Mocs (Meteorit)

Koordinaten: 46° 48′ 0″ N, 24° 2′ 0″ O

Mocs
Allgemeines
Offizieller Name
nach MBD
Mocs
Synonyme Moci
Mojiu
Klausenburg
Modok
Keszu
Bare
Marokhaza
Palatka
Visa
…
Lokalität
Staat Rumänien
Region Siebenbürgen
Dorf Mócs (Mociu)
Streufeld 15 km × 3 km
Fall und Bergung
Datum (Fall) 3. Februar 1882
beobachtet ja
Datum (Fund) 1882
Sammlung NHM Wien u. a.
Beschreibung
Typ Chondrit
Klasse L-Chondtrit
Gruppe L5–6
Masse (total) 300 kg, ~3.000 Fragmente,
größtes 56 kg
Schock S3-S5
Verwitterung W0
Referenzen

Der Meteorit von Mocs ist ein Steinmeteorit, der am 3. Februar 1882 in einem ausgedehnten Meteoritenschauer nahe dem Dorf Mócs (heute Mociu) im Kreis Cluj in Siebenbürgen niedergegangen ist, das damals zum Königreich Ungarn im Rahmen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte und heute zu Rumänien zählt.

Da der Niedergang des Meteoriten von zahlreichen Personen beobachtet und die Stücke unmittelbar danach eingesammelt wurden, gilt Mocs als klassischer „beobachteter Fall“. Schätzungsweise 3.000 Fragmente des Meteoriten wurden gefunden, in Mociu und Umgebung; die Fragmente tragen in der Regel den (damaligen) Namen des jeweiligen Dorfes (z.  Modok, Keszu für Chesău, Bare für Barai, Palatka für Pălatca, Visa für Vișea, …) und gelten offiziell als Synonyme. Mit einer Gesamtmasse von etwa 300 kg zählt Mocs zu den bedeutendsten historischen Meteoritenfällen Europas. Viele der gefundenen Steine gelangten in bedeutende Museen weltweit, wodurch der Meteorit auch eine wichtige Rolle in der Meteoritenforschung spielte.

Fallereignis

Zeitgenössischer Bericht von Antal Koch über den Meteorsteinfall von Mocs.

Am Nachmittag des 3. Februar 1882, gegen 16 Uhr Ortszeit, wurde über dem Gebiet von Cluj eine sehr helle Feuerkugel beobachtet. Nach Augenzeugenberichten folgten rollende Donnerschläge und mehrere starke Detonationen. Der Meteorit näherte sich aus nordwestlicher Richtung. Die Streuellipse des Meteoritenfalls ist etwa 15 Kilometer lang und 3 Kilometer breit. Die kleineren Bruchstücke gingen am nordwestlichen Rand der Streuellipse nieder, die größeren am südöstlichen. Die größte geborgene Fragment hatte eine Masse von etwa 56 kg, die Gesamtmasse betrug etwa 300 Kilogramm. Der Meteoritenfall von Mocs ist einer der größten dokumentierten Fälle eines Steinmeteoriten.

Der Meteorit ist einer von 10 anerkannten Meteoriten, die bis zum Jahr 2008 auf dem Staatsgebiet des heutigen Rumänien gefallen sind. Der Name des Dorfes Mocs (das einst zu Ungarn gehörte) wurde in Mociu geändert, da es jetzt zu Rumänien gehört. Der Name des Meteoriten blieb unverändert, weil die Benennung eines Meteoriten üblicherweise nach der Siedlung erfolgt, die dem Fundort am nächsten liegt und sich nachträglich nicht mehr ändert, auch wenn die Siedlung später eine Namensänderung erfährt.

Klassifikation

Mocs Meteorit

Der Mocs-Meteorit ist ein Steinmeteorit aus der Gruppe der gewöhnlichen Chondrite. Der Gesamteisengehalt (21,8 Gew.-%) sowie die Olivin- und Orthopyroxen-Zusammensetzung deuten darauf hin, dass der Meteorit von Mocs zur geochemischen Gruppe der gewöhnlichen Chondriten vom Typ L (eisenarm) gehört. Der petrologische Typ ist jedoch unklar; er wurde entweder als L6 oder, in jüngerer Zeit, als L5–6 klassifiziert. In der Meteoritical Bulletin Database wird er als venig durchzogener L5–6-Chondrit (Ordinary chondrite, veined, L5–6; W0) geführt. Er ist damit einer von (Stand 2025) 72 anerkannten Meteoriten, die als L5–6 klassifiziert wurden.

Sammlung

Ein großer Teil der unmittelbar nach dem Fall geborgenen Stücke wurde vom Naturhistorischen Museum Wien erworben. Von dort aus wurden zahlreiche Fragmente im Rahmen von Austauschprogrammen an andere Sammlungen vor allem in Europa und Nordamerika weitergegeben.

Allein in der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien befinden sich rund 1600 Einzelsteine des Mocs-Meteoriten, womit Mocs zu den am besten vertretenen Meteoriten dieser Sammlung zählt. Mocs gilt als einer der wichtigsten Meteoritenschauer des 19. Jahrhunderts in Europa. Große Massen liegen auch im Nationalen Museum für Siebenbürgenische Geschichte in Cluj, Rumänien (42,8 kg) und im Ungarischen Naturwissenschaftlichen Museum in Budapest (21 kg).

Weitere Proben sind heute in vielen Museen und universitären Sammlungen weltweit verteilt, sodass Mocs in der Meteoriten-Forschung leicht zugänglich ist und vielfach untersucht wurde. Die Kombination aus gut dokumentiertem Fall, großer Anzahl von Fragmenten und weiter Verteilung in Museumssammlungen macht den Meteoriten zu einem Referenzobjekt für L-Chondrite mit fortgeschrittener Metamorphose und komplexer Schockgeschichte.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Aufgrund der großen Stückzahl und der guten Erhaltung wurde Mocs mehrfach Gegenstand detaillierter Laborstudien. Arbeiten seit den 1990er-Jahren befassen sich unter anderem mit:

Einzelnachweise

  1. ↑ Mocs. Archiviert vom Original am 12. Juni 2007; abgerufen am 4. Dezember 2025.
  2. 1 2 3 Meteoritical Bulletin Database - Entry for Mocs. Abgerufen am 4. Dezember 2025 (englisch).
  3. 1 2 Claudiu Tănăselia, Oana Cadar, Mara Campeanu, Constantin Balica, Thomas Dippong: Revised rare earth elements composition of mocs meteorite using HR-ICP-MS and ICP-QMS analysis. Januar 2016 (ubbcluj.ro [PDF]).
  4. ↑ Mocs meteorite, Mociu, Cluj County, Romania. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
  5. 1 2 Miura, Y., Iancu, G. O., Iancu, G., Yanai, K., & Haramura, H.: Reexamination of Mocs and Tauti chondritic meteorites: Classification with shock degree. In: Published by the National Institute of Polar Research (Hrsg.): Nineteenth Symposium on Antarctic Meteorites. Proceedings of the NIPR Symposium, No. 8, held May 30-June 1, 1994, at the National Institute of Polar Research, Tokyo. 1995 (harvard.edu [PDF]).
  6. ↑ Mocs meteorite, Mociu, Cluj County, Romania. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
  7. ↑ T. E. Ferko, M. E. Lipschutz: Cosmogenic-radionuclide Profile of the Mocs Meteorite Strewnfield. In: Lunar and Planetary Science. Volume 27, März 1996, S. 357 (harvard.edu [PDF]).