Die Monoamine werden durch sogenannte Monoamin-Transporter in die Zellen hinein oder aus diesen heraus transportiert; in der äußeren Zellmembran sind für den Transport zuständig:
Die Monoamin-Neurotransmitter werden nach ihrer Freisetzung in den synaptischen Spalt durch die Monoaminooxidase desaminiert und damit inaktiviert.
Monoamin-Hypothese als eine Theorie für eine Ursache von Depressionen
Die Monoamin-Hypothese oder auch Seroronin-Mangelhypothese war eine Theorie für die biochemische Ursache von Depressionen. Sie wurde abgeleitet aus der Wirksamkeit von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) bei Depressionen und gilt mittlerweile als widerlegt, weil sie nicht im Einklang steht mit zahlreichen Befunden.
Ein Umbrella-Review von 2022 hat diese Punkte zusammengefasst:
Die Konzentration von Serotonin und Abbauprodukten im Blut oder Liquor unterscheidet sich nicht zwischen Menschen mit Depressionen und Menschen ohne Depressionen
Bei den Serotoninrezeptoren (5-HT1A) gibt es keinen Unterschied zwischen Menschen mit Depression und Menschen ohne Depression oder Serotoninaktivität ist bei Menschen mit Depression sogar erhöht (statt vermindert)
Auch das Serotonin-Transporter-Protein (SERT) zeigt tendenziell bei Menschen mit Depressionen eher erhöhte Serotoninaktivität
Durch ein künstliches Senken des Serotoninspiegels durch Tryptophan-freie Diät wird keine Depression induziert (weder im Tierversuch noch beim Menschen)
SERT-Gen-Polymorphismen: Es gibt keinen Unterschied in der Häufigkeit von Gen-Varianten zwischen Menschen mit Depressionen und gesunden Kontrollpersonen
Weitere Hinweise, dass die Theorie nicht stimmen kann:
Die Wirksamkeit der Antidepressiva ist im Mittel identisch, völlig unabhängig vom Rezeptor-Profil, an dem sie ansetzen (Serotonin, Noradrenalin, Melatonin, …)
Mit Tianeptin gibt es einen selektiven Serotonin-Reuptake-Verstärker/Enhancer (SSRE), der genau die gleiche Wirksamkeit wie SSRI hat
SSRI erhöhen die Serotonin-Konzentration innerhalb von Stunden, aber die Wirkung auf Depression setzt mit starker Verzögerung (1-2 Wochen) ein
Amphetamine und Kokain erhöhen ebenfalls die Konzentration von Noradrenalin und Serotonin im synaptischen Spalt, wirken aber bei depressiven Patienten nicht antidepressiv
Literatur
Hirschfeld, Robert MA: History and evolution of the monoamine hypothesis of depression. Journal of clinical psychiatry 61.6 (2000): 4-6.
Hamon, Michel, and Pierre Blier: Monoamine neurocircuitry in depression and strategies for new treatments. Progress in Neuro-Psychopharmacology and Biological Psychiatry 45 (2013): 54-63.
Einzelnachweise
↑Joanna Moncrieff, Ruth E. Cooper, Tom Stockmann, Simone Amendola, Michael P. Hengartner, Mark A. Horowitz:The serotonin theory of depression: a systematic umbrella review of the evidence. In: Molecular Psychiatry. Band28, Nr.8, August 2023, ISSN1359-4184, S.3243–3256, doi:10.1038/s41380-022-01661-0, PMID 35854107, PMC10618090(freier Volltext) – (nature.com[abgerufen am 12.November 2025]).