanerpater bekannt, der die Betroffene nach deren Angaben bereits als Minderjährige missbraucht haben soll. Der Geistliche wurde vorübergehend von seinen Aufgaben als Schulseelsorger suspendiert. Die Vorwürfe wurden Gegenstand kirchlicher Prüfungen.
Zeitschriften
missio Aachen gibt viermal im Jahr die Zeitschrift kontinente – Das missio-Magazin für seine Mitglieder heraus.
Bei missio München erscheint ebenfalls sechsmal im Jahr die Zeitschrift missio magazin.
alle welt ist das Missio-Magazin in Österreich.
Missio Schweiz gibt die zweisprachige Zeitschrift Glauben miteinander (französisch: Église solidaire) zweimal jährlich heraus. Die Kinderzeitschrift Milami (italienisch: Milleamici) erscheint seit 2026 auch auf Deutsch. Sie stellt jeweils ein Kinderrecht in den Mittelpunkt.
Fritz Kohlbrunner: Mission In: Volker Drehsen et al. (Hrsg.): Wörterbuch des Christentums. Orbis Verlag, München 1995, ISBN 3-572-00691-0
Konrad Simons: Missio – Die Geschichte einer Bewegung – Das internationale Katholische Missionswerk in Aachen von 1832 an, Aachen 1983
Gregor von Fürstenberg, Irmgard Icking, Hermann Schalück, Klaus Vellguth: Glauben. leben. geben. 175 Jahre missio, Herder Verlag, Freiburg 2006, ISBN 3-451-29176-2