Die Farne (Mehrzahl von Farn, mittelhochdeutsch farn und daneben farm, ‚Farn, Farnkraut‘, von indogermanisch *porn-no-, ‚Feder, Blatt‘) sind eine Gruppe von Gefäßsporenpflanzen, die die Schwestergruppe der Samenpflanzen bilden. Die Farne umfassen alle Gefäßsporenpflanzen mit Ausnahme der Bärlapppflanzen. Somit zählen zu ihnen die Schachtelhalme, die Gabelblattgewächse, die Natternzungengewächse, die Marattiaceae und die Echten Farne. Sie werden häufig als Monilophyten bezeichnet, die Bezeichnungen Monilophyta oder Moniloformopses sind jedoch keine gültigen Taxon-Bezeichnungen.
Es gibt weltweit rund 12.000 Arten, die meisten davon in den immerfeuchten Tropen. In Europa sind etwa 171 Arten, in Mitteleuropa etwa 101 Arten beheimatet.
Geschichte
Im Karbon (vor etwa 360–300 Millionen Jahren) bildeten Farne (in größerer Form als heute, meist Baumfarne genannt) zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlapppflanzen riesige Wälder und schufen die Basis für die meisten heutigen Steinkohle-Vorkommen. Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem unteren Devon (vor etwa 400 Millionen Jahren). Farne sind somit wahrscheinlich älter als die Samenpflanzen, die erstmals im oberen Devon auftraten.
Merkmale
Die Farne besitzen alle Merkmale der Gefäßsporenpflanzen. Sie haben eine besondere Form der Gefäßbündel: Das Protoxylem ist auf bestimmte Lappen des Xylemstrangs beschränkt. Daher kommt auch der Name Monilophyta: Lateinisch moniliformis bedeutet „halsbandförmig“. Alle rezenten Vertreter haben auch eine spezifische Insertion im Plastiden-Genrps4 von neun Nukleotiden.
Farnpflanzen sind in der Regel außerdem durch Wedelblätter (ähnlich den Palmwedeln) mit Rhachis gekennzeichnet, die über rand- oder unterständige Sporangien verfügen. Die Fiederblätter von Farnen sind bei den meisten Arten flächig ausgebildet und in der Jugend eingerollt.
In tropischen Gebieten wachsen die größten Farnpflanzen, die Baumfarne. Vertreter der Familien Cyatheaceae und Dicksoniaceae bilden einen Scheinstamm aus und ähneln daher Bäumen.
Verbreitung
Durch ihre unterschiedlichen Wuchsformen besiedeln Farne weltweit unterschiedliche Lebensräume, wobei sie eher feuchte Standorte bevorzugen. Ihren Verbreitungsschwerpunkt, sowie die größte Artenvielfalt weisen Vertreter der Farne in Orientalis, Mittelamerika und dem nördlichen Südamerika auf.
Viele Farnpflanzen bevorzugen schattige Plätze im Wald, in Mauerritzen, Felsspalten und Schluchten oder in der Nähe von Gewässern, es gibt aber auch lichtliebende Arten.
Manche Farne werden als Zierpflanzen genutzt, da sie winterhart sind und auch an schattigen Standorten gedeihen. Junger Adlerfarn und Straußenfarn werden trotz ihrer Giftigkeit regional als Salat oder Wildgemüse gegessen.
In den Küchen asiatischer Länder wie der chinesischen und der japanischen stehen unterschiedliche Arten von Farnen bereits seit rund 3000 Jahren auf dem Speiseplan zahlreicher Menschen. Dabei werden sämtliche Teile diverser Farne (wie des Adlerfarns) so zubereitet, dass sie sich für den menschlichen Verzehr eignen.
Farne wurden auch in der Heilkunde verwendet. Als Farnkraut bzw. Farn wurden im Mittelalter meist Echter Wurmfarn („männlich“) und Wald-Frauenfarn („weiblich“), weniger der Bergfarn genutzt.
Systematik
Die Farne werden nach der hier verwendeten Systematik von Smith et al. (2006) in vier Klassen unterteilt, die alle monophyletisch sind:
Alan R. Smith, Kathleen M. Pryer, Eric Schuettpelz, Petra Korall, Harald Schneider, Paul G. Wolf:A classification for extant ferns. In: Taxon. Band55, Nr.3, 2006, ISSN0040-0262, S.705–731, doi:10.2307/25065646 (englisch).
Nele Wellinghausen:Farnpflanzen. Bestimmungsschlüssel für alle heimischen Farne, Bärlappartigen und Schachtelhalme. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung (DJN), Hamburg 1997, ISBN 3-923376-13-8.
12Alan R. Smith, Kathleen M. Pryer, Eric Schuettpelz, Petra Korall, Harald Schneider, Paul G. Wolf:A classification for extant ferns. In: Taxon. Band55, Nr.3, 2006, ISSN0040-0262, S.705–731, doi:10.2307/25065646 (englisch).
↑T.G. Tutin, N.A. Burges, A.O. Chater, J.R. Edmondson, V.H. Heywood, D.M. Moore, D.H. Valentine, S.M. Walters, D.A. Webb (Hrsg.):Flora Europaea. 2., überarbeitete Auflage. Volume 1: Psilotaceae to Platanaceae. Cambridge University Press, Cambridge/ New York/ Melbourne 1993, ISBN 0-521-41007-X (englisch).
↑Karl Ulrich Kramer (Hrsg.):Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. Begründet von Gustav Hegi. 3., völlig neubearbeitete Auflage. Band I; Teil 1: Pteridophyta. Paul Parey, Berlin/ Hamburg 1984, ISBN 3-489-50020-2.
↑Jost Fitschen (Begr.), Franz H. Meyer, Ulrich Hecker, Hans Rolf Höster, Fred-Günter Schroeder:Gehölzflora. Ein Buch zum Bestimmen der in Mitteleuropa wild wachsenden und angepflanzten Bäume und Sträucher. Mit Knospen- und Früchteschlüssel. 12., überarb. und erg. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2007, ISBN 978-3-494-01422-7, S.6.
↑Michael Ashkenazi, Jeanne Jacob:The Essence of Japanese Cuisine: An Essay on Food and Culture. University of Pennsylvania Press, 2000, ISBN 978-0-7007-1085-0 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 185 (zu Filex – farnkrut […]).
↑Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 375 (Varm).
↑Thomas N. Taylor, Edith L. Taylor, Michael Krings:Paleobotany. The Biology and Evolution of Fossil Plants. 2. Auflage. Elsevier/ Academic Press, Amsterdam u.a. 2009, ISBN 978-0-12-373972-8, S.401–405 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
Weblinks
Commons: Farne– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien