Die NYHA-Klassifikation ist ein ursprünglich 1928 von der New York Heart Association veröffentlichtes Schema zur Einteilung von Herzkrankheiten nach ihrem Schweregrad. Am häufigsten wird sie zur Einteilung der Herzinsuffizienz in verschiedene Stadien entsprechend der Leistungsfähigkeit des Patienten verwendet. Daneben gibt es Anpassungen an andere Erkrankungen wie z.B. an die pulmonale Hypertonie und an die Angina pectoris.
Stadieneinteilung
Verschiedene Versionen und Übersetzungen der NYHA-Klassifikation unterscheiden sich im Wortlaut geringfügig. Im deutschsprachigen Raum ist die u.a. 2005 in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie verwendete Version am gebräuchlichsten:
Stadieneinteilung nach New York Heart Association-Classification (NYHA-Classification)
Stadium
Definition
NYHA I
Herzerkrankung ohne körperliche Limitation. Alltägliche körperliche Belastung verursacht keine inadäquate Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris.
NYHA II
Herzerkrankung mit leichter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Alltägliche körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris.
NYHA III
Herzerkrankung mit höhergradiger Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bereits bei leichter Tätigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Geringe körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris.
NYHA IV
Herzerkrankung mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und in Ruhe. Bettlägerigkeit.
Die NYHA-Klassifikation liefert keine Hinweise auf die Ursache der kardialen Störung.
Die zur Beurteilung der Stadien herangezogenen Symptome beinhalten Atemnot (Dyspnoe), häufiges nächtliches Wasserlassen (Nykturie), Zyanose, allgemeine Schwäche und Müdigkeit, Angina Pectoris oder kalte Extremitäten.
Eine weitere Klassifikationsmöglichkeit von Herzerkrankungen ist die auf der Hämodynamik beruhende Forrester-Klassifikation.
Es ist zu beachten, dass eine Herzinsuffizienz auch durch Lungenkrankheiten, Leberkrankheiten und Nierenkrankheiten (kardiorenales Syndrom, Nonnenbruch-Syndrome) hervorgerufen werden kann. Luftnot ist kein objektives Maß für die Schwere einer Herzinsuffizienz. Außerdem sollte berücksichtigt werden, dass Luftnot bei großer Belastung auch bei den Gesündesten normal ist.
Lehrbuch
Ein internistisches Lehrbuch nennt andere Begriffe:
Grad I: Belastungstoleranz nicht herabgesetzt
Grad II: Belastungstoleranz gering herabgesetzt
Grad III: Belastungstoleranz deutlich herabgesetzt
Grad IV: Belastungstoleranz hochgradig herabgesetzt
Einfacher
Noch einfacher ist die historische Einteilung der Herzschwäche in vier Stadien nach Luftnot bei großer, mittlerer, kleiner und fehlender Belastung.
Anderes Lehrbuch
Klasse I: keine ungewöhnliche Dyspnoe bei Belastungen
Klasse II: Dyspnoe bei großen Belastungen
Klasse III: Dyspnoe bei kleinen Belastungen
Klasse IV: Beschwerden in Ruhe
Pschyrembel
Grad I: Beschwerdefreiheit in Ruhe und unter Belastung
Grad II: Beschwerden (Dyspnoe) und eingeschränkte Leistungsfähigkeit ab einer mittelschweren körperlichen Belastung
Grad III: Beschwerden (Dyspnoe) und deutliche Leistungseinschränkung bereits bei geringer Belastung, jedoch noch Beschwerdefreiheit in Ruhe
Grad I: Beschwerdefreiheit (unter Therapie), normale körperliche Belastbarkeit
Grad II: Beschwerden bei stärkerer körperlicher Belastung (circa zwei Etagen Treppensteigen, ≈ > 1 bis 1,5 Watt pro Kilogramm Körpergewicht)
Grad III: Beschwerden schon bei leichter körperlicher Belastung (circa bis eine Etage Treppensteigen, ≈ 1 Watt pro Kilogramm Körpergewicht)
Grad IV: Beschwerden in Ruhe oder bei geringen Tätigkeiten (Sprechen, Zähneputzen)
Kardiologisches Wörterbuch
Ein kardiologisches Wörterbuch erklärt ausführlicher:
Grad I: Patienten mit Herzerkrankung, aber keine Limitation der physischen Aktivität. Normale physische Aktivität erzeugt keine Dyspnoe, keine Angina, Müdigkeit oder Palpitationen
Grad II: Patienten mit geringer Limitation der physischen Aktivität. Sie sind beschwerdefrei in Ruhe und bei geringer Belastung. Sie werden symptomatisch nur bei vermehrter Belastung
Grad III: Patienten mit deutlicher Einschränkung der physischen Aktivität. Sie sind in Ruhe beschwerdefrei, werden aber selbst bei geringer Aktivität symptomatisch
Grad IV: Patienten, die keine physische Aktivität ohne Beschwerden ausführen können. Symptome der kardialen Insuffizienz oder Angina pectoris können selbst in Ruhe auftreten und verstärken sich bei Belastung
Stadium I: Keine Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Körperliche Belastung ruft weder Dyspnoe noch Angina pectoris oder Müdigkeit hervor.
Stadium II: Leichte Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. In Ruhe und unter leichten Belastungen keine Beschwerden. Symptome treten erste unter schweren Belastungen auf.
Stadium III: Deutliche Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit. Unter Ruhe besteht Beschwerdefreiheit, bei geringer Belastung stellen sich Insuffizienzsymptome (vorwiegend Dyspnoe) ein.
Stadium IV: Bereits in Ruhe bestehen Symptome der Herzinsuffizienz (Atemnot).
↑Hans Adolf Kühn, Hanns-Gotthard Lasch (Hrsg.): Untersuchungsmethoden und Funktionsprüfungen in der inneren Medizin. 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 1983, ISBN 3-13-552302-0, S. 35.
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