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Das Sankt-Florian-Prinzip (österreichisch: Floriani-Prinzip) oder die Sankt-Florian-Politik bezeichnet Verhaltensweisen, potentielle Bedrohungen oder Gefahrenlagen nicht zu lösen, sondern auf andere zu verschieben. Die englischsprachige Entsprechung ist NIMBY, ein Akronym für not in my backyard („nicht in meinem Hinterhof“).
Früher war es üblich, die Hilfe des Heiligen Florian anzurufen, der als Schutzpatron für die Abwendung von Feuer und Dürre zuständig ist. Volkstümliche Verbreitung fand ein vermeintlich frommer Spruch, der vermutlich von einer ironisch gemeinten Votivtafel stammt und das Prinzip prägnant erläutert:
„Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!“
Oftmals findet sich der Heilige Florian als Lüftlmalerei auf Wohn-, Feuerwehr- oder Bauernhäusern. Meist wird er als überlebensgroße Gestalt abgebildet, die aus einem Eimer Wasser auf ein brennendes Gebäude schüttet.
Die englischsprachige Bezeichnung NIMBY (englisch not in my backyard) erschien erstmals um 1980.
Sankt-Florian-Prinzip bzw. Nimby werden – meist in abwertender Weise – für Situationen oder Prinzipien verwendet, bei denen Teile der Bevölkerung bestimmte überregional bedeutsame Infrastruktur zwar grundsätzlich befürworten und oft auch selbst nutzen wollen, aber deren Errichtung in der Nähe des eigenen Wohnorts abgelehnt wird, weil die Personen selbst lokal Nachteile empfinden. Dabei wird nicht nach einer für die Bevölkerungsgesamtheit optimalen Lösung gestrebt, sondern lediglich einseitig versucht, die Nachteile für sich selbst zu verhindern und auf andere Bevölkerungsgruppen abzuwälzen, was Verwendern des Begriffs unredlich erscheint. Es wird anderen Personen eine Geisteshaltung unterstellt, nach der sie die Vorteile moderner Technologie zwar nutzen, im eigenen Umfeld aber keine Nachteile in Kauf nehmen wollen (vgl. Trittbrettfahrerproblem). Es wird versucht, die erwarteten Nachteile auf andere Mitglieder der Gesellschaft abzuwälzen, was in vielen Fällen auch erreicht wird, wenn sie sich stark genug Gehör verschaffen können. Dass dieser Effekt jedoch keineswegs automatisch eintritt, zeigen verschiedene europäische Umfragen zur Errichtung von Windparks zur Windenergienutzung.
Als typisches Beispiel wird oftmals ein Lobbyismus angeführt, bei dem finanzkräftige Gruppen sich gegen ein Vorhaben starkmachten, um vorrangig ihr Eigentum oder ökonomische Interessen zu schützen (Eigenheimbesitzer, Eigentümer von Geschäften, am Tourismus Beteiligte usw.). Besonders häufig wird das Sankt-Florian-Prinzip in Deutschland in Verbindung mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und dem Ausbau der Stromnetzes gebracht. Auch der Müllexport, die Ausbildung ethnischer Ghettos oder die Schaffung von großen, abgelegenen Flüchtlingseinrichtungen seien auf diese Haltung zurückzuführen.
Ein weiteres Beispiel sind die Standortkonflikte in der Energiepolitik, etwa bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll oder bei der Planung von Stromtrassen, mit denen im Zuge der Energiewende günstig erzeugter Windstrom aus den Küstengebiete zu Industriestandorten im Landesinneren transportiert werden soll.