Das Naimark-Problem, benannt nach dem russischen Mathematiker Mark Aronowitsch Naimark, ist ein mathematisches Problem aus dem Bereich der Funktionalanalysis. Das Naimark-Problem ist aktuell (2024) offen.
Seien ein Hilbertraum und die C*-Algebra der kompakten Operatoren auf sowie die C*-Algebra aller stetigen, linearen Operatoren . M. A. Naimark bewies 1948, dass je zwei irreduzible Hilbertraum-Darstellungen und von unitär äquivalent sind, das heißt, dass es einen unitären Operator gibt, so dass für alle , (und damit unitär äquivalent zur identischen Darstellung sind).
Das Naimark-Problem stellt die Frage nach der Umkehrung dieser Aussage:
Für eine beliebige C*-Algebra sei die Menge der unitären Äquivalenzklassen irreduzibler Darstellungen. Es ist bekannt, dass es stets irreduzible Darstellungen gibt, das heißt . Für eine C*-Algebra aus dem Naimark-Problem ist einelementig und daher so klein wie möglich.
Die Kerne irreduzibler Darstellungen heißen primitive Ideale und man überlegt sich leicht, dass unitär äquivalente irreduzible Darstellungen dieselben Kerne haben. Bezeichnet die Menge aller primitiven Ideale, so hat man also eine kanonische Abbildung , die eine Äquivalenzklasse auf den Kern abbildet. Für eine C*-Algebra aus dem Naimark-Problem ist dies daher eine Abbildung zwischen zwei einelementigen Mengen.
Eine C*-Algebra aus dem Naimark-Problem muss einfach sein, das heißt, dass es neben dem Nullideal und keine weiteren abgeschlossenen, zweiseitigen Ideale gibt. Jedes solche Ideal ist nämlich Durchschnitt primitiver Ideale und da es davon nur ein einziges gibt, sind (Durchschnitt der leeren Menge primitiver Ideale) und das Nullideal (Durchschnitt von ) die einzigen beiden abgeschlossenen, zweiseitigen Ideale.
Begründung: Wähle eine irreduzible Darstellung . Diese hat nach Obigem den Kern und ist daher injektiv, weshalb isomorph zu und daher ebenfalls einfach ist. Da vom Typ I ist, gilt (für jede irreduzible Darstellung), und da ein abgeschlossenes zweiseitiges Ideal ist (sogar in ), muss sein. Also gilt , wie gewünscht.
Begründung: Es ist ein bekannter Satz, dass eine separable C*-Algebra genau dann vom Typ I ist, wenn die kanonische Abbildung injektiv ist. Für eine C*-Algebra aus dem Naimark-Problem ist dies aber eine Abbildung zwischen zwei einelementigen Mengen und daher sicher injektiv. Damit ist das Naimark-Problem auf obigen Typ-I-Fall zurückgeführt.
Nimmt man zu den üblichen Axiomen der Mengenlehre, das heißt zu den Axiomen der Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre mit Auswahlaxiom (kurz ZFC), das Karo-Axiom hinzu, so konnten C. Akemann und N. Weaver ein Gegenbeispiel zum Naimark-Problem konstruieren. Dabei handelt es sich um eine Vereinigung einfacher, separabler C*-Algebren mit einem gemeinsamen Einselement. In der technisch aufwändigen Konstruktion wird die aufsteigende Folge der Länge der kleinsten überabzählbaren Kardinalzahl unter Verwendung des Karo-Axioms so gewählt, dass auf der Vereinigung alle irreduziblen Darstellungen unitär äquivalent sind. Diese C*-Algebra ist damit ein Gegenbeispiel zum Naimark-Problem.