Museum Schaffen

Museum Schaffen

Museum Schaffen, Lagerplatz 9, Winterthur, 2026
Daten
Ort Winterthur
Art
Historisches Museum
Eröffnung 2018, an diesem Standort 2021
Betreiber
Historischer Verein Winterthur
Leitung
Rita Borner, Chris Huggenberg, Ursina Largiadèr
Website
Museum Schaffen, Winterthur, 2026
Museum Schaffen, SLM-Halle, 2019
Museum Schaffen mit Cafébar 2026
Museum Schaffen neben Skillspark, 2026

Das Museum Schaffen ist ein historisches Museum in der Stadt Winterthur. Es wird vom Historischen Verein Winterthur (HVW) getragen und befindet sich seit 2021 am Lagerplatz 9 auf dem ehemaligen Sulzer-Mitte-Areal. In Wechselausstellungen beschäftigt es sich mit der Geschichte Winterthurs, insbesondere mit der Frage, wie Menschen durch ihr Wirken die Stadt prägten und prägen.

Geschichte

Das Museum Schaffen ist das jüngste von drei vom Historischen Verein geführten Museen. Das erste eröffnete 1909 in der Mörsburg.

1956 folgte das Heimatmuseum in der Villa Lindengut mit einer Dauerausstellung und kleinen Sonderausstellungen. Die Stadt Winterthur hatte die Villa 1946 erworben, 1951 beschlossen, sie für ein Heimatmuseum zur Verfügung zu stellen und sie 1952–1955 renoviert. Anschliessend wurde die Ausstellung eingerichtet; die Eröffnung fand am 23. Juni 1956 statt. In die Villa wurden historische Einrichtungsteile aus traditionsreichen Gebäuden Winterthurs eingebaut, so etwa Täfer von 1765 aus dem ehemaligen Zürcher Amtshaus am Untertor, ein Kachelofen von 1705 aus dem Gerichtssaal und eine Stadttor-Uhr von 1529. Das Heimatmuseum konzentrierte sich auf die historische Wohnkultur und das bürgerliche Erbe Winterthurs. Andere Bevölkerungsgruppen sowie Fragen der Gegenwart und Zukunft spielten eine geringere Rolle.

Viele Jahrzehnte später begannen sich die Anforderungen an historische Museen und an die Vermittlung von Geschichte zu wandeln, womit das Heimatmuseum zunehmend als unzeitgemäss wahrgenommen wurde. Im Jahr 2006 bewilligte die Stadt Winterthur dem Lindengut deshalb nur noch gekürzte Subventionsgelder für die kommenden vier Jahre und erteilte dem HVW den Auftrag, eine Neukonzeption des Museums zu erarbeiten. Ein erster Schritt dazu wurde in einer Masterarbeit formuliert. Nachdem 2009 ein Hearing mit Museumsfachleuten stattgefunden hatte und ein erstes Grobkonzept von der Stadt gutgeheissen worden war, entschied sich der Vorstand des HVW für ein Themenmuseum. In einer mehrjährigen Projektphase wurden verschiedene Formen der zukünftigen Museumsarbeit erprobt. Und dabei stand auch die bereits 2006 erstmals abgedachte, mögliche räumliche Trennung von Dauerausstellung und Wechselaustellungen zur Diskussion.

2011 fand auf dem Kirchenplatz die Ausstellung Sammel-Bar statt, 2014 folgte Stadtväter, Stadtmütter im Lindengut. Gleichzeitig wurden im Hintergrund die Konzeptarbeiten konkretisiert. Die Mitglieder des HVW bewilligten einen einmaligen Projektbeitrag für die Neuausrichtung. Die Stadt Winterthur und der HVW, der bereits als künftiger Träger bestimmt war, gründeten 2012 den Verein museum schaffen, mit dem einzigen Zweck, das gleichnamige Museum so weit zu planen, dass es seine Tätigkeit aufnehmen konnte. Sie erarbeiteten ein Inhalts- und Betriebskonzept und nahmen Kontakt mit dem kantonalen Lotteriefonds auf, um abzuklären, ob er sich eine Unterstützung des neukonzipierten Museums vorstellen könne. Denn es war allen Beteiligten klar, die Neuausrichtung war mit einer Professionalisierung verbunden und würde sich nicht wie bisher nur auf einen zu 20 % vom HVW angestellten Konservator abstützen können. Ausserdem wurde eine Projektstudie verfasst unter dem Namen «museum schaffen. Ein Erlebnis- und Erinnerungsort entsteht». Danach folgte die Suche nach möglichen Ausstellungsorten und Partnern. 2015 wurde das museum schaffen erstmals im Kulturleitbild der Stadt Winterthur erwähnt und der Lotteriefonds bewilligte einen Projektbeitrag im Sinne einer Anschubfinanzierung. Der Eigentümer der Lokstadt Winterthur, die Firma Implenia, stellte ab 2017 temporär eine Halle zur Verfügung und erstes Personal nahm die Arbeit auf. Damit hatte der Verein «museum schaffen» seinen Zweck erfüllt und wurde wieder aufgelöst. 2017–2021 trat das Museum Schaffen in ehemaligen Industriehallen in der Lokstadt als Pop-up-Museum auf. Die Lokstadt liegt auf dem ehemaligen Sulzer-Mitte-Areal, im Zentrum der einstigen «Arbeiterstadt» Winterthur, welche mehr als 100 Jahre von der Schwerindustrie und mechanischen Produktionsabläufen geprägt war. Seit den 1980er Jahren fand eine Entwicklung hin zu Dienstleistungen statt, die inzwischen weitgehend abgeschlossen ist.

2018 zeigte das Museum die Ausstellungen Werdegänge und Zeit. Zeugen. Arbeit. Ein Ausstellungsparcours in der Halle Rapide, einer ehemaligen Montagehalle der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM). 2019/20 folgte die Ausstellung Eins, zwei, drei, 4.0 in der benachbarten, ehemaligen Dreherei in der Lokstadt Halle Draisine, Zürcher Strasse 39/41 in Winterthur. 2021 bezog das Museum Schaffen seinen heutigen Standort am Lagerplatz 9. Das Areal hatte einst der Firma Sulzen gehört, war nach deren Auszug an die Stiftung Abendrot verkauft und über viele Jahre schrittweise umgenutzt und von diversen Gewerbe- und Kulturbetrieben besiedelt worden. Die ehemalige Industriehalle, die zuvor ein Brockenhaus beherbergt hatte, wurde für die Umnutzung zum Museum mit einer kleinen Galerie im OG und einem Bistrobereich ausgestattet.

Museumskonzept

Das Museum Schaffen stellt den schaffenden Menschen in den Mittelpunkt und thematisiert am Beispiel der einstigen Arbeiterstadt Winterthur, wie er mit seinem Zupacken seine Umwelt gestaltet und verändert. Der Begriff «Schaffen» ist dabei in seiner ganzen Bedeutungsbandbreite zu verstehen, er umfasst die verschiedenen Formen des Tätigseins, von der Erwerbsarbeit über kreatives und kulturelles Erschaffen über freiwilliges Engagement bis hin zu Haus- und Familienarbeit. Letztlich schliesst er sogar in Abgrenzung dazu auch das Nicht-Schaffen mit ein, also Freizeit, Pensionsalter oder Kindheit. Die Industriehalle, die einst Arbeitswelt vieler Arbeitskräfte waren, bietet dafür eine passende Hülle.

Die Tätigkeiten der Menschen haben Winterthur im Lauf der Zeit stark verändert. Aus einer römischen Siedlung, Bauerndörfern, einer mittelalterlichen Stadt und einem Industriezentrum ist eine Dienstleistungs- und Bildungsstadt geworden. Das Museum macht diesen Wandel anhand der Menschen und ihrer Tätigkeiten sichtbar und stellt historische Entwicklungen in Bezug zur Gegenwart. Im Mittelpunkt der Ausstellungskonzeption steht der Mensch. Er ist Teil des Arbeitsprozesses und zugleich Triebfeder für Neuerungen und Veränderungen. Das Museum versteht sich als «Begegnungs-, Kultur- und Bildungsort für ein breites Publikum». Dabei werden historische Entwicklungen mit persönlichen Erfahrungen und gegenwärtigen Fragestellungen verbunden. Das Museum bezieht die Bevölkerung ein und arbeitet mit Zeitzeugen, Fachleuten, Kulturschaffenden und weiteren Partnern zusammen.

In der Industriehalle finden sich die vier Bereiche, die im Konzept von Museum Schaffen vorgesehen sind. Es gibt Raum für Ausstellungen, für Austausch, für Bühne und Werkstatt. Hier werden Wechselausstellungen gezeigt, Vorträge, Lesungen und Workshops angeboten, aber auch museumsfremde Events durchgeführt und für externe Veranstaltungen oder die Benutzung von einigen Arbeitsplätzen ist eine stundenweise Miete möglich. Die Dauerausstellung befindet sich nach wie vor in der Villa Lindengut, wo eine Sanierung und ein Umbau bevorstehen.

Zum Museumskonzept heisst es in einer Selbstdarstellung, es sei «als neuartiger Museumstyp konzipiert: als Ort der Geschichte und Geschichten, der Begegnung, des Austausches.» Neben der eigentlichen Ausstellung werden auch andere künstlerische Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte sowie Vernetzungstreffen angeboten.

Das Museum hat einen experimentellen Charakter: Es entwickelt sich laufend weiter und wird von verschiedenen Seiten mitgestaltet, auch in partizipativen Prozessen. Damit bleibt es in Bewegung und ist nicht als abgeschlossene Institution konzipiert.

Ausstellungen

Neben den Ausstellungen finden auch weitere kulturelle Veranstaltungen statt. Dazu gehören unter anderem Lesungen, Konzerte und Vernetzungstreffen sowie Formate wie Open Space.

Trägerschaft und Finanzierung

Das Museum Schaffen wird vom Historischen Verein Winterthur getragen. Der Betrieb wird durch Subventionsbeiträge der Stadt Winterthur und des Kantons Zürich sowie durch Beiträge des Historischen Vereins Winterthur und weiterer Geldgeber finanziert. Weitere Einnahmen stammen aus Eintritten, Konsumationen und Vermietungen. Für die Ausstellungen werden zusätzlich private Mittel gesucht.

Einzelnachweise

  1. ↑ Winterthurer Zeitung: Quizzen und Kritzeln im Museum. 14. Oktober 2021, S. 13.
  2. 1 2 Das Winterthurer Heimatmuseum. In: Neue Zürcher Zeitung, 27. Juni 1956.
  3. ↑ Stadtbibliothek Winterthur (Hg.): Vom Bronzebeil zur WC-Schüssel: 50 Jahre Museum Lindengut Winterthur. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Band 338. Chronos, Zürich 2006, S. 112–124.
  4. ↑ Tages-Anzeiger: Nur noch halb so viel Geld, aber viel mehr Besucher. 1. September 2006.
  5. ↑ Stadtbibliothek Winterthur (Hg.): Vom Bronzebeil zur WC-Schüssel: 50 Jahre Museum Lindengut Winterthur. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Band 338. Chronos, Zürich 2006, S. 141.
  6. ↑ Blackbox der Geschichte. In: Der Landbote, 28. April 2011.
  7. ↑ Die Gattin des Sulzer-Gründers trifft den Kebab-König. In: Tages-Anzeiger, 22. April 2014.
  8. ↑ Der Landbote: 365 000 Franken für neue Museumsideen. 22. Juni 2012.
  9. ↑ Im Werk 1 mietet sich ein Museum ein. In: Der Landbote, 28. Juli 2017.
  10. ↑ Womit Grossvater hantierte und was das alles mit uns zu schaffen hat. In: Der Landbote, 5. Mai 2018.
  11. ↑ Infotafeln im Eingangsbereich der Ausstellung
  12. ↑ Museum Schaffen: «Eins, zwei, drei, 4.0», 2. Mai 2019, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  13. ↑ Museum Schaffen: «Neueröffnung und Installation System Reset», 25. Februar 2021, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  14. ↑ Der Landbote: Das «teuerste Brocki» hatte seinen Letzten. 31. Juli 2020.
  15. ↑ Der Landbote: Das Museum Schaffen zieht auf den Lagerplatz. 3. März 2020.
  16. 1 2 3 Kanton Zürich: Museen, Ausstellungen und Veranstaltungen, Abschnitt «museum schaffen», abgerufen am 6. Oktober 2026.
  17. ↑ Museum Schaffen: Medien, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  18. ↑ Museum Schaffen: Raummiete, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  19. ↑ Portrait auf der Homepage des Museums, 2018.
  20. ↑ Ausstellungszeitung Zeit. Zeugen. Arbeit, S. 5
  21. ↑ Museum Schaffen: Medien, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  22. ↑ Ausstellungszeitung Zeit. Zeugen. Arbeit, S. 5.
  23. ↑ Historischer Verein Winterthur. Abgerufen am 7. Oktober 2026 (Schweizer Hochdeutsch).