Die Natternköpfe (Echium), auch als Natterköpfe bezeichnet, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Die Gattung umfasst etwa 65 Arten. Der Gattungsname leitet sich von den auffallenden Griffeln ab, die am Ende wie Schlangenzungen gespalten sind. In Mitteleuropa sieht man am häufigsten den blau blühenden Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare).
Mediterrane und mitteleuropäische Echium-Arten sind ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, die je nach Art Wuchshöhen von bis zu 1 Meter erreichen. Auf Madeira, den Kapverden und den Kanarischen Inseln kommen auch viele verholzende, strauchförmige Arten vor. Oberirdische Pflanzenteile sind meist borstig behaart.
Die wechselständigen Laubblätter besitzen eine einfache Blattspreite.
Die endständigen Blütenstände sind Wickel mit Tragblättern. Es sind meist Blütenstiele vorhanden.
Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth) und im Gegensatz zu den Blüten der meisten anderen Boraginaceae deutlich zygomorph. Die fünf an ihrer Basis verwachsenen Kelchblätter vergrößern sich etwas bis zur Fruchtreife und neigen sich dann zusammen. Die fünf blauen, purpur- bis rosafarbenen Kronblätter sind röhrig oder glockenförmig verwachsen mit meist kurzer Kronröhre und ungleich großen Kronzipfeln. Die ungleichen Staubblätter besitzen lange, dünne Staubfäden und relativ kleine, längliche Staubbeutel. Zwei Fruchtblätter sind zu einem vierfächerigen oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Der dünne Griffel ist oben zweiästig mit jeweils einer kleinen, kopfigen Narbe.
Die Klausenfrucht zerfällt in vier Teilfrüchte. Die Teilfrüchte (Klausen) sind meist braun, gerade, eiförmig bis schmal-eiförmig, warzig oder glatt.
Die Gattung Echium wurde durch Carl von Linné 1753 in Species Plantarum, Tomus I, Seite 139 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, Seite 68 aufgestellt.
Die Gattung Echium gehört zur Tribus Lithospermeae in der Unterfamilie Boraginoideae innerhalb der Familie Boraginaceae.
Echium angustifolium subsp. elongatumG.Klotz: Sie kommt nur in Libyen vor.
Echium angustifolium subsp. expansum (Hausskn.) G.Klotz: Sie kommt in der Türkei vor.
Echium angustifolium subsp. sericeum (Vahl) G.Klotz: Sie kommt in Libyen, Ägypten und auf der Sinaihalbinsel vor.
Echium angustifolium subsp. tunetanumG.Klotz: Sie kommt in Tunesien und in Libyen vor.
Echium arenariumGuss.: Sie kommt im Mittelmeerraum von Marokko bis Libyen und von Portugal bis Kreta vor.
Echium asperrimumLam.: Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, Spanien, den Balearen, Sardinien, Italien und Frankreich vor.
Echium boissieriSteud.: Sie kommt in Marokko, Algerien, Spanien und Portugal vor.
Echium cantabricum (Laínz) Fdz.-Casas & Laínz: Sie kommt in Spanien vor.
Echium canumEmberger & Maire: Sie kommt in Marokko vor.
Echium creticumL.: Je nach Autor gibt es drei bis fünf Unterarten:
Echium creticumL. subsp. creticum: Sie kommt in Algerien, Spanien, Frankreich und auf Korsika sowie Sardinien vor.
Echium creticum subsp. granatense(Coincy) Valdés (Syn.: Echium creticum subsp. coincyanum (Lacaita) R.Fernandes): Sie kommt in Gibraltar, Spanien, Portugal und in Sardinien vor.
Echium creticum subsp. sauvagei (R.Fernandes) Valdés (Syn.: Echium creticum subsp. algarbienseR.Fernandes): Sie kommt nur in Marokko vor.
Echium flavumDesf.: Sie kommt in Marokko, Algerien und Spanien vor.
Echium gaditanumBoiss.: Sie kommt in Marokko, Portugal und Spanien vor.
Echium glomeratumPoir.: Sie kommt auf Zypern, in der Türkei, in Syrien und in Israel vor.
Echium italicumL. subsp. italicum (Syn.: Echium italicum subsp. albereanum(Naudin & Debeaux) Greuter & Burdet): Sie kommt in Süd-, Südost-, in Mitteleuropa und in Westasien vor.
Echium italicum subsp. scaettae (Pamp.) Greuter & Burdet: Sie kommt in Libyen vor.
Echium italicum subsp. siculum (Lacaita) Greuter & Burdet: Sie kommt in Sizilien vor.
Echium judaeumLacaita: Sie kommt in Israel und im Gebiet von Syrien und Libanon vor.
Echium longifoliumDelile: Sie kommt in Libyen, in Ägypten und auf der Sinaihalbinsel vor.
Die Entwicklung der Natternköpfe auf den makaronesischen Inseln setzte vermutlich kurz nach der Entstehung der Inseln ein, im Fall von Fuerteventura und Lanzarote also etwa vor 19 Millionen Jahren. Die Entwicklung der 25 endemischen Arten der Gattung Echium erfolgte durch adaptive Radiation und Vikarianz (Trennung von Populationen durch die Entwicklung geographischer oder ökologischer Barrieren) aus einer einzigen, aus der Mittelmeerregion stammenden Ursprungsart, die Echium decaisnei auf Gran Canaria ähnlich gewesen sein dürfte. Im Unterschied zu den kurzlebigen Echium-Arten im Mittelmeerraum entwickelten sie sich wegen des ausgeglichenen Klimas auf den makaronesischen Inseln zu ausdauernden, verholzenden Sträuchern.
Jandia-Natternkopf (Echium handienseSvent.): Die Tajinaste azul de Jandía steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Die (2004) verbleibenden 145 Pflanzen kommen nur noch auf einem 2 km² großen Territorium der Halbinsel Jandía auf Fuerteventura vor.
Hierro-Natternkopf (Echium hierrense) Webb ex Bolle: Dieser Endemit kommt nur auf Hierro vor.
Echium onosmifoliumWebb: Die zwei Unterarten kommen nur auf Gran Canaria vor:
Echium onosmifoliumWebb subsp. onosmifolium
Echium onosmifolium subsp. spectabileKunk.
Echium pereziiSprague (Syn.: Echium wildpretii subsp. trichosiphon(Svent.) Bramwell): Dieser Endemit mit blauen Blüten kommt nur auf La Palma vor.
Echium pininanaWebb & Berthel.: Dieser Endemit kommt nur auf La Palma vor; verwilderte Vorkommen sind aus Spanien, Irland und dem Vereinigten Königreich bekannt.
Echium strictumL. f. subsp. strictum: Sie kommt auf Teneriffa, Gomera, Gran Canaria, La Palma und Hierro vor.
Echium strictum subsp. exasperatum (Webb ex Coincy) Bramwell: Dieser Taginaste chico genannte weiß-bläulich-rosa gefärbte Endemit kommt nur auf Teneriffa vor.
Echium strictum subsp. gomerae (Pit.) Bramwell: Dieser Endemit kommt nur auf Gomera vor.
Sventenius-Natternkopf (Echium sventeniiBramwell): Dieser Endemit kommt nur auf Teneriffa vor.
Echium tristeSvent.: Es gibt zwei Unterarten, die weiße bis blassrosa Blüten aufweisen:
Echium tristeSvent. subsp. triste: Dieser geschützte, Viborina triste genannte Endemit kommt nur auf Gran Canaria vor.
Echium triste subsp. nivariense (Svent.) Bramwell: Sie kommt nur auf Teneriffa und Gomera vor.
Echium virescensDC.: Diese auf Teneriffa endemische Pflanzenart erreicht Wuchshöhen von bis zu 2 Metern. Sie wird auch als Zierpflanze verwendet und ist eine Bienennahrung.
Webbs Natternkopf (Echium webbiiCoincy): Dieser Endemit kommt nur auf La Palma vor.
Wildprets Natternkopf (Echium wildpretiiH.Pearson ex. Hook. f., Syn.: Echium wildpretiiH.Pearson ex. Hook. f. subsp. wildpretii): Es gab früher zwei Subtaxa, seit 2021 ist die eine Unterart eine eigenständige Art. Dieser Endemit mit roten Blüten kommt nur im zentralen Teneriffa vor.
Kapverden
Auf den Kapverdischen Inseln gibt es etwa drei bis zu 2 Meter hohe Arten, die alle wegen der rauen Textur der Blätter im Volksmund língua de vaca („Kuhzunge“) genannt werden:
Echium stenosiphonWebb: Die beiden gefährdeten Unterarten mit blauen Blüten kommen nur im nördlichen Teil der Kapverdischen Inseln vor:
Echium stenosiphon subsp. lindbergii (Pettersson) Bramwell: Dieser Endemit kommt nur auf der Insel Santo Antão vor.
Echium stenosiphonWebb subsp. stenosiphon: Sie kommt nur auf den Inseln Santo Antão, São Nicolau sowie São Vicente vor.
Echium vulcanorumChev.: Dieser ebenfalls língua de vaca („Kuhzunge“) genannte, gefährdete Endemit kommt nur auf der Insel Fogo in Höhenlagen von 1700 bis 2000 Metern vor.
Ausgeschlossene Arten
Die folgende Art wird seit 2000 der anderen Gattung Pontechium zugeordnet:
123456789101112131415161718192021222324252627Benito Valdés:Echium L. In: Santiago Castroviejo, C. Andrés, M. Arista, M. P. Fernández Piedra, M. J. Gallego, P. L. Ortiz, C. Romero Zarco, F. J. Salgueiro, S. Silvestre, Alejandro Quintanar (Hrsg.): Flora Ibérica. Plantas Vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares. Volume XI. Gentianaceae – Boraginaceae. Real Jardín Botánico, CSIC, Madrid 2012, ISBN 978-84-00-09415-7, S.413–446 (floraiberica.es[PDF; 619kB]).
1234
Gelin Zhu, Harald Riedl, Rudolf V. Kamelin: Echium. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.):Flora of China. Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae. Science Press/ Missouri Botanical Garden Press, Beijing/ St.Louis 1995, ISBN 0-915279-33-9, S.357 (englisch, textgleich online wie gedrucktes Werk–PDF-Datei).
↑
F. Forcella, J. T. Wood, S. P. Dillon: Characteristics distinguishing invasive weeds within Echium (Bugloss). In: Weed Research. Band 26, Nr. 5, 1986, S. 351–364, doi:10.1111/j.1365-3180.1986.tb00718.x.
1234
Benito Valdés: Notas sobre el género Echium L. In: Lagascalia. Band 27, 2007, S. 53–71 (PDF-Datei).
12
Rachael E. Graham, J. Alfredo Reyes-Betancort, Mark A. Chapman, Mark A. Carine: Inter-island differentiation and contrasting patterns of diversity in the iconic Canary Island sub-alpine endemic Echium wildpretii (Boraginaceae). In: Systematics and Biodiversity, Volume 19, Issue 5, 2021, S. 507–525. doi:10.1080/14772000.2021.1877847PDF.
123456
Maria M. Romeiras, Helena C. Cotrim, Maria C. Duarte, Maria S. Pais: Genetic diversity of three endangered species of Echium L. (Boraginaceae) endemic to Cape Verde Islands. In: Biodiversity and Conservation, Volume 16, Issue 2, Springer 2007, S. 547–566. doi:10.1007/s10531-006-6734-0
↑Hartmut H. Hilger, Uta-Regina Böhle:Pontechium: a new genus distinct from Echium and Lobostemon (Boraginaceae). In: Taxon. Band49, Nr.4, 2000, S.737–746, JSTOR:1223974.
Uta-Regina Böhle, Hartmut H. Hilger, W. F. Martin: Island colonization and evolution of the insular woody habit in Echium L. (Boraginaceae). In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, Volume 93, Issue 21, 1996, S. 11740–11745. doi:10.1073/pnas.93.21.11740