| Matterhorn | ||
|---|---|---|
| Ost- und Nordwand des Matterhorns (2007), an der Licht-/Schattengrenze der Hörnligrat | ||
| Höhe | 4478 m ü. M. | |
| Lage | Grenze Kanton Wallis (Schweiz) und Aostatal (Italien) | |
| Gebirge | Walliser Alpen | |
| Dominanz | 13,7 km → Liskamm-Westgipfel | |
| Schartenhöhe | 1043 m ↓ Col Durand | |
| Koordinaten, (CH) | 45° 58′ 35″ N, 7° 39′ 31″ O (617049 / 91670) | |
|
| ||
| Erstbesteigung | 14. Juli 1865 durch die 7er-Seilschaft Edward Whymper, Michel Croz, Charles Hudson, Francis Douglas, Douglas Robert Hadow, Peter Taugwalder (Vater), Peter Taugwalder (Sohn) | |
| Normalweg | Hörnligrat (Nordostgrat) von Hörnlihütte III+ (ZS) | |
Das Matterhorn (italienisch Monte Cervino oder Cervino, französisch Mont Cervin oder Le Cervin, walliserdeutsch Hore oder Horu) ist mit 4478 m ü. M. einer der höchsten Berge der Alpen. Wegen seiner markanten Gestalt und seiner Besteigungsgeschichte ist das Matterhorn einer der bekanntesten Berge der Welt. Für die Schweiz ist es ein Wahrzeichen und eine der meistfotografierten Touristenattraktionen.
Der Berg steht in den Walliser Alpen zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia. Ost-, Nord- und Westwand liegen auf schweizerischem, die Südwand auf italienischem Staatsgebiet.
Im Allgemeinen kamen im Gebirge die Bergspitzen erst spät zu ihren Namen, die daruntergelegenen Passübergänge und Alpen jedoch meist früher. Auf Johannes Schalbetters Karte von 1535 ist das Matterhorn als mons silvius und Augsttalberg beschriftet, in Sebastian Münsters Cosmographia von 1544 heisst der Theodulpass zwischen Aostatal und Mattertal Matterberg. 1581 wurde das Matterhorn erstmals als Mont Cervin bezeichnet. Im Jahr 1682 nannte Anton Lambien das Matterhorn Matter Dioldin h[orn] (Matterhornspitze) zur Abgrenzung vom gleichnamigen Pass, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts (beispielsweise auf der Dufourkarte) noch Matterjoch genannt wurde. In der Lokalbevölkerung wird der Berg auch einfach ds Hore («das Horn», Zermatter Dialekt) oder ds Horu («das Horn», Oberwalliser Dialekt) genannt.
Das Matterhorn ist ein Karling, und seine charakteristische Form entstand durch Erosion und Gletscherschliff in den Eiszeiten. Das Matterhorn ist Teil der Dent-Blanche-Decke des Unter-Ostalpins, also eines weit nach Westen auf die penninischen Decken der Westalpen aufgeschobenen Trümmerstücks eines ostalpinen Deckgesteins. Die untere Gesteinsschicht des Matterhorns, die bis zur Höhe der Hörnlihütte reicht, ist penninisch, also westalpin. Das im Vergleich dazu kleine Horn selbst sitzt auf dieser Basis auf und gehört zur Dent-Blanche-Decke, und zwar der untere Teil bis zur «Schulter» zur Arolla-Serie aus Orthogneisen und Metagabbros und der oberste Teil zur Valpelline-Serie aus hochmetamorphen Paragneisen der Dent-Blanche-Decke. Einfach ausgedrückt, besteht das Matterhorn aus zwei verschiedenen, schräg aufeinanderliegenden Gesteinspaketen. Der heutige Matterhorngletscher entstand erst wieder im Pessimum der Völkerwanderungszeit nach dem Optimum der Römerzeit.
Am 13. Juni 2023 kollabierte ein freistehender Felspfeiler am Hörnligrat, rund 20 Kubikmeter Gestein stürzten ab. Menschen kamen nicht zu Schaden. Da der Pfeiler über Jahre beobachtet worden war, konnte der Felssturz vorhergesagt werden. Ursache war der Klimawandel. Durch diesen schmilzt der Permafrost, der den Fels bislang zusammengehalten hatte. Gleichzeitig bringt das Schmelzwasser Wärme in den Untergrund, damit taut der Permafrost noch schneller. Zudem verringert sich die Reibung an den Klüften, was das Gestein zusätzlich schwächt.

Eine Besonderheit ist die charakteristische «Matterhorn-Wolke». Sie ist ein herausragendes Beispiel für einen Wolkentyp, den Meteorologen als Bannerwolke bezeichnen: Wie eine mächtige Fahne bildet sich die Wolke auf der windabgewandten Seite (Lee-Seite) des Gipfels als fast ständiger Begleiter des Berges. Die plausibelste Erklärung für ihr Entstehen ist die folgende: Das Matterhorn überragt das umgebende Gebirge wie ein Turm, so dass sich an ihm Leewirbel bilden, die feuchte Luft aus dem Tal nach oben führen, wo es zur Kondensation und Wolkenbildung kommt. Ist das Gipfelniveau erreicht, so wird die Wolke von einem waagerechten Ast des Leewirbels erfasst, der zu der typischen Fahnen-Form führt (Leewirbel-Hypothese).


Seit 1857 wurden mehrere erfolglose Versuche unternommen, das Matterhorn zu besteigen, zumeist von der italienischen Seite her. 1862 erstieg John Tyndall mit den Führern Johann Josef Benet, Anton Walter, Jean-Jacques und Jean-Antoine Carrel erstmals die Südwestschulter, den heutigen Pic Tyndall. Die Fortsetzung des Aufstiegs entlang des Liongrates erschien ihnen unmöglich.
Dem Erstbesteiger des Matterhorns, Edward Whymper, erschien der Liongrat weiterhin als nicht machbar. Insgesamt war er bereits sieben Mal gescheitert und überlebte u. a. einen Sturz über 60 Meter. Whymper versuchte daher, seinen Freund Jean-Antoine Carrel zu einer Besteigung von der Zermatter Seite zu überreden. Carrel beharrte darauf, von Italien her aufzusteigen.
Im Juli 1865 erfuhr Whymper zufällig von einem Gastwirt in Breuil-Cervinia, dass Carrel sich – ohne Whymper zu benachrichtigen – wieder zum Liongrat aufgemacht hatte. Whymper fühlte sich getäuscht und eilte nach Zermatt, um dort eine Gruppe für einen sofortigen Versuch über den Hörnligrat zusammenzustellen. Am 14. Juli 1865 gelang der 7er-Seilschaft Whympers die Erstbesteigung. Die Gruppe stieg über den Hörnligrat auf die Schulter; weiter oben, im Bereich der heutigen Fixseile, wich sie in die Nordwand aus. Edward Whymper erreichte als erster den Gipfel, weil er sich vor dem Gipfel vom Seil losschnitt und vorauslief. Ihm folgten der Bergführer Michel Croz (aus Chamonix), Reverend Charles Hudson, Lord Francis Douglas, Douglas Robert Hadow (alle aus England) sowie die Zermatter Bergführer Peter Taugwalder Vater und Peter Taugwalder Sohn. Sie sahen Carrel und seine Gruppe weit unterhalb am Pic Tyndall.
Beim Abstieg der Erstbesteiger stürzten die vorderen vier der Seilschaft (Croz, Hadow, Hudson und Douglas) noch oberhalb der «Schulter» über die Nordwand tödlich ab. Josef Marie Lochmatter brach ab dem 15. Juli 1865 mehrmals mit Rettungsmannschaften auf, um den vier Abgestürzten Erste Hilfe zu leisten. Am 19. Juli barg ein Bergungstrupp die Leichen von Croz, Hadow und Hudson auf dem Matterhorngletscher. Douglas’ Leiche wurde nie gefunden.
Am 17. Juli gelang auch Carrel zusammen mit Jean-Baptiste Bich der Aufstieg über den Liongrat bis zum Gipfel. Sie traversierten vom Nordende der italienischen Schulter durch die oberste Westwand auf den Zmuttgrat (sog. Galleria Carrel) und schlossen die Besteigung über diesen ab. Jean-Augustin Meynet und Amé Gorret, die weiteren Mitglieder der Seilschaft, erreichten nur den Zmuttgrat unterhalb des Gipfels.
Runde Jahrestage der Erstbesteigung des Matterhorns sind feierlich begangen worden. So zeigte das Schweizer Fernsehen zum 100. Jahrestag am 14. Juli 1965 eine internationale Live-Sendung einer Matterhornbesteigung mit Beteiligung von Berg-Reportern der BBC und der RAI. Am 30. Juni 1965 zeigte das Schweizer Fernsehen den eigens produzierten Dokumentarfilm Bitterer Sieg: Die Matterhorn Story (Regie: Gaudenz Meili). Anlässlich des 150. Jahrestages wurde am 14. Juli 2015 auf dem Bahnhofplatz in Zermatt eine Countdown-Uhr aufgebaut, im Dezember 2014 wurde im Zentrum des Ortes («Matterhorn Plaza») ein Treffpunkt für das Jubiläumsjahr ins Leben gerufen.
Am 22. Juli 1871, sechs Jahre nach Whymper, bestieg die britische Alpinistin Lucy Walker als erste Frau das Matterhorn. 1869 hatten Isabella Straton und Emmeline Lewis Lloyd als reine Frauenseilschaft die Besteigung versucht; sie scheiterten kurz vor dem Gipfel. 1877 bestieg Anna Voigt aus Frankfurt am Main als erste deutsche Bergsteigerin das Matterhorn; sie war damals eine der ersten aktiv bergsteigenden Frauen in der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen Alpenvereins. Die erste reine Frauenseilschaft, die erfolgreich das Matterhorn bestieg, bestand aus der Französin Alice Damesme und der Amerikanerin Miriam O’Brien, die am 13. August 1932 den Gipfel des Matterhorns über den Hörnligrat erreichten.
Yvette Vaucher (1929–2023) war 1965 die erste Frau, die die Nordwand des Matterhorns durchstieg, und Daisy Voog 1966 die erste Deutsche. Die beiden Japanerinnen Michiko Imai und Yoshiko Wakayama waren am 18. und 19. Juli 1967 die erste reine Frauenseilschaft, der die Durchsteigung der Nordwand gelang.
Der am weitaus häufigsten begangene Aufstiegsweg ist der Hörnligrat von Zermatt aus über die Hörnlihütte (Nordostgrat, ZS+). Er stellt den sogenannten Normalweg, also den leichtesten Aufstieg, dar. Auf 4003 Metern Höhe, nordöstlich unterhalb des Gipfels, gibt es als Biwak für Notfälle, wie Wettersturz und Zeitverzug, die von der Hörnlihütte aus betreute Solvayhütte mit zehn Notlagern. Weitere Aufstiegsrouten gibt es am Südwestgrat über den kirchendachartigen Pic Tyndall (auch Liongrat oder Italienerweg genannt, ZS+), am Nordwestgrat (Zmuttgrat, S) und am Südostgrat (Furggengrat, SS, wenig begangen). Auch durch die abweisende Nordwand verläuft mit der "Schmid-Route" eine Aufstiegsroute, die häufig von Spezialisten begangen wird.

Nordostgrat «Hörnligrat» (Normalroute)
Nordwestgrat oder «Zmuttgrat»
Südostgrat oder «Furggengrat»
Südwestgrat oder «Liongrat»
Die erste Verkettung aller vier Grate (Furggen- und Zmuttgrat im Aufstieg, Hörnli- und Liongrat im Abstieg) gelang am 28. September 1966 René Arnold und Sepp Graven. Marco Barmasse wiederholte am 11. September 1985 diese Begehung erstmals im Alleingang. Ebenfalls im Alleingang gelang Hervé Barmasse am 13. März 2014 binnen 17 Stunden die erste Winterbegehung dieser Unternehmung.
1992 gelang es Hans Kammerlander zusammen mit Diego Wellig, das Matterhorn in 23 Stunden und 26 Minuten viermal über dessen vier Grate zu besteigen, wobei dreimal über den Hörnligrat und einmal über den Liongrat abgestiegen wurde. Andreas Steindl und François Cazzanelli führten am 12. September 2018 in Summe beinahe dieselbe Unternehmung (Steindl und Cazzanelli querten im Vergleich zu Kammerlander/Wellig sogar zusätzlich einmal vom Hörnligrat zum Zmuttgrat) in anderer Reihenfolge durch und benötigten dafür 16 Stunden und 4 Minuten.

Eine Übersicht über die Kletter-Routen durch die Wände des Matterhorns bis 2017 findet sich auf der Internetseite gognablog von Alessandro Gogna.
Da die Ostwand abgesehen von der kleinen Steilwand am Matterhornkopf keine extreme Steilheit aufweist, wurden hier keine extremen Kletterrouten erschlossen.


Durch den rechten Teil der Westwand rechts unterhalb der Crête Tyndall mit den Steilwänden im unteren und mittleren Wandbereich gibt es bis heute (2025) keine vertikalen Routen. Lediglich eine Diagonalroute von links unten nach rechts oben zwischen diesen Steilstufen hindurch zum Liongrat über die Seilerplatten wurde von Amilcare Crétier und Leonardo Pession vom 24. bis 25. Juli 1931 eröffnet.

Die Südwand des Matterhorns ist die mit Abstand komplexeste Wandflucht des Matterhorns. Demzufolge gibt es hier wesentlich mehr Möglichkeiten, deutlich voneinander abgesetzte Routen zu erschliessen, als in den anderen Wänden des Berges. Die beiden klassischen Routen, die Führe der Erstbegeher und die Direkte Südwand, liegen im Zentrum der Südwand.
2500 bis 3000 Bergsteiger versuchen jede Saison, den Gipfel zu bezwingen, an Spitzentagen über 100 Alpinisten. 70 % der Alpinisten wählen die einfachste und bekannteste Route über den Hörnligrat. Pro Saison müssen ungefähr 80 Rettungseinsätze per Helikopter durchgeführt werden.
Seit der Erstbesteigung verging kein Jahr ohne tödliches Unglück am Matterhorn. Pro Jahr verunglücken acht bis zehn Menschen tödlich. Seit der Erstbesteigung vor mehr als 150 Jahren sind am Matterhorn über 600 Menschen umgekommen, der Grossteil davon auf Schweizer Seite. An keinem anderen Berg weltweit sterben offiziell so viele Alpinisten. Schätzungen zu den Todesfällen am Mont Blanc gehen zwar von einer ca. 10× so grossen Zahl aus, werden aber nicht offiziell bestätigt. Zwischen 1981 und 2011 kamen auf Schweizer Seite 223 Alpinisten ums Leben, davon 207 durch Absturz, 5 durch Steinschlag, je 3 durch Erfrierung, durch Sturz ins Seil oder in Folge einer Suchaktion. 21 abgestürzte Alpinisten konnten noch nicht geborgen werden und werden noch vermisst.
Ein im Jahr 2005 am Berg gefundener toter Skifahrer konnte 2018 als der 1954 verschollene Franzose Joseph Leonce Le Masne (* 1919) identifiziert werden.
Der Italiener Bruno Brunod benötigte für den Aufstieg von Breuil-Cervinia über den Liongrat am 17. August 1995 2 Stunden und 12 Minuten und inklusive Abstieg 3 Stunden, 14 Minuten und 44 Sekunden. Der Spanier Kilian Jornet unterbot diesen Rekord am 21. August 2013 und bestieg den Berg von Italien aus in 1 Stunde und 53 Minuten. Inklusive Abstieg kam Jornet auf eine Zeit von 2 Stunden, 52 Minuten und 2 Sekunden.
Am 22. April 2015 unterbot der Schweizer Dani Arnold an der Matterhorn-Nordwand den bisherigen Rekord von Ueli Steck aus dem Jahre 2009 um zehn Minuten. Die schnellste Solobegehung der Matterhorn-Nordwand schaffte er in 1 Stunde 46 Minuten.
Am 27. August 2018 sprintete Andreas Steindl vom Zermatter Kirchplatz (1'616 m) über den Hörnligrat zum Gipfel des Matterhorns und wieder zurück nach Zermatt in 3 Stunden, 59 Minuten und 52 Sekunden.
Der Zermatter Bergführer Richard Andenmatten hat das Matterhorn über 850 Mal bestiegen. Der Zermatter Bergführer Ulrich Inderbinen hat das Matterhorn 371 Mal und zuletzt im Alter von 89 Jahren bestiegen.
Den Rekord des jüngsten Besteigers des Matterhorns hält Kevin Lauber, Sohn des Bergführers und langjährigen Hüttenwarts der Hörnlihütte Kurt Lauber. Kevin Lauber erreichte im Jahr 1999 im Alter von 8 Jahren den Gipfel.
Am 7. Juli 2014 gelang Géraldine Fasnacht aus Lausanne als erstem Menschen ein Flug mit dem Wingsuit vom Gipfel des Matterhorns.