Nactus soniae

Nactus soniae
Systematik
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
ohne Rang: Geckoartige (Gekkota)
Familie: Geckos (Gekkonidae)
Gattung: Nactus
Art: Nactus soniae
Wissenschaftlicher Name
Nactus soniae
Arnold & Bour, 2008

Nactus soniae ist eine ausgestorbene Gecko-Art, die auf der Maskarenen-Insel Réunion im Indischen Ozean endemisch war. Sie wurde nach Sonia Ribes-Beaudemoulin benannt, der damaligen Kuratorin des Muséum d’Histoire Naturelle in Saint-Denis auf Réunion, die mehrere Expeditionen zur Bergung bedeutender subfossiler Wirbeltierreste organisierte, insbesondere von Schildkröten, Vögeln und Fledermäusen, aus den Sümpfen von L’Ermitage bei Saint-Gilles.

Merkmale

Das verfügbare Fossilmaterial ist stark fragmentiert und besteht aus drei Schädelknochen (Stirnbein, Oberkiefer und Unterkiefer). Nactus soniae war eine kleine Art der Gattung Nactus, deren Körperlänge anhand der verfügbaren Knochen auf etwa 45 mm von der Schnauzenspitze bis zur Kloake geschätzt wird.

Das Stirnbein ist nicht verlängert, nach vorn leicht und nach hinten deutlich verbreitert und besitzt einen relativ langen röhrenförmigen Mittelabschnitt. Charakteristisch sind die nur schwach entwickelten seitlichen Fortsätze im vorderen Bereich. Der Oberkiefer ähnelt grundsätzlich dem anderer Arten der Gattung Nactus, unterscheidet sich jedoch durch eine nach innen versetzte obere Knochenleiste, wodurch die Außenseite des Oberkieferknochens stärker gerundet ist. Zudem ist der hintere Abschnitt des Oberkiefers vergleichsweise kurz.

Die Bezahnung ist im Vergleich zu den meisten anderen Nactus-Arten reduziert. Im Oberkiefer beträgt sie 24 Zähne, im Unterkiefer 29 Zähne. Diese Zahnzahlen entsprechen in etwa denen von Nactus coindemerensis von Mauritius, liegen jedoch deutlich unter denen der größeren Arten Nactus serpensinsula und Nactus durrelli, die 36 bis 40 Zähne besitzen.

Nactus soniae nahm hinsichtlich seiner Körpergröße eine Mittelstellung zwischen der kleineren N. coindemerensis (etwa 36 mm) und den größeren mauritischen Arten N. serpensinsula (mindestens 67 mm) sowie N. durrelli (mindestens 55 mm) ein.

Aus einem Stirnbein, das aus der Grotte au Sable geborgen wurde, wurden 681 Basenpaare (bp) mitochondrialer DNA gewonnen, bestehend aus 305 bp des Cytochrom-b-Gens und 374 bp des 12S-rRNA-Gens.

Gefundenes Material

Der Holotypus, ein Stirnbein mit der Sammlungsnummer BMNH R16534 stammt aus der Grotte au Sable bei Saint-Gilles auf Réunion. Das als Paratypen gekennzeichnete Material stammt von derselben Fundstelle. Es umfasst ein Stirnbein, einen Oberkieferknochen und einen Unterkiefer mit den Sammlungsnummern BMNH R16535, R16536 und R16537.

Ähnliche Arten

Nactus soniae unterscheidet sich von anderen Arten der Gattung vor allem durch den Bau des Oberkiefers und die geringe Zahl der Zähne. Gegenüber den mauritischen Arten N. serpensinsula und N. durrelli war sie kleiner und besaß weniger Zähne, während sie größer als N. coindemerensis war. Von den ebenfalls auf den Maskarenen vorkommenden Taggeckos (Phelsuma) unterschied sie sich durch ein schmaleres Stirnbein mit längerem röhrenförmigem Mittelabschnitt, eine höhere obere Knochenleiste des Oberkiefers und eine gröbere Bezahnung.

Aussterben

Nactus soniae wurde 2019 in der IUCN Red List als „ausgestorben“ (extinct) eingestuft. Die Art wurde während der mehr als 300 Jahre seit der Besiedlung Réunions durch den Menschen nie lebend nachgewiesen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass sie – wie ihre heute lebenden Verwandten – klein und vermutlich nachtaktiv war.

Als mögliche Ursache ihres Verschwindens wird die Einschleppung von Ratten diskutiert. Die Hausratte (Rattus rattus) wurde auf Réunion um 1670 erstmals nachgewiesen, die Wanderratte (Rattus norvegicus) etwa ab 1750. Es wird vermutet, dass eingeschleppte Ratten zum Aussterben der Art beigetragen haben.

DNA-Untersuchungen deuten darauf hin, dass Nactus soniae Réunion von Mauritius aus besiedelte. Molekulare Datierungen sprechen dafür, dass die Art die Insel bereits seit mindestens etwa einer Million Jahren bewohnte und damit auch die großen vulkanischen Eruptionen vor etwa 180.000 bis 230.000 Jahren überdauerte.

Literatur