Myra Curtis

Dame Myra Curtis (* 2. Oktober 1886 in Sunderland, County Durham; † 27. Juni 1971 in Bognor Regis, West Sussex) war eine englisch-britische Herausgeberin, Beamtin (Civil Service) und von 1942 bis 1954 Direktorin (Principal) des Newnham College der Universität Cambridge.

Leben

Curtis war die Tochter von George Curtis, einem Postbeamten, und Annie Curtis, geborene Johnson, einer Volksschullehrerin. Curtis wurde an der Allan’s Endowed Girls’ School in Newcastle upon Tyne, der Winchester County School for Girls und am Newnham College der Universität Cambridge ausgebildet.

Nach Abschluss ihrer Schulbildung war sie sieben Jahre lang Herausgeberin der Victoria County History, während sie zugleich als Privatlehrerin tätig war.

Curtis’ Laufbahn im öffentlichen Dienst begann 1915, als sie Teil des temporären Personals des War Trade Intelligence Departments wurde. 1918 wechselte sie in das Ministry of Food und war von 1920 bis 1922 als Deputy Assistant Secretary in der Establishment Branch tätig. 1923 wurde sie planmäßige Beamtin, nachdem sie bei der ersten Prüfung im Wettbewerb für Frauen für den höheren Dienst den ersten Platz belegte. Anschließend bekleidete sie Positionen im Ministry of Pensions und im Post Office. Später übernahm sie das Amt einer Assistant Secretary und Director of Women’s Establishments im Treasury, das als höchste Frauenposition im öffentlichen Dienst galt. Dort veröffentlichte sie 1937 zusammen mit Hugh Townshend Modern Money, eines der ersten Bücher zu Geldtheorie und Geldsystem in keynesianischer Tradition. Sie trat 1942 aus dem Staatsdienst zurück.

Als 1939 der Krieg ausbrach, wurde der Women's Royal Naval Service (Wrens), die sogenannten Wrens, der 1919 aufgelöst worden war, neu gegründet. Vera Laughton Mathews als Direktorin und Ethel Goodenough als stellvertretende Direktorin mussten aus dem Nichts 1.500 Frauen rekrutieren. Das dafür konstituierte Auswahlgremium bestand aus Mathews, Goodenough, Curtis und Lucy Nettlefold, einer juristisch ausgebildeten Geschäftsfrau, die zusammen mit Mathews an der Universität gewesen war.

Curtis leitete 1946 einen Regierungsausschuss zur Betreuung von Kindern in England und Wales. Dies führte zu dem sogenannten Curtis Report, der als „die erste Untersuchung in diesem Land, die sich ausdrücklich mit der Betreuung von Kindern befasste, denen ein normales häusliches Leben fehlte“, beschrieben wurde. Er wurde der Labour‑Regierung vorgelegt, die 1945 die Kriegskoalitionsregierung abgelöst hatte. Der Bericht führte zum Erlass des Children Act 1948, der vorschrieb, dass jede lokale Behörde einen Ausschuss einzurichten habe, um die Interessen der Kinder zu fördern.

Curtis wurde in der Neujahrs-Liste 1949 zur Dame Commander of the British Empire ernannt.

Nach ihrem Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst wurde Curtis zur Principal des Newnham College gewählt und trat ihr Amt im Januar 1942 an. Sie bekleidete dieses Amt bis 1954. Sie ermöglichte es dem College, trotz der Einschränkungen der Kriegszeit und der unmittelbaren Nachkriegszeit weiterzuarbeiten, und setzte sich aus ihrer Erfahrung als Beamtin heraus für eine Verbesserung der Effizienz der akademischen Verwaltung ein. Dies war ein schwieriger und frustrierender Prozess, insbesondere angesichts der Restriktionen der Nachkriegszeit.

Curtis spielte eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen im Namen der Frauen‑Colleges, die dazu führten, dass schließlich auch Frauen Abschlüsse der Universität Cambridge verliehen wurden. 1952 wurde sie als erste Frau in den Senat in Cambridge gewählt und war Vorsitzende des Women’s Appointments Board. Sie leitete außerdem einen Ausschuss, der die Gründung eines dritten Frauen‑Colleges zur Aufnahme der wachsenden Zahl von Frauen in Cambridge vorantrieb: das Ergebnis war New Hall, das im Oktober 1954 eröffnet wurde und heute das Murray Edwards College ist.

Im Ruhestand im hohen Alter lebte sie in Cranbrook, Kent, und teilte ihr Haus für kurze Zeit mit ihrer Freundin, der irischen Historikerin Constantia Maxwell. Curtis starb 1971 in einem Pflegeheim in Bognor Regis.

Curtis erweckte offenbar eher Respekt als Zuneigung. Sie war ihrem durch und durch eine Administratorin: Sie besaß ein ausgeprägtes Talent sowohl für die langfristige Planung als auch für das tägliche Management. Sie verfolgte in den erreichten Machtpositionen Gleichheit bei Einstellung, Dienstbedingungen und Bezahlung für Frauen. The Times schrieb in ihrem Nachruf, dass ihr treibender Antrieb „ethischer, nicht religiöser Natur“ gewesen sei und dass sie Sentimentalität vermied.

Einzelnachweise

  1. ↑ Sofern nicht explizit anders angegeben folgt die Darstellung Mary Alvey Thomas: Curtis, Dame Myra (1886–1971). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/40538.
  2. 1 2 3 4 M.Z.: Curtis, Dame Myra (1886–1971). In: Cathy Hartley (Hrsg.): A Historical Dictionary of British Women. Europa Publications Limited, London 2003, ISBN 0-203-40390-8, S. 258 f. (epdf.pub).
  3. ↑ Myra Curtis und Hugh Townshend: Modern Money. Harrap, London 1937.
  4. ↑ Lachezar Grudev: Emigration with a pulled handbrake: Friedrich A. Lutz's internal Methodenstreit (= CHOPE Working Paper). Duke University, Center for the History of Political Economy (CHOPE), Durham, NC Oktober 2021, S. 27 (handle.net).
  5. ↑ Ursula Stuart Mason: Britannia’s Daughters. Pen and Sword, Barnsley 2012, ISBN 978-1-84884-678-4, S. 39.
  6. ↑ «The Second Curtis Report» Chaired by Dame Myra Curtis. In: The Therapeutic Care Journal. The International Centre for Therapeutic Residential Care, The Mulberry Bush Organisation, 1. Februar 2011, abgerufen am 9. März 2026.
  7. ↑ Bob Holman: Champions for children, revised edition: The lives of modern child care pioneers. Policy Press, Bristol 2013, ISBN 978-1-86134-353-6, S. 40.
  8. ↑ The London Gazette, Supplement. Nr. 38493, 29. Dezember 1949, S. 10 (thegazette.co.uk).
  9. ↑ M. E. G.: [Nachruf]. In: Newnham College Roll Letter. 1972, S. 53–57.
  10. ↑ Liz Smith: Myra Curtis. In: The Dinner Puzzle! Dinner for Lady Rhondda, Table 7 “Theodora’s Table”. Richard Rhys O’Brien, 2019, abgerufen am 9. März 2026.
  11. ↑ Obituary. In: The Times. 29. Juni 1971.
Personendaten
NAME Curtis, Myra
KURZBESCHREIBUNG englisch-britische Herausgeberin, Beamtin und Principal an der Universität Cambridge
GEBURTSDATUM 2. Oktober 1886
GEBURTSORT Shimla, Shimla Hill States, Britisch-Indien
STERBEDATUM 27. Juni 1971
STERBEORT Bognor Regis, West Sussex, England, Vereinigtes Königreich