
Neige Sinno (* 22. Mai 1977 in Vars, Hautes-Alpes) ist eine französische Schriftstellerin und Übersetzerin.
Sinno wuchs im Arrondissement Briançon in den französischen Alpen auf. Ihr Studium an der Universität der Provence Aix-Marseille I schloss sie 2005 mit einer Dissertation über die Erzählhaltung von Raymond Carver, Richard Ford und Tobias Wolff ab. Sinno lebt seit 2006 in Pátzcuaro im mexikanischen Bundesstaat Michoacán und unterrichtet Interkulturelle Literatur an der Escuela Nacional de Estudios Superiores in Morelia. 2007 erschien ihre Erzählsammlung La vie des rats, 2018 folgte der Roman Le Camion.
Ausgangspunkt ihres autofiktionalen Romans Triste Tigre (2023) war der jahrelange sexuelle Missbrauch durch ihren Stiefvater. Auf der Suche nach erzählerischen Mitteln, über Trauma und Ohnmacht zu berichten, setzte sie sich dabei u. a. mit der Darstellungen von Inzest und Vergewaltigung in den Werken von Christine Angot, Virginie Despentes, Toni Morrison, Vladimir Nabokov, Virginia Woolf auseinander. Ihr intertextueller Zugang wird bereits im Buchtitel deutlich: Triste Tigre verweist auf den Roman Tres tristes tigres (1967) des kubanischen Autors Guillermo Cabrera Infante, was das narrative Exil der Erzählerfigur vorwegnimmt; zugleich erinnert der Titel an Tigre, Tigre! (2012) von Margaux Fragoso, deren Roman ebenfalls von einem vergewaltigten Kind handelt. Triste Tigre erreichte die Finalrunde des Prix Goncourt 2023 und wurde u. a. mit dem Prix Femina, dem Prix Goncourt des lycéens und dem Choix Goncourt de la Suisse ausgezeichnet. Der Missbrauch bleibt in ihrem Schreiben stets präsent; es zeigt sich aber auch, dass die volle Wahrheit ihrer Erfahrungen sprachlich kaum greifbar ist, sodass das Werk auch die unüberwindbaren Grenzen des Verstehens und Verarbeitens eines Traumas aufzeigt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sinno, Neige |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 22. Mai 1977 |
| GEBURTSORT | Vars |