Multicore

Ein 16-kanaliges Multicore, konfektioniert in 12 Send- und 4 Return-Wege, mit fest angebrachter Stagebox (links) und Kabelpeitsche (rechts)
72-poliger Harting-Steckverbinder am Ende eines Audio-Multicores

Multicore (deutsch: „Mehrfachkern“) nennt man Spezialkabel in Ton- und Lichttechnik, in denen zahlreiche (bis zu 48) einzelne Signalleitungen, die „Kanäle“ oder „Wege“ genannt werden, in einem einzigen Kabelmantel gebündelt sind. Einsatzbereiche von Multicores sind Konzertveranstaltungen und Tonstudios. Multicores vereinfachen den Auf- und Abbau einer Anlage, indem sie die Verlegung zahlreicher Einzelleitungen ersparen, und tragen zur Vermeidung von Kabelsalat bei.

Verwendung

Multicores werden sowohl in der mobilen Veranstaltungstechnik als auch in fest installierten Anlagen eingesetzt. Sie lassen sich einfacher und schneller auf- und abbauen als eine entsprechende Vielzahl einzelner Kabel, außerdem wird durch die Bündelung die Stabilität gegenüber mechanischer Belastung (Zug, Druck, Knicken) erhöht.

Bühnenmulticores stellen die benötigte Vielzahl separater Signalverbindungen zwischen einer Konzertbühne und dem meist im Publikumsraum positionierten Mischpult (Front of House) zur Verfügung. Solche Kabelwege können, etwa bei großen Freiluftkonzerten, über 100 Meter lang sein. Kürzere Multicores dienen beispielsweise dazu, beim Aufbau einer Anlage die Verkabelung mehrerer externer Effektgeräte zwischen elektrischen Musikinstrumenten und Audioverstärkern zu vereinfachen.

Konfektionierung

An den Enden muss das Multicore in der Regel in die einzelnen Kanäle „aufgelöst“ werden. Dafür gibt es zwei bauliche Lösungen:

Audio-Multicores sind in der Regel in „Send“- und „Return“-Kanäle aufgeteilt: die ersten führen von der Bühne zum Mischpult, die zweiten in Gegenrichtung. Return-Kanäle können etwa das Ausgangssignal des Mischers an die Lautsprecherverstärker liefern, oder spezielle Mischungen an Bühnenmonitore. Der Unterschied liegt dabei nur in den Steckverbindern, die Kabelwege selbst sind in der Signalrichtung nicht festgelegt und können mit Steckadaptern ohne Weiteres „umgekehrt“ betrieben werden.

Oft existieren an der Stagebox Ground-Lift-Schalter (Unterbrechen der Abschirmung) für einzelne Kanäle, sowie weiterführende Multipin-Steckverbinder zum Durchschleifen der Signale. Selten gibt es auch Stageboxen mit eingebauten Übertragern zur Potentialtrennung.

Beide Formen der Auflösung können fest am Kabel montiert oder mit Multipin-Steckverbindern kontaktiert werden. Fest angebrachte Auflösungen sind baulich einfacher und preisgünstiger, aber mit Nachteilen verbunden: Beim Kabelverlegen muss mindestens eines der Kabelenden durch den gesamten Kabelweg geführt werden, beim Verstauen des Multicores werden die Auflösungen stark beansprucht.

Häufig verwendete Multipinsteckverbinder bei Multicores sind die rechteckigen Harting- und die runden Socapex-Steckverbinder. Hauptsächlich bei Rundfunkanstalten sind auch noch die kleineren und billigeren Messerleisten anzutreffen. Ein genormter Standard für Auswahl und Belegung der Steckverbinder existiert nicht, die Ausführungen sind von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

Signalführung und Abschirmung

Die Signalführung in einem Multicore ist wegen der langen Übertragungswege in der Regel symmetrisch ausgelegt. Die signalführenden Leiter in Multicores sind durch metallene Ummantelungen einzeln gegen Störeinflüsse durch elektromagnetische Felder abgeschirmt. Bei hochwertigen Multicores ist die Abschirmung zumeist doppelt ausgeführt; neben dem Gesamtschirm, der den gesamten Kabelbaum umgibt, existieren Einzelschirme für jedes signalführende Adernpaar. Man spricht dabei auch von Multicores mit „Einzelmasse“, da die auf Massepotential des jeweiligen Kanals liegenden Einzelschirme nicht elektrisch verbunden sind. Durch die unabhängigen Massepotentiale ist es möglich, Brummschleifen durch das Setzen von Ground-Lifts an einzelnen Kanälen zu beheben.

Besondere Bautypen

Es gibt einige Sonderformen von Multicores, die sich von der zuvor beschriebenen Ausführung unterscheiden:

Siehe auch

Literatur