Nasan Tur (* 1974 in Offenbach am Main, Deutschland) ist ein deutsch-türkischer Künstler. Er lebt und arbeitet in Berlin. Als Professor für Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Bildhauerei lehrt er an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
Nasan Tur studierte von 1998 bis 2003 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main und von 2000 bis 2003 an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main. Während seines Studiums begann er, sich mit politischen und sozialen Themen auseinanderzusetzen, die sein künstlerisches Schaffen bis heute prägen.
Nasan Tur arbeitet mit verschiedenen Kunstformen wie Skulpturen, Zeichnungen, Videos, Fotografien, Performances und Installationen. In seinen Werken erforscht er, wie Gesellschaft funktioniert, wie Produktion und Wert miteinander verbunden sind und welche Rolle Macht in der Kommunikation spielt. Durch seine Interventionen regt er die Betrachter dazu an, diese Themen neu zu hinterfragen. Seine Werke beschäftigen sich damit, wie Vorbilder die heutige Gesellschaft prägen und ab wann Menschen bereit sind, sich gegen Unterdrückung, Machtlosigkeit und Manipulation aufzulehnen, um gesellschaftliche Strukturen zu verändern.
Ein zentrales Element in der Kunst von Nasan Tur ist sein eigener Körper, den er einsetzt, zum Beispiel bei dem Versuch Weltrekorde zu brechen oder bei performativen Aktionen im öffentlichen Raum. Für das Passfoto seines ersten deutschen Personalausweises beispielsweise ließ er sich über Monate hinweg einen Oberlippenbart wachsen, einen sogenannten „Türkenschnauzer“. Dieser Begriff entstand in den 1960er Jahren, als viele Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus der Türkei nach Deutschland kamen, und wurde damals abwertend verwendet, um Menschen aus der Türkei zu diskriminieren und ihnen pauschal negative Eigenschaften wie Lautstärke oder Unhöflichkeit zuzuschreiben. Dieses frühe Selbstporträt war ein dauerhafter Versuch, herauszufinden, wie Klischees und Vorbilder die Wahrnehmung von Menschen beeinflussen. Mit „Der unbekannte Ritter“ entwickelte er ein weiteres langfristiges soziales Experiment: Für die Stadt Graz erfand er die Figur eines osmanischen Ritters und erzählte dessen Antihelden-Geschichte in verschiedenen Versionen. Diese Geschichte verbreitete er in unterschiedlichen Formaten im öffentlichen Raum.
Einige Werke bestehen aus gefundenen Objekten, Zeichen oder Symbolen, die aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst werden und so komplexe soziale Zusammenhänge im Kleinen abbilden. Beispiele dafür sind gesammelte Graffiti-Slogans, die übereinander gesprüht ein großes, unleserliches Meinungsfeld ergeben oder Berichte über Terroranschläge, die auf die Zahl der Todesopfer reduziert werden. Auch ein Glas Coca-Cola neben ideologisch, religiös oder nationalistisch motivierten Alternativen wie Mecca-Cola, Zam Zam Cola oder Cola Turca gehört dazu. Obwohl seine Werke einen politischen und sozialen Schwerpunkt haben, sind sie oft humorvoll, überraschend und manchmal schockierend.
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hat Tur auch als Kurator gearbeitet und Ausstellungen konzipiert, die das Publikum dazu anregen sollen, über aktuelle politische und soziale Fragen nachzudenken.
Im Jahr 2012 wurde er mit dem Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste Berlin und 2014 mit dem Rompreis der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo ausgezeichnet.
Zwischen 2021 und 2022 hatte Tur eine Professur im Postgraduiertenstudiengang Raumstrategien an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin inne, bis er 2022 als Professor für das Fach Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Bildhauerei an die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig berufen wurde.
Tur hat an zahlreichen Ausstellungen und Biennalen teilgenommen. Im Folgenden eine Auswahl seiner Ausstellungen:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tur, Nasan |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Künstler |
| GEBURTSDATUM | 1974 |
| GEBURTSORT | Offenbach am Main, Deutschland |