
Ein Muskelkraft-Flugzeug (HPA oder MPA, von engl. human powered aircraft bzw. man powered aircraft, menschengetriebenes Flugzeug) ist ein Flugzeug, das nur mit Hilfe der Muskelkraft des Piloten unter Ausnutzung der Gleiteigenschaften der Flugzeugkonstruktion angetrieben wird. Ein taugliches Muskelkraft-Flugzeug muss ohne fremde Starthilfe von einer horizontalen Startbahn abheben und dann über eine ansehnliche Strecke fliegen können.
Beim ersten offiziell anerkannten Flug eines Muskelkraft-Flugzeugs im Jahr 1961 betrug die Flugstrecke noch 64 Meter. Technische Weiterentwicklungen führten dazu, dass der Streckenweltrekord im Jahr 1988 mit der Daedalus 88 auf 115 Kilometer verbessert werden konnte.
Die Vision eines Muskelkraft-Flugzeugs galt lange als nicht realisierbar. In seinem im Jahr 1680 erschienenen Buch De motu animalium berechnete der italienische Gelehrte Giovanni Alfonso Borelli, dass menschliche Muskeln nicht genügend Kraft für ein vogelähnliches Fliegen hätten. Hermann von Helmholtz stellte 1873 in einem Vortrag vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften fest, es sei „kaum als wahrscheinlich zu betrachten“, dass jemals ein Mensch allein durch seine Muskelkraft wie ein Vogel fliegen könnte, auch wenn er dabei „den allergeschicktesten flügelähnlichen Mechanismus“ nutzen könnte.
Die Flugfähigkeit der Vögel wurde durch die Evolution ihrer Anatomie ermöglicht und optimiert: Sie haben unter anderem ein leichtes Knochenskelett und eine sehr leistungsfähige Flugmuskulatur. Beim Menschen ist das Verhältnis von Muskulatur und Körpergewicht wesentlich ungünstiger. Beim Fliegen mit einem Muskelkraft-Flugzeug kommt noch das Gewicht des Flugzeugs hinzu. Je weniger Gewicht, desto weniger Leistung ist für den Vortrieb nötig, um das Flugzeug in der Luft zu halten. Ein Muskelkraft-Flugzeug muss ein möglichst geringes Eigengewicht haben, damit zusammen mit dem Piloten das Leistungsgewicht gering bleibt. Dieses Ziel erfordert extremen Leichtbau. Funktionsfähige Muskelkraft-Flugzeuge wurden zum Beispiel durch die Verwendung leichter, stabiler Folien aus biaxial orientierter Polyester-Folie möglich. Häufig wird kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff für strukturgebende Elemente eingesetzt.
Die Gleitzahl sollte hoch sein, das heißt: möglichst viel dynamischer Auftrieb und zugleich möglichst wenig Luftwiderstand. Dazu ist eine große Tragfläche nötig: Zum einen steigt der Auftrieb proportional mit der Fläche des Flügels, zum anderen muss das Flugzeug schon bei niedriger Geschwindigkeit fliegen können, damit möglichst wenig Leistung durch den Luftwiderstand verloren geht. Ausgehend von einem optimalen Profil der Tragfläche kann eine große Fläche nur durch eine große Flügelspannweite erreicht werden. Obwohl dies auch mehr Gewicht bedeutet, gilt für eine Spannweite bis etwa 35 Meter als Faustregel: Je größer die Spannweite, desto weniger Leistung des Piloten ist erforderlich. Für Kurzstreckenflüge mit hoher Leistung, bei denen eine hohe Geschwindigkeit das Ziel ist, eignen sich Flugzeuge mit kleinerer Spannweite (das Weltrekord-Flugzeug Musculair 2 hatte nur 19,50 Meter Spannweite).
Der Pilot braucht die Hände für die Steuerung des Flugzeugs und erzeugt deshalb die Leistung wie bei einem Fahrrad nur mit den Beinen (Pedalantrieb). Ein Getriebe überträgt die Kräfte von der Tretkurbel an den Propeller, der den Vortrieb erzeugt. Der Propeller kann am Heck angebracht sein (wie bei der Gossamer Albatross) oder an der Front (wie bei Daedalus) oder zwischen Pilot und Heck (wie bei der Aerocycle).

1959 lobte der Industrielle Henry Kremer den Kremer-Preis aus: Das erste vom Menschen angetriebene Flugzeug, das einen Achterkurs um zwei Markierungen im Abstand von einer halben Meile fliegen würde, sollte das Preisgeld in Höhe von 5.000 Pfund gewinnen. 1973 erhöhte Kremer das Preisgeld auf 50.000 Pfund. Dieser Kremer-Preis wurde im Jahr 1977 gewonnen. Danach finanzierte Kremer weitere Preise für den ersten Flug über den Ärmelkanal und für Geschwindigkeitsrekorde. Die Kremer-Preise waren ein wirksamer Ansporn bei der Entwicklung und Verbesserung von Muskelkraft-Flugzeugen.



Ornithopter sind Flugzeuge, die mit schwingenden Tragflächen im Schlagflug fliegen. Muskelkraftbetriebene Ornithopter benötigen beim Start aus der Ebene Starthilfe durch ein Fahrzeug, an das sie mit einem Seil angebunden werden, und sind deshalb keine Muskelkraft-Flugzeuge im engeren Sinne. Die schwingende Flugbewegung erschwert die Feststellung, über welche Strecke der Ornithopter eine bestimmte Höhe halten kann, bevor er zur Landung übergeht. Die wenigen bisher gebauten Modelle haben keine große Flugdauer erreicht.
Muskelkraft-Hubschrauber entsprechen bislang nicht dem Konzept eines Muskelkraft-Flugzeugs, da sie kurzzeitig abheben, aber wegen ihrer enormen Dimensionen nicht fortbewegt werden können. Am 10. September 1989 schwebte der erste durch Muskelkraft angetriebene Helikopter, der Da Vinci III der California Polytechnic State University, für 7,1 Sekunden und erreichte eine Höhe von 20 cm. Im 21. Jahrhundert wurden weitere Modelle entwickelt und eine Flugdauer von über einer Minute erreicht.