Nephrokalzinose

Klassifikation nach ICD-10
E83.58 Sonstige Störungen des Kalziumstoffwechsels
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Als Nephrokalzinose wird die Ablagerung von Calcium-Salzen im Gewebe der Niere bezeichnet. Die Ablagerung erfolgt im Epithel, im Lumen der Nierenkanälchen und im Zwischengewebe der Niere und führt zu einer chronischen Tubulointerstitiellen Nephritis. Diese fällt klinisch häufig erst durch die begleitende Bildung von Harnsteinen mit Nierenkoliken oder durch eine Chronische Niereninsuffizienz auf.

Vorkommen

Die Häufigkeit ist nicht bekannt.

Ursachen

Ursachen können ein gestörter Calciumstoffwechsel, „Verkalkung“ eines vorgeschädigten Nierengewebes oder Ablagerungen im Rahmen von Amyloidose oder Plasmozytom, auch Milch-Alkali-Syndrom sein sowie eine länger andauernde Hyperphosphaturie.

Einteilung

Unterschieden werden können:

Nach der Lokalisation im Nierengewebe kann unterschieden werden:

Nephrokalzinose, ringförmig (sonographischer Grad I) bei einem 10-Jährigen
Medulläre Nephrokalzinose in der Sonografie (Grad II)

Diagnostik

Sofern keine Nierenkoliken und keine Niereninsuffizienz vorliegen, handelt es sich oft um einen Zufallsbefund. Die Sonografie im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchung ist ein äußerst empfindliches Nachweisverfahren. Der Schweregrad der Veränderungen kann sonografisch unterteilt werden:

Im Röntgenbild können später erst Verkalkungen nachgewiesen werden.

Therapie

Die Behandlung richtet sich zunächst gegen die Hyperkalzämie durch Erhöhung des Harndurchflusses (Diurese), ggf. Bisphosphonate oder Kalzitonin und dann gegen die zugrunde liegende Ursache.

Geschichte

Historische Bezeichnungen sind englisch Albright's calcinosis; Anderson-Carr kidney nach Fuller Albright sowie dem US-amerikanischen Chirurgen L. F. Anderson und dem britischen Radiologen Reginald J. Carr.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ M.-A. Jaccottet: Zur Histologie und Pathogenese der Nierenverkalkung (Nephrocalcinose und dystrophische Kalknephrose). In: Virchows Archiv. 332. Jahrgang, Nr. 3, Mai 1959, S. 245–263, doi:10.1007/BF00955935.
  2. 1 2 Ch. Morath, E. Ritz, K. Andrassy: Nephrokalzinose. In: H. Greten, F. Rinninger, T. Greten (Hrsg.): Innere Medizin. 13. Auflage. Thieme, Stuttgart 2010; thieme.de
  3. 1 2 3 Pschyrembel online
  4. 1 2 3 A. Sigel, R.-H. Ringert (Hrsg.): Kinderurologie. 2. Auflage. Springer, Berlin 2001, ISBN 3-662-08081-8 (Print), ISBN 978-3-662-08080-1 (E-Book), S. 257 ff.
  5. 1 2 G. Staatz, G. Alzen: Nephrokalzinose. In: G. Benz-Bohm (Hrsg.in): Kinderradiologie. 2. Auflage. 2005; doi:10.1055/b-004-133337, Benz-Bohm Kinderradiologie. thieme.de
  6. ↑ K. Ebel, E. Willich, E. Richter (Hrsg.): Differentialdiagnostik in der Pädiatrischen Radiologie. Band II. Thieme, 1995, ISBN 3-13-128101-4, S. 393.
  7. ↑ L. Anderson, J. R. McDonald: The origin, frequency, and significance of microscopic calculi in the kidney. In: Surgery, gynecology & obstetrics, März 1946, Band 82, S. 275–282; PMID 21014137.
  8. ↑ R. J. Carr: A new theory on the formation of renal calculi. In: British journal of urology, Juni 1954, Band 26, Nummer 2, S. 105–117; doi:10.1111/j.1464-410x.1954.tb06073.x, PMID 13172454.