| Narnavirus | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Die Narnaviridae haben kein Kapsid und keine Virushülle, RNA-Genom und RdRp bilden einen nackten Ribonukleoprotein-Komplex | ||||||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| Taxonomische Merkmale | ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||||||
| Narnavirus | ||||||||||||||||
| Links | ||||||||||||||||
|
Narnavirus ist eine Gattung von Einzelstrang-RNA-Viren positiver Polarität in der Familie Narnaviridae. Als natürliche Wirte der offiziell bestätigten Mitglieder der Gattung dienen Pilze, was diese Viren als Mykoviren klassifiziert.
Es gibt in der Gattung derzeit (Stand 15. Juni 2021) zwei vom International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) offiziell bestätigte Spezies (Arten). Man hat gezeigt, dass Mitgliedsviren für die sexuelle Fortpflanzung des Schimmelpilzes Rhizopus microsporus erforderlich sind.
Die Narnaviridae haben ein nacktes RNA-Genom ohne Kapsid, d. h. keine echten Virionen (Viruspartikel) und leiten ihren Namen von dieser Eigenschaft ab (englisch naked RNA).
Narnaviren (im Sinn von Mitgliedern der Gattung Narnavirus) haben kein echtes Virion. Sie haben weder Strukturproteine noch ein Kapsid.


Das Genom der offiziell bestätigten Narnaviridae ist nicht segmentiert (monopartit) und besteht aus einem linearen RNA-Molekül positiver Polarität. Es gibt nur einen Offenen Leserahmen (engl. open reading frame, ORF), der für die RNA-abhängige RNA-Polymerase (RdRp) kodiert. Das Genom ist mit der RdRp im Zytoplasma des Wirtspilzes assoziiert und bildet einen nackten Ribonukleoprotein-Komplex. Einige der vorgeschlagenen Vertreter haben im Gegenzug dazu offenbar ein zweifach segmentiertes Genom, so etwa die seitens des ICTV noch unbestätigte Spezies „Apocryptovirus odysseus“.
Die Replikation erfolgt im Zytoplasma. Sie folgt dem üblichen Modell der Replikation positiv-strängiger RNA-Viren; gleiches gilt für die Transkription. Das Virus verlässt die Wirtszelle durch Bewegung von Zelle zu Zelle. Nachgewiesen sind bisher (nur) Pilze als natürliche Wirte (näheres siehe unten). Die Übertragungswege sind vertikal (auf die Nachkommen des Wirts) und sexuell.
Die Gattung hat (mit Stand 7./17. Mai 2024) folgende vom ICTV bestätigten Mitgliedsspezies, ergänzt um einige Vorschläge gemäß der Taxonomie des National Center for Biotechnology Information (NCBI) sind mit Stand 5. Juni 2024 (Auswahl):
Familie Narnaviridae
Anmerkung: Die Namensgebungen weisen nicht alle auf Pilze hin, einige Kandidatenmitglieder parasitieren auch andere Eukaryoten (etwa Stechmücken). Bei Genomsequenzen aus der Metagenomik besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass sie deswegen mit diesen vergesellschaftet (assoziiert) sind, weil ihr Wirt ein Pilz ist, der mit diesen Tieren, Pflanzen usw. in einer symbiotischen (vielleicht auch parasitären) Beziehung steht und auf oder in diesen lebt. Diese Frage ist in jedem Einzelfall gesondert zu klären.

Zwar gibt es mit dem derzeitigen Stand vom 7./17. Mai 2024 in den Narnaviridae außerhalb der Gattung Narnavirus keine bestätigten Gattungen oder Spezies, die NCBI-Taxonomie listet jedoch eine Reihe solcher Kandidaten (Auswahl):
Familie Narnaviridae (früher Narna-like viruses)
Im Mai 2024 veröffentlichten Purav Gupta et al. die Entdeckung zweier RNA-Viren der Familie Narnaviridae, deren Wirt der Parasit Toxoplasma gondii ist. Die beiden Viren sind offenbar sehr nahe verwandt, so dass die Autoren für sie eine gemeinsame Spezies mit Bezeichnung „Apocryptovirus odysseus“ (Ao) vorschlugen. Die Identifizierung dieser Viren und mindestens weiterer 17 naher Verwandter (vorschlagsgemäß aus derselben Gattung) geschah anhand Analyse vorhandener Genomdaten. Das Team vermutet, dass erst diese Ao-Viren den Parasiten für den Menschen gefährlich machen, d. h. einen Stamm von T. gondii Virulenz verleihen, so dass eine Infektion mit einem solchen Stamm zum Ausbruch einer Toxoplasmose führt. Dies könnte erklären, warum zwar viele Menschen bzgl. Toxoplasma gondii positiv sind, aber nur ein Teil davon Toxoplasmose-Symptome zeigt. Die NCBI-Taxonomie listet diese Vertreter derzeit (5. Juni 2024) nicht in einer vorgeschlagenen Gattung, sondern unter der generischen Bezeichnung „Narnavirus sp.“. Nach Gupta et al. (2024) hat die vorgeschlagene Gattung folgende Mitglieder:
Familie Narnaviridae (früher Narna-like viruses)