| Neighborit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
IMA 1967 s.p. |
| IMA-Symbol |
Nbo |
| Chemische Formel | NaMgF3 |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Fluoride |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
III/B.05 III/C.03-070 3.AA.35 11.01.01.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorombisch |
| Kristallklasse; Symbol | m3m |
| Raumgruppe | Pbnm (Nr. 62, Stellung 3) |
| Gitterparameter | a = natürlich: 5,352(1) Å; b = natürlich: 5,485(1) Å; c = natürlich: 7,663(2) Å |
| Formeleinheiten | Z = 4 |
| Häufige Kristallflächen | Oktaeder {111}, untergeordnet {100} |
| Zwillingsbildung | komplex, polysynthetisch |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4,5 |
| Dichte (g/cm3) | berechnet: 3,06; gemessen: 3,03(3) |
| Spaltbarkeit | Bitte ergänzen |
| Bruch; Tenazität | uneben |
| Farbe | rosa, cremefarben, farblos |
| Strichfarbe | nicht bestimmt |
| Transparenz | durchscheinend |
| Glanz | Glasglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindex | n = 1,364(2) |
| Doppelbrechung | δ = ca. 0,003 |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | unlöslich in Wasser, langsam löslich in Salzsäure und Salpetersäure |
Das seltene Mineral Neighborit ist ein Fluorid aus der Perowskit-Supergruppe mit der idealen Zusammensetzung NaMgF3. Es kristallisiert mit orthorhombischer Symmetrie und bildet komplex verzwillingte, oktaederförmige oder würfelförmige Kristalle mit Kantenlängen von meist unter einem Millimeter. Die Farbe der glasglänzenden Kristalle reicht von farblos über rosa oder cremefarben bis dunkelbraun.
Die Typlokalität ist ein dolomitischer Ölschiefer der Green River Formation im Uintah County in Utah, USA.
Das synthetische Doppelfluorid NaMgF3 wurde bereits Anfang der 1950er Jahre von W. L. W. Ludekens and A. J. E. Welch am Imperial College London untersucht, zusammen mit einigen weiteren Verbindungen dieses Typs.
Das Mineral Neighborit wurde rund 10 Jahre später von E. C. T. Chao, Howard T. Evans, Jr., Brian J. Skinner & Charles Milton vom United States Geological Survey in Borkernen aus dolomitischen Ölschiefern der Green River Formation in Utah entdeckt. Sie benannten das neue Mineral der Perowskitsupergruppe nach Frank Neighbor, einem Geologen der Sun Oil Company, der die Borkerne aufbewahrt und für die Studie zur Verfügung gestellt hatte.
Von wissenschaftlichen Interesse war das Mineral zuletzt in den 2000er Jahren als Analogmaterial für den Silikat-Perowskit Bridgmanit. Untersucht wurde die Phasenumwandlung von der Perowskitstruktur in eine Post-Perowskitstruktur bei hohen Drucken und Temperaturen, weil diese Umwandlung beim NaMgF3 bei deutlich niedrigeren Drucken erfolgt. So konnten einfacher experimentelle Daten erhoben werden, die Rückschlüsse auf die Mineralogie des Unteren Erdmantels nahe der Kern-Mantel-Grenze erlauben.
Die strukturelle Klassifikation der IMA zählt den Neighborit zur Gruppe der stöchiometrischen Einfachperowskite in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Parascandolait die Neighborit-Untergruppe.
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Neighborit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung „Doppelhalogenide“, wo er gemeinsam mit Chiolith, Hydrokenoralstonit, Prosopit und Weberit in der „Prosopit-Chiolith-Ralstonit-Gruppe“ mit der Systemnummer III/B.05 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/C.03-070. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Doppelhalogenide (meist mit OH, H2O)“, wo Neighborit zusammen mit Carlhintzeit, Chiolith, Hydrokenoralstonit, Karasugit, Prosopit, Rosenbergit, Thermessait, Thermessait-(NH4), Topsøeit, Usovit und Weberit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/C.03 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Neighborit in die Abteilung „Komplexe Halogenide“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten-Aluminofluoride (Ino-Aluminofluoride)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.AA.35 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Neighborit die System- und Mineralnummer 11.01.01.01 . Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Komplexe Halogenide – Aluminiumfluoride“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Komplexe Halogenide - Aluminiumfluoride mit (A)mB(X)3“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 11.01.01.
Neighborit ist das Natriumanalog von Parascandolait und hat die Endgliedzusammensetzung NaMgF3. Die Neighborite aus den meisten Fundorten sind sehr rein und enthalten nur Spuren fremder Elemente wie Calcium, Strontium oder Eisen. Eine Ausnahme bilden die Neighborite aus den Karbonatit-Laven des Ol Doinyo Lengai in Tansania. Der hier beschriebenen Kalium-Neighborit ist ein Mischkristall aus ungefähr gleichen Teilen Neighborit und Parascandolait (KMgF3) und bis zu 14 Mol-% des hypothetischen Barium-Endglieds KBaF3.
Neighborit kristallisiert mit orthorhombischer Symmetrie der Raumgruppe Pbnm (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 3) und den Gitterparametern a=5,352(1) Å, b=5,485(1)Å und c=7,663(2)Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle. Neighborit liegt in der Struktur von Perowskit vor. Natrium (Na+) besetzt die von 12 Fluorionen kuboktaedrisch umgebene A-Position und Magnesium (Mg2+) die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position.
Wie bei vielen anderen orthorhombischen Mineralen der Perowskit-Supergruppe, erhöht sich die Symmetrie von Neighborit mit steigenden Temperaturen. Bei Umgebungsdruck und 760 °C wird Neighborit tetragonal und bei 900 °C erhöht sich die Symmetrie auf kubisch. Andere Untersuchungen zeigen einen direkten Übergang von orthorhombischer zu kubischer Symmetrie bei 765 °C.
Neighborit ist ein seltenes Mineral und wurde bislang (Stand 2026) an rund 20 Fundorten weltweit dokumentiert.
Die Typlokalität ist ein dolomitischer Ölschiefer der Green River Formation im Uintah County in Utah, USA. Aus Borkernen wurden knapp 30 mg Neighborit isoliert, die zusammen mit Burbankit, Nahcolith, Wurtzit, Barytocalcit, Garrelsit, Pyrit, Calcit und Quarz auftraten.
Der Großteil der Fundorte sind Miarolen und Gänge in alkalireichen Magmatiten (Alkaligranite, Pegmatite, Karbonatite) wie z. B. Miarolen des peralkalinen Granits (Ekerit) am Fluss Gjerdingselva bei Lunner in der Provinz Akershus in Norwegen. Hier tritt Neighborit als späte Bildung zusammen mit Orthoklas, Quarz, Aegirin, Rhodochrosit, Zirkon, Fluorit, Gagarinit-(Ce), Monazit–(Ce), Galenit, Sphalerit, Molybdänit, Brookit und Sellait.
Neighborit-Parascandolait-Mischkristalle wurden in den Natroarbonatit-Laven des Ol Doinyo Lengai in Tansania gefunden. Sie treten hier zusammen mit natriumreichen Sylvin, einem Ba-Ca-Sr-Na-Karbonat, Nyerereit, Gregoryit und Apatit auf.