| Nowa Sól | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Lebus | |
| Powiat: | Nowa Sól | |
| Fläche: | 21,56 km² | |
| Geographische Lage: | 51° 48′ N, 15° 43′ O | |
| Höhe: | 65 m n.p.m. | |
| Einwohner: | 36.040 (1. Jan. 2024) | |
| Postleitzahl: | 67-100 bis 67-103 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 68 | |
| Kfz-Kennzeichen: | FNW | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | DK3 Świnoujście–Stettin ↔ Legnica–Jakuszyce | |
| Eisenbahn: | Breslau–Stettin | |
| Wolsztyn–Żagań | ||
| Nächster int. Flughafen: | Posen | |
| Gmina | ||
| Gminatyp: | Stadtgemeinde | |
| Fläche: | 21,56 km² | |
| Einwohner: | 36.040 (1. Jan. 2024) | |
| Bevölkerungsdichte: | 1672 Einw./km² | |
| Gemeindenummer (GUS): | 0804011 | |
| Verwaltung (Stand: 2024) | ||
| Bürgermeister: | Beata Kulczycka | |
| Adresse: | ul. Piłsudkiego 12 67-100 Nowa Sól | |
| Webpräsenz: | www.nowasol.pl | |

Nowa Sól [], deutsch Neusalz an der Oder, ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist Kreisstadt des Powiat Nowosolski (Kreis Neusalz an der Oder). Die ehemals eigenständige Gemeinde Stare Żabno wurde 1961 in die Stadt eingemeindet.
Die Stadt liegt in Niederschlesien am linken Ufer der Oder, südlich der Einmündung des Landgrabens oder der Schwarze (poln. Czarna Struga), eines linken Nebenflusses der Oder, etwa 28 Kilometer nordwestlich von Glogau und zwanzig Kilometer südsüdöstlich von Zielona Góra (Grünberg in Schlesien).

Die erste Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Nowa Sól befand sich im 14. Jahrhundert unter böhmischer Herrschaft.
1563 entstand an der alten Oder das Kammergut Zum Neuen Saltze mit einem bedeutenden Siedewerk. Damit wollte Kaiser Ferdinand I. die Versorgung Schlesiens mit Meersalz aus La Rochelle und Spanien, welches über Hamburg und Stettin auf der Oder bis zum Ende der Schiffbarkeit transportiert wurde, gewährleisten und die Salzeinfuhr aus Polen damit eindämmen.
1573 wurde nach dem Oderhochwasser ein neues Siedewerk bei dem Dorf Modritz (Modrzyca) errichtet. Das zugehörige Salzamtmannshaus stand am Platz des heutigen Rathauses. Etwa 1585 wurde das erste Mal in Dokumenten der Ort als Neusalzburg und später als Neusalz erwähnt. Um den Handel zu erleichtern, wurde 1592 ein Hafen an der Oder errichtet. Das Aufkommen holländischer und englischer Konkurrenz im Ostseehandel führte seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zu Schwierigkeiten bei der Belieferung mit Rohsalzen. Die Salzproduktion wurde immer unrentabler. Neben den Salzzöllen des Kurfürstentums Brandenburg war es vor allem der Dreißigjährige Krieg, der das Werk darniedergehen ließ. Später erholte sich das Siedewerk wieder etwas, konnte sich allerdings gegen die Salinensalze aus Brandenburg und Polen nicht mehr behaupten. Als 1710 die Schweden die Meersalzeinfuhr über Stettin abschnitten, erfolgte die endgültige Einstellung der Salzproduktion. 1713 erfolgte die Umstellung des ehemaligen Siedewerks zur Faktorei für Salz der Salinen in Halle und bei Magdeburg.
Eine evangelische Kirche wurde 1597 errichtet. 1662 wurde eine Poststation errichtet.
Mit dem Vorfrieden von Breslau 1742 wurde Neusalz preußisch. Am 8. Oktober 1743 erteilte der preußische König Friedrich der Große Neusalz das Stadtrecht und ließ einen Plan zur weiteren Entwicklung des Ortes erstellen. Der Steinsalzimport mit Kähnen von Stettin bis Neusalz und der Weitertransport per Land wurde wieder aufgenommen. Dies führte zu einer Belebung des Ortes und der Ansiedlung von Siedlern, u. a. aus Mähren. 1743 lebten 800 Menschen in Neusalz. Die Herrnhuter Brüdergemeine erhielt am 13. Mai 1743 die Erlaubnis zur Errichtung einer Kolonie südöstlich der Stadt. Henrik Gerner, ein ehemaliger Stiftprobst aus Kopenhagen wurde berufen, 1747 nahm er hier eine Stelle als Verwalter des lutherischen Tropus und eines Inspektors der evangelischen Brudergemeinen in Schlesien an und übte es bis 1754 aus. Er vertrat hier die Erweckung, ging aber 1754 wieder nach Dänemark zurück. Unter Ernst Julius von Seydlitz entstand ein Gemeindezentrum mit zahlreichen Gewerbebetrieben.
Am 24. September 1759 fielen nach der Schlacht bei Kunersdorf russische Truppen in Neusalz ein, plünderten und zerstörten Teile der Stadt. Die Herrnhuter Siedlung brannte vollständig nieder. 1765 entstand die ersten Manufaktur für Leinenproduktion in Neusalz. Auch der Laden der Brüdergemeine wurde wiedereröffnet, aus ihm entstand später das Speditions-, Handels- und Bankhaus Meyerotto.
Am 3. Februar 1767 wurde die Schmiede- Schlosser- Stellmacher- und Sattler-Innung zu Neusalz a. O. gegründet.
1816 entstand aus der Weberei der Brüdergemeine die Textilfabrik von Johann David Gruschwitz (später J. D. Gruschwitz & Söhne oHG, ab 1906 Gruschwitz Textilwerke AG), der lange Zeit größte Arbeitgeber in der Stadt. Die erste Eisenhütte wurde 1827 vom Aktienverein Eisenhütte Neusalz in Betrieb genommen. 1853 kam die Paulinenhütte hinzu. In der Umgebung der Stadt zwischen den Flüssen Czarna Struga und Śląska Ochla (Ochel) lagerte genügend Raseneisenerz. Vor allem die Produktion von Emaillegeschirr wurde zum Schwerpunkt der Hütten und Gießereien. Dadurch entstanden große Exportbetriebe, die auch nach der Einstellung aller Hochöfen zwischen 1877 und 1880 immer weiteren Zuwachs erzielten.
Der Oderhafen wurde 1831 ausgebaut. Die Borstenzurichterei als Zulieferhandwerk für die Fertigung von Pinseln und Bürsten wurde 1850 ansässig. 1870 wurde an Stelle der Oderfähre eine Holzbrücke errichtet, die dem Ort zu einer besseren Verbindung nach Posen verhalf. An ihrer Stelle entstand 1932 eine Eisenbetonbrücke.

Neusalz als der nördlichste Stapelplatz Schlesiens verlor beim Bau der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn von Berlin nach Breslau ab 1846 viel von seiner Bedeutung, da die Eisenbahn an Neusalz weiträumig vorbeifuhr. Erst 1871 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen und erhielt eine Verbindung nach Stettin und Berlin. 1892 übernahm die Meyerotto-Bank die Leimfabrik und entwickelte sie zu einem bedeutenden Betrieb. 1897 wurde der Oderhafen erneut vergrößert, später entstand ein Dammsystem an der Oder, um schwere Hochwasserschäden wie die von 1592, 1736, 1854 und 1903 künftig zu vermeiden. Um 1900 hatte Neusalz drei evangelische Kirchen (eine davon der Herrnhutergemeinde gehörig), eine katholische Kirche, ein Privatprogymnasium, ein Waisenhaus, ein Amtsgericht und eine Reihe unterschiedlicher Fabrikationsbetriebe und Produktionsstätten. Um 1910 bestanden an Bildungseinrichtungen ein Progymnasium, zwei Höhere Mädchenschulen sowie eine gewerbliche und kaufmännische Fortbildungsschule.
1930 zählte die Stadt im Landkreis Freystadt 16.500 Einwohner. Um 1935 hatte Neusalz u. a. fünf Hotels, 16 Gasthöfe und Restaurants, vier Cafés, zwei Weinstuben, sechs Bankhäuser und Sparkassen, zwei Bierbrauereien, eine Bindfadenfabrik, vier Borstenzurichtereien, vier Buchdruckereien, eine Dachpappenfabrik, fünf Destillationen und Likörfabriken, eine Drahtgeflechtfabrik, zwei Eisengießereien, zwei Emaillierwerke, zwei Dutzend Fischereien, eine Fleisch- und Wurstwarenfabrik, drei Holzsägewerke, zwei Holzwarenfabriken, eine Kartonagenfabrik, zwei Landmaschinenfabriken, eine Leimfabrik, drei Limonadefabriken, eine Lithographische Anstalt, zwei Maschinenfabriken, eine Möbelfabrik, zwei Molkereien, zwei Mühlen, eine Nähfadenfabrik, eine Ofenfabrik, eine Ölmühle, zwei Pumpenfabriken, eine Schiffswerft, eine Seifen- und Seifenpulverfabrik, drei Strumpfwarenfabrik, drei Viehhandlungen, zwei Zeitungsverlage, eine Zwirnfabrik und zahlreiche Handelsgeschäfte, Großhändler, Dienstleiter sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.
1932 schuf Herbert Wegehaupt für das Gymnasium der Stadt ein Wandbild.
Während des Zweiten Weltkriegs entstand ein Arbeitslager für Juden, später errichteten die Gruschwitz Textilwerke eine Außenstelle des KZ Groß-Rosen.
Am 14. Februar 1945 erreichte die Rote Armee Neusalz, zuvor hatten deutsche Truppen am 9. Februar die Oderbrücke gesprengt. In der Stadt entstanden bei den Kämpfen größere Schäden.
Nach Kriegsende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde Neusalz zusammen mit fast ganz Schlesien von der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zu Verwaltung überlassen, die deutsche Bevölkerung von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Neusalz vertrieben. Die Stadt wurde zu einem bedeutenden Industriestandort in Polen ausgebaut und übernahm seit 1950 an Stelle von Kożuchów (Freystadt) die Funktion des Verwaltungszentrums der Region.
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1764 | 882 | in 108 Häusern |
| 1789 | 1503 | mit 182 Wohn- und 16 öffentlichen Gebäuden |
| 1803 | 1703 | Stadt |
| 1810 | 1633 | |
| 1816 | 2036 | davon 1697 Evangelische, 325 Katholiken und 14 Juden |
| 1821 | 2089 | Stadt mit 209 Privatwohnhäusern sowie 18 Fabriken, Mühlen und Magazinen; mit einer Herrnhutergemeinde, Schiffbau und Schiffahrt |
| 1825 | 2211 | darunter 278 Katholiken und zwölf Juden; Stadt mit einer 1745 erbauten evangelischen Mutterkirche |
| 1840 | 3000 | davon 2483 Evangelische (inkl. 220 Mitglieder der Herrnhutergemeinde), 487 Katholiken und 30 Juden; 220 Privatwohnhäuser und 16 öffentliche Gebäude |
| 1852 | 3899 | am Jahresende |
| 1867 | 5063 | am 3. Dezember |
| 1871 | 5523 | am 1. Dezember, davon 4052 Evangelische, 1131 Katholiken, 269 sonstige Christen und 71 Juden |
| 1880 | 9073 | davon 6856 Evangelische, 1897 Katholiken und 85 Juden |
| 1905 | 13.022 | davon 2926 Katholiken und 65 Juden |
| 1910 | 13.474 | davon 10.126 Evangelische, 3178 Katholiken und 71 Juden; Stadt mit drei evangelischen und einer katholischen Kirche |
| 1925 | 14.166 | davon 10.957 Evangelische, 3019 Katholiken, 19 sonstige Christen und 46 Juden |
| 1933 | 16.463 | davon 12.515 Evangelische, 3282 Katholiken, zwei sonstige Christen und 52 Juden |
| 1939 | 17.113 | davon 13.192 Evangelische, 3358 Katholiken, 69 sonstige Christen und neun Juden |
| Jahr | 2004 | 2020 |
|---|---|---|
| Einwohner | 39.258 | 39.098 |

Der Bahnhof Nowa Sól wird von den Eisenbahnstrecken Wrocław–Szczecin und Wolsztyn–Żagan bedient.
Die Landgemeinde, zu der die Stadt Nowa Sól selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 176,21 km², auf der (Stand: 1. Januar 2024) 7328 Menschen leben.