Bistatisches Radar

Prinzip des bistatischen Radars

Ein bistatisches Radar ist ein Radar, bei dem Sender und Empfänger an getrennten Orten aufgebaut sind. Im Gegensatz dazu wird ein Radar, bei dem sich Sender und Empfänger am selben Ort befinden oder sogar die gleiche Antenne verwenden, als monostatisches Radar bezeichnet. Radargeräte, welche zwar getrennte Sende- und Empfangsantennen verwenden, die aber dicht neben- oder übereinander montiert sind, sind ebenfalls monostatische Radare, werden aber in einiger Literatur als quasi-monostatisch oder pseudo-monostatisch bezeichnet. Wesentlicher Aspekt für die Unterscheidung von bistatisch oder monostatisch ist die Radarsignalverarbeitung, welche entweder den Hin- und Rückweg von Sendesignal und Echosignal als etwa gleich groß annimmt und so die Laufzeitmessung einfach halbiert, oder Hin- und Rückweg als getrennte Variablen und eine kompliziertere Entfernungsberechnung nutzt. Wenn mehrere Empfangsstellungen genutzt werden, wird das System als multistatisches Radar bezeichnet, was den Vorteil einer gleichzeitig durchführbaren Multilateration bietet.

Zu bistatischen Radargeräten gehören:

Arbeitsprinzip

Beispiel: Passives Radar Klein Heidelberg: Werden zwei verschiedene Quellen verwendet, so muss sich das die Signale reflektierende Flugzeug an einem Schnittpunkt der beiden Ellipsen befinden: Eine Richtungsmessung ist nur noch für die Auswahl des richtigen Schnittpunktes notwendig, darf also relativ ungenau sein.

Zur Ermittlung der Zielkoordinaten werden generell zwei Empfangswege benötigt. Mit einer Standleitung oder einer Antenne mit dazugehörigem Empfänger wird das ausgestrahlte Signal auf direktem Wege empfangen. Dieses Signal dient als zeitliche Referenz. Mit einem zweiten, wesentlich empfindlicheren Empfangskanal wird das Echosignal eines Flugzeuges empfangen. Es wird eine zusätzliche Verzögerungszeit zwischen direktem Weg und dem Weg über eine Reflexion oder Streuung gemessen. Diese Verzögerungszeit ist ein Maß für den Umweg. Es gibt unendlich viele mögliche Orte, welche als Ursache für den Umweg in Frage kommen. Bei dreidimensionaler Koordinatenbestimmung bilden alle diese Orte einen Rotationsellipsoiden mit der Senderstellung und der Empfängerstellung auf den Brennpunkten. Bei einem zweidimensional messenden Radar können sie auf eine Ellipse mit den Brennpunkten Sender und Empfänger reduziert werden. Zwei unterschiedliche Quellen oder zwei unterschiedliche Empfangsstellungen ergeben zwei oder mehrere Schnittpunkte beider Ellipsen, von denen einer die wahrscheinlichste Position des reflektierenden Flugzeugs bestimmt. Einfacher, aber oft ungenauer ist eine Peilung mit Hilfe der Empfangsantenne, welche einen Seitenwinkel des Echosignals misst und den Bereich auf den Ellipsen einschränkt.

Die Entfernung des reflektierenden Ziels bis zum Empfänger kann durch den Kosinussatz ermittelt werden:

r12=r22+rBa2−2r2rbacos⁡γ
r1+r2=rΣ

Dieses Gleichungssystem mit den zwei Unbekannten kann zur folgenden Gleichung umgeformt werden:

r2=rΣ2−rBa22(rΣ−rBacos⁡γ)

Der Winkel γ ist der Winkel zwischen der Basislinie zwischen Sender und Empfänger und der Ziellinie. Er kann mit folgender Beziehung ermittelt werden:

γ=arccos⁡(cos⁡ϵ⋅cos⁡β)

Bei einem nur zweidimensional messenden Radar wird der Höhenwinkel ϵ=0 gesetzt und somit ist γ=β.

Grenzfälle

Ein bistatisches Radar kann ausreichend genaue Messwerte ermöglichen, wenn das Verhältnis von der Länge der Basislinie rBa als Entfernung zwischen Sender und Empfänger und die Entfernung zum Ziel innerhalb bestimmter Grenzwerte liegt. Generell gilt: Je mehr der Winkel β zwischen Basislinie und der Projektion der Ziellinie auf dem Grund sich 45 Grad nähert, desto genauer werden die Messergebnisse. Es gibt Fälle, in denen das bistatische Konzept an seine Grenzen stößt:

Geschichte

Mit Ausnahme des ersten Radarexperiments von Christian Hülsmeyer im Jahr 1904 waren alle praktisch aufgebauten Radarsysteme bis etwa 1930 bistatische Radargeräte. Diese arbeiteten oft auch nur nach einem Dauerstrichverfahren, so dass eine Entfernungsmessung nur durch Peilung und Multilateration möglich war. Diese frühen bistatischen Radare waren in der Regel als fest installierte, bodengestützte Barrieren konfiguriert, um die Anwesenheit von Flugzeugen beim Durchqueren der Barriere zu erkennen, wodurch die Luftverteidigung alarmiert werden konnte. Erst die Erfindung von Sende-/Empfangsumschaltern ermöglichte monostatische Radargeräte.

Literatur

Commons: Bistatisches Radar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Merrill I Skolnik: Radar Handbook, Third Edition. McGraw-Hill Education, 2008, ISBN 978-0-07-148547-0, S. 23.1 bis 23.3.
  2. ↑ «Теоретическое Основы Радиолокации», Под редакцией профессора Яковa Давидовичa Ширмана, Издателство «Советское Радио», Москва 1970, S. 321ff
  3. ↑ in der deutschen Übersetzung eines Autorenkollektivs: Jakow Davidowitsch Schirman: „Theoretische Grundlagen der Funkortung“, Militärverlag der DDR, Berlin 1977, S. 356ff
  4. 1 2 3 4 Nicholas Willis, Hugh Griffiths: Advances in Bistatic Radar. SciTech Publishing, 2007, ISBN 978-1-891121-48-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. 1 2 Patent US1981884A: System for detecting objects by radio. Angemeldet am 13. Juni 1933, veröffentlicht am 27. November 1934, Erfinder: Albert H Taylor, Leo C Young, Lawrence A Hyland.‌
  6. ↑ Edward V. Appleton: The ionosphere. 12. Dezember 1947, abgerufen am 2. Oktober 2023 (englisch).
  7. ↑ J. A. Ratcliffe: The Early Ionosphere Investigations of Appleton and His Colleagues. Oktober 1975, abgerufen am 2. Oktober 2023 (englisch).
  8. ↑ Sanford C. Gladden: A history of vertical-incidence ionsphere sounding at the National Bureau of Standards. September 1959, abgerufen am 2. Oktober 2023 (englisch).
  9. ↑ Randall DeGering: American “Radio Position Finding” Research and Development. In: The Invention of Radar. 7. August 2005, abgerufen am 2. Oktober 2023 (englisch).
  10. ↑ Howard Hughes: L. A. Hyland, Radar Pioneer, 92. 26. November 1989, abgerufen am 2. Oktober 2023 (englisch).