Bei einem Mohelbuch handelt es sich um ein Buch, in dem der Mohel die von ihm nach jüdischem Ritus durchgeführten Beschneidungen (Brit Mila) aufzeichnet. Diese kleinen Bücher spielen auch in der Ahnenforschung eine wichtige Rolle.
Die ersten Seiten eines Mohelbuchs sind normalerweise den besonderen Gebeten gewidmet, die während der Brit Mila gesprochen werden. Auf den übrigen Seiten werden die Details der Beschneidungen festgehalten, in der Regel der Ort, das Datum und der Name des Jungen, der beschnitten wurde.
Mohelim wählten für diesen Zweck oft kleinere Bücher, damit sie leicht mitgenommen werden konnten. Oft verzierten sie die Bücher und Titelblätter so, dass sie wie mittelalterliche Manuskripte aussahen. Ab dem 18. Jahrhundert wurden leere Mohelbücher speziell für Beschneidungseinträge gedruckt. Heute sind die Einträge in der Regel digital, und auch bestehende Mohelbücher werden digitalisiert.
Während Geburten in christlichen Familien in den Taufbüchern der christlichen Gemeinden dokumentiert wurden, wurden jüdische Geburten nicht systematisch erfasst. In Mitteleuropa wurden staatliche Geburtsregister, mit Ausnahme Frankreichs, erst nach 1876 eingeführt. Zuvor waren die jüdischen Friedhöfe und Mohelbücher die zuverlässigsten Aufzeichnungen über jüdische Familiennamen und Orte. Diese Bücher befanden sich jedoch häufig in Privatbesitz, so dass sie für Wissenschaftler und Familien, die Ahnenforschung betrieben, nur schwer zugänglich waren.
Mohelbücher in Kombination mit Friedhöfen und Ortsnamen können einen Überblick über die Bewegungen der Juden in Europa im Mittelalter und in späteren Jahrhunderten geben.