Venushügel

Der Venushügel, natürlicherweise bedeckt von Schamhaar

Der nach der römischen Liebesgöttin Venus benannte Venushügel, auch Venusberg (medizinisch bis heute lateinisch Mons Veneris oder Mons pubis), veraltet Schamberg oder selten auch Schamhügel, ist die leichte Erhebung über dem weiblichen Schambein direkt oberhalb der Schamlippen. Sie wird durch eine Ansammlung von subkutanem Fettgewebe auf der Schambeinfuge verursacht.

Ab der Pubertät ist der Venushügel mit Schamhaaren bedeckt. Ein kleiner Venushügel bei präpubertären Mädchen wurde früher als Monticulus Veneris (lateinisch: Deminutiv von mons = Berg, Erhebung, Vorwölbung; also ‚Hügelchen der Venus‘) bezeichnet.

Anatomie und Physiologie

Rasierter Venushügel

Der Venushügel ist die Körperregion direkt oberhalb der großen Schamlippen (Labia majora). Er beginnt an der Stelle, wo die äußeren Schamlippen vorne zusammenlaufen (Commissura labiorum anterior). Die Erhebung des Hügels besteht aus subkutanem Fettgewebe. Ab der Pubertät bedecken natürlicherweise Schamhaare den Venushügel. Aufgrund der Vielzahl dort verlaufender Nervenverbindungen kann der Venushügel als erogene Zone betrachtet werden.

Bei den Mädchen verdickt sich zu Beginn der Pubertät das Gewebe des Venushügels. Die Entwicklung und das Erscheinungsbild des Venushügels werden durch verschiedene Sexualhormone beeinflusst, insbesondere Östrogene haben unter anderem Einfluss auf die Fettverteilung im weiblichen Körper.

Nebenbedeutungen

Friedrich von Logau meint mit Venushügel die Brüste, nicht den Mons pubis. Der unmittelbare Zusammenhang ist die Mode des 17. Jahrhunderts mit entblößtem Dekolleté. Zitat: „venushügel, m.: weiblicher busen: jungfern, die die Venushügel blösen unverholen, blasen zu dem liebes-feuer iedem auff die kolen. Logau 3, 165, 61 (587 Eitner).“

Die Bezeichnung des Venushügels als Venusberg kommt auch in anderen Sachzusammenhängen vor. So ist Venusberg der „Name mehrerer deutscher Berge, in denen nach der Sage Venus leben soll“, beispielsweise der Stadtbezirk Venusberg in Bonn.

Auch die Berge auf dem Planeten Venus sind Venusberge.

Johann Christoph Adelung beschrieb den Venus-Berg in der „Chiromanthie, eine gewisse Erhöhung in der flachen Hand, der Liebesberg“, denn beim Handlesen wird der Thenar auch als Venushügel bezeichnet. Dort soll der Sitz von Liebe, Sinnlichkeit, Lebensfreude, Vitalität und körperlicher Zuneigung sein.

Geschichte

Früher sagte man auch Schoßhügel oder Episium (lateinisch, von altgriechisch επισιον Epision). Oder Mons pubis seu Veneris.

Bei Johann Georg Krünitz (1728–1796) findet man: „Venus=Berg, oder Schambeinberg, die erhabene Stelle über den weiblichen Geschlechtstheilen.“

Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm steht beim Stichwort Venusberg: „die beim weiblichen geschlecht über der scham liegende erhabnere gegend, mons Veneris.“

Die quer verlaufende „zarte horizontale Furche“ oberhalb des Mons pubis an der Grenze zur Bauchhaut nannte man Sulcus pubis oder auf französisch Pli de Vénus. Zusätzlich beschrieb Paul Richer dieselbe Struktur anatomisch als sillon transversal beziehungsweise sillon sus-pubien, der den Mons pubis nach oben begrenzt. In Richers älterer Anatomie artistique findet sich außerdem der Ausdruck pli sus-pubien.

Philipp Andreas Nemnich vermerkte 1794, dass die Bezeichnung Mons Veneris bei einigen Autoren auch für die entsprechende Region beim Mann gebraucht werde. Zitat: „bei einigen [Autoren] findet man die nämliche gegend bei dem männlichen geschlechte mit demselben namen bezeichnet“.

Trivia

Siehe auch

Literatur

Commons: Venushügel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Venushügel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Schamhügel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Brockhaus Enzyklopädie, 19. Auflage, Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, Mannheim 1992, 19. Band, ISBN 3-7653-1119-7, ISBN 3-7653-1219-3, S. 282.
  2. ↑ Duden: Wörterbuch medizinischer Fachbegriffe. 10. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-411-04837-3, S. 845.
  3. ↑ Karl-Dieter Bünting: Deutsches Wörterbuch. Isis Verlag, Chur / Schweiz 1996, ISBN 3-8299-0197-6, S. 1243 f.
  4. ↑ Felix Sieglbauer: Lehrbuch der normalen Anatomie des Menschen. 8. Auflage. Urban & Schwarzenberg, München/Berlin 1958, S. 746.
  5. ↑ Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Loseblattsammlung 1966–1977, 6. Ordner (S–Zz). Urban & Schwarzenberg, München/Berlin/Wien 1974, ISBN 3-541-84006-4, S. V 31.
  6. ↑ Helmut Ferner, Jochen Staubesand (Hrsg.): Johannes Sobotta, Hellmut Becher: Atlas der Anatomie des Menschen. Band 2 (Eingeweide). 17. Auflage, 6. Nachdruck, Urban & Schwarzenberg, München/Berlin/Wien 1978, ISBN 3-541-02827-0, S. 222.
  7. ↑ Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage; Elsevier, Urban & Fischer Verlag, München/Jena 2003, ISBN 3-437-15156-8, S. 1927.
  8. ↑ Herbert Volkmann (Hrsg.): Kurt Hoffmann: Medizinische Terminologie, begründet von Walter Guttmann (auch Walter Marle), 35. Auflage, Urban & Schwarzenberg, München/Berlin 1951, Spalte 639.
  9. ↑ Gerhard Wahrig: Deutsches Wörterbuch. Jubiläumsausgabe, Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh / München 1991, ISBN 3-570-03648-0, S. 1350.
  10. ↑ Otto Roth: Klinische Terminologie. 10. Auflage, von Karl Doll und Hermann Doll, Georg Thieme Verlag, Leipzig 1925, S. 322.
  11. ↑ Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007/2008. 1. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 1948.
  12. ↑ Markwart Waldemar Michler, Jost Benedum: Einführung in die Medizinische Fachsprache. 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1881, ISBN 3-540-10667-7, S. 322.
  13. ↑ Hermann Triepel, Hermann Stieve: Die anatomischen Namen, ihre Ableitungen und Aussprache. 24. Auflage, Verlag von Joseph Friedrich Bergmann, Leipzig 1948, S. 42.
  14. ↑ Martin Schurig (1656–1733): Muliebria historico-medica, hoc est partium genitalium muliebrium consideratio physico-medico-forensis, qua pudendi muliebris partes tam externae, quam internae, scilicet uterus cum ipsi annexis ovariis et tubis Fallopianis, nec non varia de clitoride et tribadismo, de hymene et nymphotomia seu feminarum circumcisione et castratione selectis et curiosis observationibus traduntur. Apud Christophori Hekelii B. filium, Friedrich Hekel, Dresden / Leipzig 1729, Kapitel III, S. 21. - Zitat: „Ideo tres pudendi muliebris partes externae, scilicet pubes, monticulus Veneris, atque labia tempore pubertatis pilis seu crinibus obteguntur.“ - Übersetzung: „Daher werden die drei äußeren Teile der weiblichen Scham, nämlich die Schamgegend (pubes), der Venushügel (monticulus Veneris) und die Schamlippen (labia), zur Zeit der Pubertät mit Haaren beziehungsweise Härchen bedeckt.“
  15. ↑ Nicholas Culpeper, Ebenezer Sibley: Culpepper’s English Physician; and Complete Herbal. To which are now first added, upwards of one hundred additional herbs, with a display of their medicinal and occult properties … Forming a complete family dispensatory, and natural system of physics. Printed for the author, and sold at the British Directory Office, London 1789.
  16. ↑ Joseph Jakob Plenck: Elementa artis obstetriciae. Editio praelectionibus adcommodata. Apud Rudolphum Graeffer, Wien 1781, 216 Seiten. - Die Formulierung „Mons veneris est monticulus pinguedinosus.“ bedeutet dabei: „Der Venushügel ist ein fettreiches Hügelchen.“.
  17. ↑ Ingrid Gerhard, Ulrich E. Heinrich: Die Pubertät und ihre Störungen. In: Benno Runnebaum, Thomas Rabe: Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin. Band 1: Gynäkologische Endokrinologie. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York / London / Paris / Tokio / Hongkong / Barcelona / Budapest 1994, ISBN 3-540-57345-3, S. 263–303, Zitat S. 272.
  18. ↑ Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 25, Spalte 50.
  19. ↑ Friedrich von Logau: „Jungfern“. In: Sämmtliche Sinngedichte. Herausgeber: Gustav Eitner. Literarischer Verein, Tübingen 1872 (= Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Band 113), S. 587.
  20. ↑ Friedrich von Logau: Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend: Drittes Tausend, Neuntes Hundert, Nr. 61. S. 165 (digitale-sammlungen.de).
  21. ↑ Hans Witte: Schülerbildungswerk. 3. Auflage. Verlag Hans Witte, Freiburg im Breisgau 1965, S. 967.
  22. ↑ Johann Christoph Adelung: Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. (Ausgabe letzter Hand, Leipzig 1793–1801), Band 4, Spalte 979 f.
  23. ↑ William Gurney Benham: The Laws of Scientific Hand Reading – A Practical Treatise on the Art Commonly Called Palmistry. G. P. Putnam’s Sons, New York / London 1900.
  24. ↑ Venusberg, Schooshügel und Schaamhügel. Quelle: Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage, Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 376 und 634. Digitalisat der Ausgabe von 1844, Internet Archive.
  25. ↑ Julius Mahler: Kurzes Repetitorium der medizinischen Terminologie (Medizinisches Taschenwörterbuch). 4. Auflage, Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1922, S. 133.
  26. ↑ Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. Band 204, S. 321.
  27. ↑ Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 25, Spalte 48.
  28. ↑ Felix Sieglbauer: Lehrbuch der normalen Anatomie des Menschen. 8. Auflage. Urban & Schwarzenberg, München/Berlin 1958, S. 746.
  29. ↑ Heinrich Wilhelm Gottfried von Waldeyer-Hartz: Das Becken, topographisch-anatomisch mit besonderer Berücksichtigung der Chirurgie und Gynäkologie. Friedrich Cohen, Bonn 1899, S. 183.
  30. ↑ Paul Richer: Nouvelle anatomie artistique du corps humain. Cours supérieur. Morphologie de la femme. Plon-Nourrit, Paris 1920, S. 207.
  31. ↑ Paul Richer: Anatomie artistique. Description des formes extérieures du corps humain au repos et dans les principaux mouvements. Plon, Nourrit et Cie, Paris 1890, S. 181 und 203.
  32. ↑ Philipp Andreas Nemnich: Allgemeines Polyglotten-Lexicon der Naturgeschichte mit erklärenden Anmerkungen. Band 3 (G–N). Verlag Philipp Andreas Nemnich, Hamburg, Adam Friedrich Böhme, Leipzig 1794, Spalte 597. biodiversitylibrary.org.