| NFDI4Objects Research Data Infrastructure for the Material Remains of Human History (NFDI4Objects) | |
|---|---|
| Gründung | 2023 |
| Sitz | Berlin |
| Geschäftsstelle | Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts |
| Zweck | Aufbau und Betrieb einer Forschungsdateninfrastruktur für die objektbezogene Forschung zu materiellen Hinterlassenschaften der Menschheitsgeschichte |
| Geschäftsführung | Christin Keller |
| Website | https://www.nfdi4objects.net/ |
NFDI4Objects ist eines der vier geisteswissenschaftlichen Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Das Konsortium konzentriert sich auf die Forschungsdaten zum kulturellen Erbe aus mehr als drei Millionen Jahren Menschheitsgeschichte.
NFDI4Objects setzt sich aus führenden Forschungseinrichtungen, Museen, Archiven und Universitäten im Bereich der materiellen Kultur und Objektforschung zusammen. Es richtet sich an Interessierte aus allen Fachgebieten, die sich mit materiellen Kultur- und Objektwissenschaften beschäftigen und den digitalen Wandel sowie den nachhaltigen Umgang mit Forschungsdaten aktiv mitgestalten wollen. Dies umfasst Disziplinen wie Archäologie, Anthropologie, Numismatik, Denkmalpflege, Restaurierung und weitere Fachgebiete. Ziel von NFDI4Objects ist es, relevante Forschungsdaten im Sinne von Open Science langfristig zugänglich, nachvollziehbar und wissenschaftlich nutzbar zu machen. Insgesamt sind mehr als 70 Einrichtungen an diesem Konsortium beteiligt.
Alleinstellungsmerkmal des Konsortiums innerhalb der NFDI ist die community-zentrierte Arbeitsweise. Standards und Empfehlungen werden von offenen Foren (Community Clustern) sowie aus diesen hervorgehenden dezidierten Arbeitsgruppen (Temporary Working Groups) erarbeitet und durchlaufen einen transparenten Qualitätssicherungsprozess. Als zentrales Forum wurde das jährlich an wechselnden Orten organisierte Community Meeting (CM) etabliert. Es wird durch weitere regelmäßig digital stattfindende Austauschformate ergänzt. Die TRAILs (Task Related Activities for Implementation and Launch of Services) dienen dazu, in zeitlich begrenzten Pilotprojekten Lösungen für den Umgang mit objektbezogenen Forschungsdaten zu erproben. Jede dieser Initiativen steht für alle Interessierten zur Mitwirkung offen, unabhängig von ihrer institutionellen Anbindung.
Das Konsortium stellt eine Vielzahl von bedarfsorientierten Angeboten und Hilfsmitteln für Forschende zur Verfügung. Diese begleiten den gesamten Forschungsdatenlebenszyklus – von der ersten Dokumentation und Bergung eines Objektes über seine wissenschaftliche Erschließung, Analyse und Restaurierung bis hin zur musealen Inventarisierung; von der Datenaufnahme bis zur Langzeitarchivierung und Nachnutzung aller anfallenden Daten- und Metadatenformate.
Der Helpdesk bietet individuelle Unterstützung und Beratung bei Fragen rund um das Forschungsdatenmanagement. Gestellt werden können sowohl konkrete Fragen zu einzelnen Forschungsprojekten als auch zu geeigneten Tools, Softwarelösungen oder ganz allgemeinen Aspekten des Forschungsdatenmanagements. Diese Anfragen werden von Expertinnen und Experten des Konsortiums beantwortet.
Die Dienste von NFDI4Objects stellen frei zugängliche technische Lösungen wie Services, Tools und Beratungsangebote für Forschende zur Verfügung. Sie orientieren sich an den Anforderungen an ein modernes Forschungsdatenmanagement im Sinne der FAIR- und CARE-Prinzipien. Das Konsortium entwickelt und betreibt derzeit 35 individuelle Angebote.
In den Commons sammelt das Konsortium Beiträge, die den community-basierten Qualitätssicherungsprozess durchlaufen haben. Commons können jederzeit überarbeitet, aktualisiert und weiterentwickelt werden, um neuen Anforderungen und fortschreitenden technischen Entwicklungen gerecht zu bleiben.
Zur Vermittlung von Kompetenzen im Forschungsdatenmanagement werden Lehr- und Lernmaterialien als Open Educational Resources (OER) entwickelt. Hierzu gehören Einführungen, Tutorials, Übungen sowie vollständige Kurse, bestehend aus einer Kombination unterschiedlicher OER-Bausteine.
Das Konsortium ist nach den Vorgaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft in sogenannte Task Areas (TA) gegliedert. Sie strukturieren die verschiedenen Aufgabenbereiche und Arbeitsabläufe innerhalb des Konsortiums. Eine Task Area bearbeitet übergeordnete Maßnahmen (Measures) zu einer Phase des Forschungsdatenlebenszyklus.
Task Area 1 widmet sich den Anforderungen an ein nachhaltiges Forschungsdatenmanagement, die bei der Primärdokumentation von archäologischen Stätten und Objekten des kulturellen Erbes entstehen. Sie wird vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (Baden-Württemberg) und der Universität Bonn betreut.
Task Area 2 widmet sich allen Fragen, die im Zusammenhang mit Objektsammlungen in Universitäten und Museen stehen. Sie wird vom Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und dem Institut für Museumsforschung betreut.
Task Area 3 entwickelt und stellt Plattformen, Standards und Dienstleistungen für Desktop-basierte Forschung, kontrollierte Experimente und laborbasierte Objektanalysen bereit. Sie wird vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel betreut.
Task Area 4 befasst sich mit Fragen des Datenmanagements und institutionenübergreifenden Datenaustauschs in den Bereichen Denkmalpflege sowie Konservierung und Restaurierung von Sammlungsobjekten oder Denkmälern. Sie wird vom Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz betreut.
Task Area 5 stellt umfassende Technologien und Standards für die Langzeitarchivierung und Nachnutzung von Forschungsdaten unter Berücksichtigung der FAIR-Prinzipien bereit. Sie wird von der Verbundzentrale (VZG) des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) und dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) betreut.
Task Area 6 greift die Ergebnisse des Konsortiums auf, vermittelt Forschungsdatenmanagement-Kenntnisse und unterstützt deren Verankerung in Ausbildung und Lehre. Sie führt außerdem die in der Community entwickelten Forschungs- und Metadaten zusammen, mit dem Ziel der integrierten digitalen Repräsentation von Objektbiografien. Sie wird von der Klassik Stiftung Weimar und der Hochschule Mainz betreut.
Task Area 7 verwaltet NFDI4Objects, organisiert die Prozesse zwischen den anderen Task Areas und sichert die kontinuierliche wissenschaftliche und gemeinschaftsgetragene Weiterentwicklung des Konsortiums innerhalb der NFDI. Sie wird vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) betreut.
NFDI4Objects arbeitet eng mit den anderen Konsortien zusammen. In der Datenerhebung und den dabei anfallenden Forschungsdaten gibt es viele Überschneidungen mit natur- und lebenswissenschaftlichen Konsortien der NFDI wie NFDI4Earth, NFDI4Biodiversity und FAIRagro.
Das Konsortium gehört gemeinsam mit NFDI4Culture, Text+, NFDI4Memory zu den Unterzeichnern eines gemeinsamen Memorandums of Understanding “Humanities@NFDI”. Ziel der Memorandumsgruppe ist es, die Zusammenarbeit der geistes- und kulturwissenschaftlichen Konsortien in der NFDI zu definieren und zu stärken.