Museum Witt

Museum Witt
Daten
Ort München, Deutschland
Art
ehemaliges Naturkundemuseum
Eröffnung 1980
Schließung 2023
Website

Das Museum Witt München (MWM) war eine zoologische Forschungseinrichtung und ein Naturkundemuseum in München. Im Jahr 2023 wurde das Museum geschlossen; seitdem befindet sich die Sammlung Museum Witt komplett in den Räumlichkeiten der Zoologischen Staatssammlung München. Der im Jahr 2000 von der Zoologischen Staatssammlung und dem damaligen Museum Witt beschlossene Sammlungsverbund mit den weltweit meisten „spinnerartigen“ Nachtfaltern umfasste zirka 10 Mio. Schmetterlinge, wobei das Museum Witt zirka 3 bis 3,5 Mio. Schmetterlinge einbrachte.

Museumsgründer

Thomas J. Witt, der Gründer des Museums

Das Museum Witt wurde 1980 von Thomas Josef Witt (* 2. September 1947 in Bad Reichenhall; † 28. Januar 2019 in München) gegründet. Witt studierte Betriebswirtschaftslehre und entstammte einer Unternehmerfamilie; er war Enkel des Gründers des Textilversandhauses Josef Witt. Der Bestand des Museums wurde seit 1962 durch die private Sammeltätigkeit des Museumsgründers aufgebaut. Im Alter von 18 Jahren publizierte Witt bereits seinen ersten Fachbeitrag in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Bei der Namenswahl für das Museum wurde ein Bezug zu den Naturkundemuseen hergestellt.

Im Jahr 2000 wurde ein Vertrag zwischen Witt und der Generaldirektion der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) mit dem Ziel geschlossen, den Fortbestand des Museums und der Sammlung durch einen Sammlungsverbund dauerhaft zu sichern. Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft Hans Zehetmair war im Rahmen der Bildung des Sammlungsverbundes anwesend.

Sammlung

Im Jahr 2023 wurde das Museum Witt geschlossen und die letzten Teile der Sammlung in ein eigenes Magazin in den Räumlichkeiten der Zoologischen Staatssammlung München verlegt (Sammlung Museum Witt). Das Museum Witt erhielt den Status einer Abteilung der Zoologischen Staatssammlung und bekam in deren Gebäude ein eigenes, von den übrigen Sammlungen getrenntes Magazin mit Wissenschaftlerzimmer. Das Museum brachte im Jahr 2000 zirka 3 bis 3,5 Mio. Schmetterlinge ein, die Zoologische Staatssammlung zirka 7 Mio. Schmetterlinge.

Die Sammlung des Museums Witt ist in mehr als 20.000 Insektenkästen untergebracht. Sie besteht aus etwa 50 Sammlungen verstorbener Lepidopterologen, die zu einer Hauptsammlung integriert wurden. Zur Unterbringung dienen eigens zu diesem Zweck von Thomas J. Witt entwickelte und patentierte Kunststoffboxen, das sogenannte Proinsecta-System. Im Zuge der Forschungstätigkeit von Gastforschern wurde ein Bestand von circa 30.000 mikroskopischen Präparaten aufgebaut.

Forschungsaktivitäten

Das Museum unterstützte weltweit Forschungsaktivitäten und förderte den Aufenthalt von Gastforschern, deren fester Stamm derzeit an die 30 international tätige Wissenschaftler zählt. Neben der Sammlung an Schmetterlingen steht den Gastforschern eine Bibliothek mit mehreren tausend Bänden an Fachbüchern und eine weitgehend ab Erscheinungsjahr komplette Sammlung von etwa 1000 Fachzeitschriften und über 25.000 Sonderdrucken zur Verfügung. Der Bestand ist via Internet abrufbar, steht aber nur den Gastforschern zur Fernleihe zur Verfügung.

Darüber hinaus wurden von Thomas J. Witt mehrere 100 Expeditionen mit zum Teil mehrköpfigen Forscherteams zunächst in verschiedene Teilstaaten der ehemaligen Sowjetunion bis nach Fernost organisiert, später nach Iran, Afghanistan, Nordindien, Nepal, Burma, Thailand, Vietnam über Taiwan in die nahezu gesamte indoaustralische Inselwelt bis Neuguinea. Expeditionen nach Nordafrika von Marokko bis Ägypten an die Grenze des Sudan, in das Hoggar-Massiv inmitten der Sahara bis in die Arabische Halbinsel vervollständigten die Erforschung des palaearktischen Faunengebietes.

Seit Beginn der 1990er Jahre wurde diese Expeditionstätigkeit auch auf den tropischen afrikanischen Kontinent bis Südafrika und nach Südamerika ausgedehnt. Die Afrika-Abteilung des Museums steht unter der Leitung des Afrikaforschers Harald Sulak in Weiden. Sulak führte im Zusammenhang mit seiner Sammeltätigkeit zahlreiche Expeditionen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent durch. Dabei nutzte er einen Expeditions-LKW, der in Forscherkreisen einen legendären Ruf genießt.

In Zusammenarbeit mit Günter Müller, Universität Tel Aviv, engagiert sich das Museum auch zunehmend in internationalen Projekten zur Erforschung der Malaria-Mücke, deren Ausbreitung bedingt durch die weltweite Klima-Erwärmung auch für den europäischen Kontinent eine große Gefahr darstellt.

Die Sammlung Witt ist zu Forschungszwecken auf Anfrage bei der ZSM zugänglich. Weitere Forschungsprojekte werden über die Thomas Witt Stiftung abgewickelt.

Zur Veröffentlichung der Forschungsergebnisse wurde im Jahre 1980 zusammen mit Maximilian Schwarz, Linz, Konsulent für Wissenschaft der Oberösterreichischen Landesregierung, die Fachzeitschrift „Entomofauna“ gegründet, die seither mit einem Umfang von mindestens 500 Seiten jährlich regelmäßig erscheint und weltweit mit Universitäten und entomologischen Instituten, die ihrerseits Fachorgane herausgeben, im Schriftentausch steht. Auch wurde 2013 vom Museum in Zusammenarbeit mit der Universität Vilnius, Litauen, die Serie „Proceedings of the Museum Witt Munich“ begründet, in der umfangreichere Forschungsergebnisse in Buchform veröffentlicht werden können.

Auszeichnungen

Thomas J. Witt wurde 2001 mit der Ritter-von-Spix-Medaille der Zoologischen Staatssammlung München als Stifter geehrt. Er wurde zudem für seine Leistungen am 22. November 2013 vom Dekan der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Titel Dr. rer. nat. h. c. ausgezeichnet. Am 6. Dezember 2014 wurde ihm der Akademie-Preis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zugesprochen. Am 18. Dezember 2017 wurden ihm vom Rektor an der University of Sciences, Techniques and Technologies in Bamako, Mali, der Rang und Titel Professor in Entomology verliehen.

Publikationen

Witt forschte in dem von ihm gegründeten Naturkundemuseum und publizierte unter seinem Namen mit Koautoren in diversen Fachzeitschriften.

Commons: Museum Witt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Die Welt: München ist jetzt auch Weltstadt der Schmetterlings-Forschung (Februar 2000)
  2. ↑ Mitteilung in Onetz vom 18.02.2019
  3. ↑ Mitteilungen der Münchener Entomologischen Gesellschaft, 56. Jahrgang 1966, S.186-189, abrufbar bei researchgate.net
  4. ↑ Website des Museums Witt, siehe dort unter Sammlungen
  5. ↑ Verleihung der Ehrendoktorwürde an Dipl.Kfm. Thomas Witt. Zoologische Staatssammlung München, Dezember 2013, abgerufen am 8. Juli 2018.
  6. ↑ Feierliche Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Memento vom 5. Dezember 2014 im Internet Archive)

Koordinaten: 48° 9′ 34,7″ N, 11° 34′ 7,9″ O