Myrmekophilie

Silberfischchen der Art Malayatelura ponerophila unter Arbeiterinnen der Ameisenart Leptogenys distinguenda

Mit Myrmekophilie bezeichnet man in der Ökologie die Bindung einer Art an Ameisen.

Der Begriff kommt von altgriechisch μύρμηξ / μύρμηκος mýrmēx / Genitiv: mýrmēkos, deutsch ‚Ameise‘ und altgriechisch φιλία philía, deutsch ‚Freundschaft, Liebe‘.

Myrmekophile Pflanzen

In der Botanik wird Myrmekophilie als ein Oberbegriff für Assoziationen von Ameisen und Pflanzenarten gebraucht, bei der die Pflanze ausschließlich Ameisen anlockt. Myrmekophile Pflanzen profitieren auf verschiedene Weise von der Beziehung.

Neben den Lockstoffen erhalten die Ameisen im Gegenzug Schutz. Zahlreiche tropische Pflanzenarten bieten Ameisen besondere Hohlräume, die als Domatien bezeichnet werden, als Nistgelegenheiten. Außerdem bieten (dieselben oder andere) Pflanzen extraflorale Nektarien, die von Ameisen zur Nahrungsgewinnung aufgesucht werden. Die Pflanzenpartner der Gemeinschaft werden oft als Myrmecophyten bezeichnet.

Myrmekophile Tiere

Bei einigen Tierarten besteht ebenfalls ein myrmekophiles Reproduktionsverhalten. Man bezeichnet sie daher als Myrmekophile. Man unterscheidet dabei Arten, die Mimese betreiben, also über ein ameisenähnliches Äußeres verfügen, und andere, die über Lockstoffe (Pheromone) und die Abgabe zuckerhaltiger Ausscheidungen attraktiv für die Wirtsameisen scheinen. Bei beiden wäre ebenfalls zu unterscheiden nach symbiotischer und parasitärer Lebensweise. Meist hat das Ameisenvolk eine Schutzfunktion für die myrmekophile Spezies.

Am häufigsten sind Kurzflügler (Staphylinidae) als Ameisengäste zu finden.

Die Ameisengrille lebt in Ameisenbauten, ebenso verschiedene Ameisenspinnen.

Verschiedene Schmetterlinge aus der Familie der Bläulinge (Lycaenidae) sind teilweise von Ameisenarten und einer speziellen Pflanzenart abhängig, was sie in zwei Faktoren anfällig für Aussterben macht. Sie leben als Raupe symbiotisch oder parasitär in Ameisenbauten.

Kategorien

Man unterscheidet verschiedene Kategorien der Myrmekophilie, abhängig vom Verhältnis der Gastart zu den Ameisenwirten. Heutzutage sind diese Kategorien allerdings in der Diskussion, da myrmekophile Arten oft in mehrere dieser Kategorien passen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ z. B. William Goitia & Klaus Jaffe (2009): Ant-Plant Associations in Different Forests in Venezuela. Neotropical Entomology 38(1):7-31 online
  2. ↑ K. Faegri & L. van der Pijl: The principles of pollination ecology. Pergamon Press (Oxford), 1966
  3. ↑ James C. Hickman (1974): Pollination by Ants: A Low-Energy System. Science 21 Vol. 184 no. 4143: 1290-1292. doi:10.1126/science.184.4143.1290
  4. ↑ J. M. Gómez & R. Zamora (1992): Pollination by ants: consequences of the quantitative effects on a mutualistic system. Oecologia Volume 91, Number 3: 410-418, doi:10.1007/BF00317631
  5. ↑ R. Peakall, A.J. Beattie, S.H. James (1987): Pseudocopulation of an orchid by male ants: a test of two hypotheses accounting for the rarity of ant pollination. Oecologia Volume 73, Number 4: 522-524, doi:10.1007/BF00379410
  6. ↑ Liste der Wirtsameisenarten für Ameisenbläulingsarten