Meist besteht das Muschelgeld aus kleinen, rundlichen Scheibchen, die auf Schnüre aufgezogen und nach ihrer Länge bewertet werden. Manchmal sind die Perlenschnüre in regelmäßigen Abständen mit andersfarbigen Messperlen versehen, die eine einfachere Längenmessung der betreffenden Geldschnüre erlauben. Teilweise wird diese Art von Zahlungsmittel noch heute verwendet, vor allem in rituellen Zusammenhängen, beispielsweise zur Zahlung eines Brautpreises vor der Heirat oder bei Bestattungen. In manchen Kulturen wurden oder werden die Muschelscheiben nicht als Zahlungsmittel aus der Hand gegeben, sondern die Bänder dienen als eine Art Konto, bei der jede kleine Scheibe einen Vertrag repräsentierte und bei Bezahlung vom Band entfernt wird. Es gibt Varianten des Muschelgeldes, bei denen die Muschelscheiben mit anderen wertvollen Gegenständen, unter anderem Knochen, kombiniert werden. Außer kleinen Muschelscheiben können auch Armringe aus der innersten Schalenschicht (Perlmutt) eine Geldfunktion haben.
Vorkommen
Chinesisches Muschelgeld, 16.Jahrhundert (2008)Herstellung von Abololo-Muschelgeld in Auki auf den Salomonen (2007)Festschurz aus Muschelgeld (Schneckenschalen-Scheiben), Admiralitätsinseln, Papua-Neuguinea (2011)
Die verbreitetste Form von Muschelgeld war das Kaurigeld aus den Gehäusen von Kaurischnecken, das in Afrika, Asien und Ozeanien in Gebrauch war und heute nur noch traditionelle Bedeutung hat.
Asien und Ozeanien
Das Tabu-Muschelgeld des Tolai-Volkes auf Neubritannien in Papua-Neuguinea hat neben seiner Bedeutung als Komplementärwährung auch tiefgreifende kultische, religiöse und spirituelle Bedeutungen.
Das Aaht-Muschelgeld wurde als Währung vorwiegend im Bereich der Marshall-Inseln im westlichen Pazifik benutzt.
Dongo, Achatina-Geld oder Achatschneckengeld wurde in Westafrika auf Schnüre aufgezogen und um den Hals oder die Hüften getragen.
Nordamerika
Wampum-Perlen aus Meeresschnecken und Muscheln dienten Indianer-Stämmen an der Ostküste als Tauschmittel.
Herstellung
Die küstennahen Bewohner zerbrachen die Muscheln, durchbohrten die Scheiben mit Hilfe angespitzter Stöcke (heute: Drillbohrer) und reihten sie an einem Band auf. Die fertigen Bänder wurden anschließend mit Steinen abgeschliffen. Bei der Herstellung gab es eine Arbeitsteilung: Die Frauen sammelten und sortierten die Muscheln, während es den Männern vorbehalten war, die Bänder anzufertigen und die Muscheln abzuschleifen.
Aufgrund der knappen Verfügbarkeit und der schwierigen Herstellung des Muschelgeldes wurde der Wert des Muschelgeldes natürlich reguliert. Die Muscheln wurden nicht wie Münzen einzeln, sondern im Verbund, als Geldschnüre, genutzt. Anstatt die einzelnen Scheiben zu zählen, wurde oft die Länge der bepackten Bänder als Wertmaß angenommen.
Literatur
Neueste zuerst:
Alexander Solyga: Tabu – das Muschelgeld der Tolai. Eine Ethnologie des Geldes in Papua-Neuguinea. Reimer, Berlin 2013, ISBN 978-3-496-02851-2 (wirtschaftsethnologische Untersuchung, erhielt 2011 den Preis der Stadt und der Universität Bayreuth).
Pei-yi Guo: From Currency to Agency: Shell Money in Contemporary Langalanga, Solomon Islands. In: Asia-Pacific Forum. Band 31, 2006, S. 17–38 (englisch; online auf academia.edu).
William Taufa, Heinrich Fellmann: Über das Muschelgeld (a tabu) auf Neupommern, Bismarckarchipel (Deutsch-Neuguinea). In: Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen an der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin, Abt.1: Ostasiatische Studien. Jahrgang5, 1902, S.92–102.
Richard Parkinson: Über das Durchbohren von Muschelplatten, behufs Herstellung von Armringen etc. etc. In: Internationales Archiv für Ethnographie. Band7, 1894, S.89 (mit Zeichnung einer Drillbohrvorrichtung aus Neuguinea).
Wilhelm Ludwig Volz: Geschichte des Muschelgeldes. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft / Journal of Institutional and Theoretical Economics. Band10, Heft1, Mohr Siebeck, 1854, S.83–122 (online bei JSTOR).