
Die NASA Twins Study (dt. „NASA-Zwillingsstudie“) war ein Forschungsprojekt des Human Research Program der NASA in den Jahren 2015–2016. Das HRP sucht nach Informationen, Methoden und Technologien, um die Überlebensfähigkeit und Gesunderhaltung von Menschen im All zu verbessern.
Speziell über den Langzeit-Aufenthalt im All – unabdingbar für künftige Missionen – gibt es wenig Erkenntnisse. Bis in die 2000er Jahre hatten nur sechs Menschen länger als 300 Tage im All verbracht. Deshalb wurde twins study an den zu diesem Zeitpunkt 50-jährigen eineiigen Zwillingen Scott Kelly und Mark Kelly durchgeführt, beides erfahrene Astronauten. Scott verbrachte 340 Tage auf der ISS, sein Bruder blieb auf der Erde. Bei beiden wurde vor, während, und 6 Monate nach Scotts Mission hunderte von Blut-, Urin- und Stuhlproben abgenommen, Körperfunktionen gemessen sowie Ultraschallbilder und die Ergebnisse kognitiver Tests erhoben.
Die Ergebnisse wurden 2019 im Magazin Science veröffentlicht. Sie sind naturgemäß komplex. Die insgesamt 84 wissenschaftlichen Autoren und die Infografiken der NASA fassen sie unter zehn Schlagworten zusammen, die in der modernen Biologie gängig sind und eine umfassende Analyse (etwa des gesamten Proteoms) suggerieren (tatsächlich wurden jeweils nur einzelne Parameter herausgegriffen).
Wesentliche Ergebnisse:
Da Interventions- und Kontrollgruppen der Studie aus nur je einer Person bestanden, sind Aussagen zur Kausalität nicht möglich – jeder einzelne Unterschied zwischen beiden könnte auch zufällig sein. Dennoch sehen die Autoren ihre Studie als wertvollen Beitrag zur Hypothesenbildung.
Die Forscher ziehen das Fazit, dass die Veränderungen im menschlichen Organismus während langer Raumflüge beherrschbar seien, zumal sie sich meist schnell zurückbildeten. Allerdings gab es Parameter, die sich bis zum Ende der Studie bei dem zurückgekehrten Astronauten nicht normalisiert hatten, namentlich die strahleninduzierten Mutationen, die Verkürzung der Telomere mit der Gefahr einer vorzeitigen Alterung, und die kognitive Funktion, was bei künftigen Missionen beachtet werden müsse.