Neck-Dissection

Der englische Begriff Neck-Dissection (deutsch: „Hals-Ausräumung“) bezeichnet in der Medizin einen chirurgischen Eingriff mit Entfernung von Lymphknotengruppen bis hin zu allen Lymphknoten einer Halsseite im Rahmen der operativen Therapie eines bösartigen Tumors im Kopf-Hals-Bereich.

Primärziel ist meistens, neben der eigentlichen Tumorentfernung auch mögliche Absiedlungen (sogenannte Metastasen) des Tumors in den betreffenden Lymphknotenstationen des Halses zu entfernen und eine weitere Streuung von Tumorzellen im Körper zu verhindern.

Formen

Nach dem therapeutischen Ziel unterscheidet man folgende Formen:

Prophylaktische Neck-Dissection

Es werden auch ohne eine nachgewiesene Metastasierung die Lymphknoten entfernt. Dadurch kann sichergestellt werden, dass man auch eventuell vorhandene nicht sichtbare Mikrometastasen mit entfernt.

Therapeutische Neck-Dissection

Von einer therapeutischen Neck-Dissection spricht man, wenn in den Lymphknoten bereits Metastasen nachgewiesen sind.

Anatomische Einteilung

Die einzelnen Lymphknotengruppen des Halses werden in sechs (nach Robbins 1991; modifiziert nach Robbins 2001) verschiedene Level mit 6 Sublevels unterteilt. Die Einteilung ist mittlerweile weitverbreitet, da sie über den operativen Aufwand und die Prognose bei Tumorentfernungen entscheidet:

Level I: Submentale/submandibuläre Lymphknotengruppe

Level II: kraniojuguläre Lymphknotengruppe

Level III: mediojuguläre Lymphknotengruppe:

Level IV: kaudojuguläre Lymphknotengruppe:

Level V: die Akzessoriusgruppe des posterioren Halsdreiecks:

Level VI: vorderes Kompartment, para- und retropharyngeale Lymphknotengruppe:

Operationstechniken

Radikale Neck-Dissection

Dabei werden die Lymphknoten zusammen mit folgenden anatomischen Strukturen entfernt:

Der Verlust von Lymphknoten, Fett- und Bindegewebe, Blutgefäßen, Speicheldrüsen und Muskelanteilen geht also mit einem großen Gewebeverlust und damit auch funktionellen Einschränkungen für den Patienten einher.

Modifiziert-Radikale Neck-Dissection

Wie Radikale Neck-Dissection unter Erhaltung mindestens einer nichtlymphatischen Struktur, z. B. des Nervus accessorius und damit geringere Bewegungseinschränkung im Kopf/Schulterbereich.

Die Modifiziert-Radikale Neck-Dissection wird eingeteilt in:

Funktionelle Neck-Dissection

Die funktionelle Neck-Dissection hat ein besseres kosmetisches und funktionelles Ergebnis und hat z. B. beim Schilddrüsenkarzinom keine schlechtere Lebenserwartung als die klassische Neck-Dissection. Bei der funktionellen Neck-Dissection werden Muskeln, N. accessorius und Vena jugularis interna erhalten. Sind Lymphknoten mit der Vena jugularis verbacken, wird diese entfernt, ansonsten werden „nur“ die Lymphknoten reseziert.

Selektive Neck-Dissection

Es werden selektiv die Regionen einer Halsseite entfernt, in denen Lymphknotenmetastasen eines Primärtumors nachgewiesen oder vermutet werden. Die selektive Neck-Dissection wird eingeteilt in:

Sentinel Node

Die erste Lymphstation nach einem Organ bezeichnet man als Sentinel-Lymphknoten (Wächterlymphknoten). Dieser Lymphknoten wird bei Tumoroperationen in der Regel mit entfernt. Ist dieser erste Lymphknoten frei von Metastasen, ist eine weitere Fernmetastasierung über die Lymphbahn unwahrscheinlich. Die Entfernung des Wächterlymphknotens ist keine Form der Neck-Dissection, sie ist vielmehr von prophylaktischer und diagnostischer Bedeutung.

Einzelnachweise

  1. ↑ K. T. Robbins, J. E. Medina, G. T. Wolfe, P. A. Levine, R. B. Sessions, C. W. Pruet: Standardizing neck dissection terminology. Official report of the Academy’s Committee for Head and Neck Surgery and Oncology. In: Arch Otolaryngol Head Neck Surg., Juni 1991, Band 117, Nr. 6, S. 601–605. PMID 2036180
  2. ↑ K. T. Robbins, G. Clayman, P. A. Levine, J. Medina, R. B. Sessions, A. Shaha, P. Som, G. T. Wolf: Neck Dissection Classification Update. Revisions Proposed by the American Head and Neck Society and the American Academy of Otolaryngology–Head and Neck Surgery. In: Arch Otolaryngol Head Neck Surg., Juli 2002, Band 128, Nr. 7, S. 751–758; doi:10.1001/archotol.128.7.751. PMID 12117328