Ein moderates Maß, auch moderates Borel-Maß genannt, ist ein Begriff aus der Maßtheorie, einem Teilgebiet der Mathematik, das sich mit verallgemeinerten und abstrahierten Längen- und Volumenbegriffen beschäftigt und damit die Basis für die Stochastik und die Integrationstheorie bildet.
Als moderate Maße bezeichnet man hier spezielle Maße auf Hausdorff-Räumen, die Borel-Maße sind und für die eine abzählbare Überdeckung des Grundraumes aus offenen Mengen endlichen Maßes existiert. Moderate Maße ermöglichen es, allgemeinere Kriterien für die Regularität des Maßes anzugeben, wie es zum Beispiel die Endlichkeit des Borel-Maßes erlauben würde.
Moderate Maße wurden erstmals von Nicolas Bourbaki 1969 eingeführt.
Gegeben sei ein Hausdorff-Raum und sei die zugehörige Borelsche σ-Algebra. Ein Borel-Maß
heißt ein moderates Maß, wenn es offene Mengen gibt, so dass für alle ist und
Dabei wird ein Maß als Borel-Maß bezeichnet, wenn es lokal endlich ist, also wenn es zu jedem eine Umgebung mit gibt.
Das Lebesgue-Maß auf ist ein moderates Maß, denn es ist lokal endlich. Dazu wählt man zu jedem Punkt die Umgebung , dann ist und damit endlich. Eine mögliche offene Überdeckung wären die Mengen .
Moderate Maße liefern wichtige Regularitätsaussagen für Borel-Maße. Dabei nutzt man aus, dass für eine offene endliche Überdeckung das Borel-Maß eingeschränkt auf endlich ist und damit viele Regularitätseigenschaften endlicher Borel-Maße sich auf moderate Borel-Maße übertragen.
Beispielsweise gilt in Hausdorff-Räumen, dass wenn ein moderate Borel-Maß ist und jede offene Menge mit endlichem Maß von innen regulär ist, dass dann auch regulär ist.
Daraus folgt mit den obigen Eigenschaften sofort, dass für einen Hausdorff-Raum die folgenden Schlüsse gelten:
Nach dem Satz von Ulam ist jedes Borel-Maß auf einem polnischen Raum regulär und moderat.