Nehemetawai

Nehemetawai in Hieroglyphen
N35
N41
G17X1
D36
V4M17M17I12

Nehemetawai
Nḥmt ˁw3y
Die sich des Beraubten annimmt
Nehemtawi, Statuette aus Bronze

Nehemetawai ist eine altägyptische Gottheit der ägyptischen Mythologie. Sie ist „Herrin der Stadt“ und „Herrscherin auf der Flammeninsel“. Die Göttin erlangte erst in der Spätzeit größere Bedeutung. Ihrem Namen zufolge, der in der Übersetzung „die sich des Beraubten annimmt“ bedeutet, war Nehemetawai die „Schützerin des Rechtes“ und stand für Gerechtigkeit. In späterer Zeit wurde sie als Göttin des Gesanges und der Musik angesehen. Es besteht eine enge Verbindung zu Hathor.

Nehemetawai wurde als Frau dargestellt, deren Kopfschmuck Sonnenscheibe und Kuhhörner sein konnten, aber auch ein kapellenförmiges Sistrum. Eine andere Variante ist die Darstellung mit einer Uräusschlange anstelle eines menschlichen Kopfes oder zwei entgegengesetzten Gesichtern. Abbildungen der Göttin fanden sich an ihrem Hauptkultort Hermopolis Magna (altägyptisch Chemenu – „Stadt der Acht“), in Hibis sowie im Chons-Tempel in Karnak.

Zur Zeit des Neuen Reiches (18. Dynastie) war Nehemetawai in Hermopolis Magna eng mit dem Sonnengott Schepsi verbunden und Thot galt als der Sohn der beiden.

Als Konsorte des Thot verbreitet sich Nehemetawais Kult ab der Dritten Zwischenzeit auch in den Oasen und in Unterägypten. In der Spätzeit ändert sich auch ihre Ikonographie: Sie trägt ab der 26. Dynastie zumeist eine Sistrumkrone anstelle des Kuhgehörns mit Sonnenscheibe.

In der Übergangsphase von der 30. Dynastie zur ptolemäischen Zeit finden sich erstmals Hinweise auf Nehemet-awaj als Göttin der Heiterkeit, der Feste und der Trunkenheit. Diese Funktion hängt sicherlich mit ihrem hathorischen Aspekt und ihrer Rolle als Göttin der Musik zusammen, die schon aus früheren Zeiten bekannt sind.

Besonders in griechisch-römischer Zeit nehmen die Belege für Nehemetawai stark zu, etwa die Hälfte aller Zeugnisse für die Göttin stammen aus dieser Epoche. In den griechischen Quellen erscheint Nehemetawai als Isis von Hermopolis, „die erste der Musen in Hermopolis“.

Spätere Inschriften im Domitian-Tempel von Ashmunein etwa zeigen diese Assoziation durch die Schreibung von Nehemetawais Namen mit der Ma’at-Feder. Aus römischer Zeit stammt auch das einzige Denkmal einer Privatperson, das Thot und Nehemetawai abbildet.

Forschungsstand und Quellen

Vermutlich aufgrund ihres seltenen Auftretens haben sich nur wenige Forscher bisher mit der Göttin Nehemetawai auseinandergesetzt. Patrick Boylan widmet ihr einen Abschnitt im Zusammenhang mit ihrer Rolle als Gemahlin des Thot.

Im Lexikon der Ägyptologie findet sich ein kurzer Beitrag von Alain-Pierre Zivie, der wohl im Zuge seiner Forschungen in Hermopolis auf diese Göttin aufmerksam geworden ist. Einige Publikationen, die wichtiges Material zur Erforschung von Nehemet-awaj in der Spätzeit beinhalten, sind Fakhrys Bahria Oasis, und die Publikation des Hibistempels von de Garis Davies. Die 1984 eingereichte Dissertation von Jacques Parlebas Die Göttin Nehmet-awaj bildet die bisher umfangreichste Behandlung dieser Gottheit. Neuere Erkenntnisse liefert der Artikel von Depauw/Smith, die sich mit einer Schilderung eines Festgeschehens für Nehemetawai beschäftigt haben.

Nehemetawai ist hauptsächlich aus Tempeltexten bekannt. Eine kleine Zahl königlicher Texte nennt ebenfalls diese Göttin. In der Spätzeit und griechisch-römischen Zeit tritt sie des Öfteren auf Denkmälern von Privatleuten in Erscheinung.

Die Belege konzentrieren sich im Neuen Reich vor allem auf Oberägypten, insbesondere Theben und Hermopolis Magna. Ab der Dritten Zwischenzeit ändert sich dieses Bild: Nehemetawai ist neben Hermopolis Magna nun häufig auf unterägyptischen Zeugnissen und solchen, die aus den Oasen stammen, genannt. In der griechisch-römischen Periode zeigt sich Nehemetawai wieder vornehmlich auf oberägyptischen Denkmälern.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Jacques Parlebas: Die Göttin Nehmet-awaj. Hochschulschrift, Mohrstadt/Kehl 1984.
    1. ↑ 6; 10ff.
    2. ↑ 33f., vgl. auch Stele des Nektanebis
    3. ↑ 80f.
    4. ↑ 3
    5. ↑ 95
  2. ↑ Institut Français d'Archéologie Orientale Le Caire: Hermopolis Et Le Nome de L'ibis: Recherches Sur la Province Du Dieu Thot en Basse Egypte. Introduction et inventaire chronologique des sources. Institut Français d' Archéologie Orientale du Caire, 1975 (französisch, Google Books [abgerufen am 29. Mai 2026]).
  3. ↑ Steven Snape: A Temple of Domitian at el-Ashmunein. (englisch, Online [abgerufen am 29. Mai 2026]).
  4. ↑ Patrick Boylan: Thoth, the Hermes of Egypt : a study of some aspects of theological thought in ancient Egypt. London : Milford, 1922 (englisch, Online [abgerufen am 27. Mai 2026]).
  5. ↑ Wolfgang Helck: Lexikon der Ägyptologie. Otto Harrassowitz Verlag, 1975, ISBN 978-3-447-02262-0 (Google Books [abgerufen am 27. Mai 2026]).
  6. ↑ III. BAHRIA OASIS. April-May, 1938 - iDAI.archives (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2026. Suche im Internet Archive)
  7. ↑ b1047118_v3_003. Abgerufen am 27. Mai 2026.
  8. ↑ Res severa verum gaudium: Festschrift für Karl-Theodor Zauzich zum 65. Geburtstag am 8. Juni 2004 (= Studia demotica. Nr. 6). Peeters, Leuven 2004, ISBN 978-90-429-1476-6.

Literatur