


Das Newgate-Gefängnis (engl.: Newgate Prison) in London galt als eine der berüchtigtsten Haftanstalten in der Geschichte Englands. Es bestand über siebenhundert Jahre und wurde 1904 abgerissen.
Das Gefängnis wurde 1188 beim Stadttor Newgate im Auftrag von König Heinrich II. errichtet und 1236 erheblich vergrößert. Es diente verschiedenen Zwecken, so auch zur Inhaftierung von Verurteilten, die auf den Vollzug der Todesstrafe warteten. Dabei war die Ausbruchsicherheit nicht immer gewährleistet. 1255 gelang es dem Häftling John Offrem, welcher wegen Mordes an einem Prior einsaß, zu fliehen. König Heinrich III. war darüber so erbost, dass er die verantwortlichen Sheriffs in den Tower werfen ließ und über die Stadt eine Strafe von 3.000 Mark (etwa 4.000 Pfund Sterling) verhängte. Dem Räuber Jack Sheppard gelang es, dreimal aus Newgate zu entweichen, bevor er 1724 den Gang zum Galgen antreten musste.
Das alte Gefängnis wurde schließlich abgerissen, damit zwischen 1770 und 1778 ein neues mit einer abschreckenden Fassade aus roh behauenem Mauerwerk – entworfen vom Architekten George Dance d. J. (1741–1825) – errichtet werden konnte. Bereits im Jahr 1780 wurde es jedoch schon während der Gordon-Unruhen von Aufständischen angegriffen und in Brand gesteckt. Viele Gefangene starben in den Flammen, und etwa 300 konnten zeitweilig entfliehen. Zwei Jahre später wurde Newgate wieder umgebaut.
1783 wurden die Londoner Galgen von Tyburn zum Außengelände von Newgate verbracht. Das Spektakel der Hinrichtungen zog stets große Zuschauermassen an.
Die Sozialreformerin Elizabeth Fry (1780–1845) protestierte ab 1813 gegen die unmenschlichen Haftbedingungen in Newgate und forderte Verbesserungen, die allerdings nur sehr allmählich durchgesetzt werden konnten. Erst 1858 wurde das Innere mit einzelnen Zellen ausgestattet.
Ab 1868 wurden Hinrichtungen innerhalb der Gefängnismauern von Newgate durchgeführt. 1902 wurde das Gefängnis geschlossen und 1904 abgerissen. Heute steht auf dem Grundstück der Strafgerichtshof Old Bailey.
Seit dem frühen 18. Jahrhundert sind zahlreiche Veröffentlichungen erschienen, die unter dem Vorwand moralischer Belehrung und pädagogischer Ermahnung die Fälle von Newgate-Häftlingen – vielfach bis zu ihrer Hinrichtung – dem breiten Publikum darboten. Diese mit makaberen Details garnierten Sensationsberichte erzielten schon um 1750 in England Bestseller-Auflagen, die nur von der Bibel überflügelt werden konnten. Die beliebten Bücher, die sich als Chroniken oder Kalender bezeichneten, warben im Untertitel mit Schlagworten wie z. B. Malefactors’ Bloody Register (dt. „Der Missetäter blutiges Verzeichnis“) oder Villainy Display’d in all its Branches (dt. „Schurkereien, dargestellt in all ihren Abarten“) und werden heute alle zusammen unter dem Literaturbegriff The Newgate Calendar bzw. Newgate-Roman zusammengefasst.
Das Newgate-Gefängnis spielt außerdem in einigen Romanen der Weltliteratur eine düstere Rolle, so z. B. in Daniel Defoes Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders (1722), in Charles Dickens Werken Oliver Twist (1839), Barnaby Rudge (1841) und Große Erwartungen (1861) sowie in Michael Crichtons Roman The Great Train Robbery (1975). In der Roman-Reihe Abby Lynn von Rainer M. Schröder wird die Protagonistin Abby zeitweise in Newgate inhaftiert, auch in den Büchern von Rebecca Gablé werden immer wieder Protagonisten für eine begrenzte Zeit im Newgate eingesperrt.
Der Spielfilm Der große Eisenbahnraub beinhaltet eine Flucht aus Newgate. Newgate spielt ebenfalls im Spielfilm V wie Vendetta eine Rolle.
Koordinaten: 51° 30′ 57″ N, 0° 6′ 7″ W