Synonyme sind: AFD1 Typ Nager; Dysostose, akrofaziale, Typ Nager; Akrodysostose, präaxiale; Dysostose, akrofaziale, Typ Nager; Mandibulofaziale Dysostose mit präaxialen Gliedmaßenanomalien; NAFD; Nager-(de)Reynier-Syndrom
Die Bezeichnung bezieht sich auf die Erstautoren der Erstbeschreibung aus dem Jahre 1948 durch den Schweizerischen HNO-Arzt Felix Robert Nager und den französischen Arzt Jean Pierre de Reynier (* 1914).
Verbreitung
Die Häufigkeit ist nicht bekannt, bislang wurde über mehr als 100 Patienten berichtet. Die Vererbung erfolgt großteils autosomal-dominant.
Ursache
Der Erkrankung liegen bei etwa der Hälfte der Betroffenen Mutationen im SF3B4-Gen am Genort 1q21.2 zugrunde, welches für eine Komponente des Spleißmechanismus kodiert.
Klinische Erscheinungen
Betroffenes Kind
Klinische Kriterien sind:
Gesichtsbefunde des Treacher-Collins-Syndromes (Franceschetti-Syndrom) mit Reduktionsfehlbildungen des radialen Strahles kombiniert:
Die Diagnose ergibt sich aus der klinischen Untersuchung und der Bildgebenden Diagnostik, die Diagnosesicherung erfolgt durch Nachweis der Mutation im SF3B4-Gen.
Eine pränatale Diagnose kann durch Feinultraschall vermutet und molekulargenetisch gesichert werden.
Differentialdiagnose
Abzugrenzen sind:
andere Formen der mandibulofazialen Dysostose wie das Treacher-Collins-Syndrom
und der akrofazialen Dysostosen wie AFD Typ Catania, AFD Typ Patagonia, AFD Typ Genee-Wiedemann, AFD Typ Rodriquez
Die Behandlung erfolgt symptomatisch zunächst gegen die neonatale Atemnot durch Tracheostoma und die Ernährungsprobleme durch Gastrostomie.
Literatur
S. Dammert, M. Funke, H A Merten:Radiologische Diagnostik beim Nager-Syndrom. In: Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen und der Nuklearmedizin. Band173, Nr.12, 2001, S.1147–1148, doi:10.1055/s-2001-18884, PMID 11740677.
Charlotte Opitz, Christian Stoll, P. Ring:Das Nager–Syndrom. Probleme und Möglichkeiten der Therapie. In: Journal of Orofacial Orthopedics / Fortschritte der Kieferorthopädie. Band61, Nr.4, 2000, S.226–226, doi:10.1007/s000560050008, PMID 10961048.
12Bernfried Leiber (Begründer):Die klinischen Syndrome. Syndrome, Sequenzen und Symptomenkomplexe. Hrsg.: G. Burg, J. Kunze, D. Pongratz, P. G. Scheurlen, A. Schinzel, J. Spranger. 7., völlig neu bearb. Auflage. Band2: Symptome. Urban & Schwarzenberg, München u. a. 1990, ISBN 3-541-01727-9.
↑F. R. Nager, J. P. de Reynier: Das Gehoerorgan bei den angeborenen Kopfmissbildungen. In: Practica oto-rhino-laryngologica (Basel), 1948, Band 10 (suppl. 2), S. 1–128.
↑Ida Charlotte Bay Lund, Else Marie Vestergaard, Rikke Christensen, Niels Uldbjerg, Naja Becher:Prenatal diagnosis of Nager syndrome in a 12-week-old fetus with a whole gene deletion of SF3B4 by chromosomal microarray. In: European Journal of Medical Genetics. Band59, Nr.1, 2015, S.48–51, doi:10.1016/j.ejmg.2015.12.001, PMID 26679067.
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