
Nils Goldschmidt (* 1970 in Höxter) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Theologe.
Goldschmidt ist Direktor des Weltethos-Instituts an der Universität Tübingen und Professor für Kontextuale Ökonomik und ökonomische Bildung an der Universität Siegen. Er ist seit 2014 Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e. V. in Tübingen. Im Oktober 2024 wurde er in den Deutschen Ethikrat berufen, seit Oktober 2026 leitet er die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk, eines der 13 staatlich finanzierten Begabtenförderungswerke in Deutschland.
Nils Goldschmidt studierte von 1990 bis 1997 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Theologie und Wirtschaftswissenschaften. Beide Fächer schloss er mit dem Diplom ab. 2001 wurde er in Freiburg zum Dr. rer. pol. promoviert. Von April 2002 bis 2008 arbeitete Nils Goldschmidt als Forschungsreferent am Walter Eucken Institut in Freiburg. 2008 folgte die Habilitation und Venia Legendi für Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Von 2008 bis 2010 hatte er eine Vertretungsprofessur für Sozialpolitik und Organisation Sozialer Dienstleistungen an der Universität der Bundeswehr München inne. Von 2009 bis 2013 war er zugleich Lehrbeauftragter im Lehrbereich Wirtschaft und Gesellschaft an der Hochschule für Politik München. Im Wintersemester 2009/10 übernahm Nils Goldschmidt eine Gastprofessur an der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt für das Fach Christliche Sozialethik und Gesellschaftspolitik. Von 2010 bis 2013 war er Professor im Lehrgebiet Sozialpolitik und Sozialverwaltung an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München.
Seit März 2013 ist er Professor für Kontextuale Ökonomik und ökonomische Bildung an der Universität Siegen, von 2015 bis 2024 war er Direktor des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung. 2025 wurde er zum Direktor des Weltethos-Instituts in Tübingen berufen. 2019/20 forschte er als Gastprofessor an der Roosevelt University in Chicago.
In seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt sich Goldschmidt u. a. mit Fragen der Wirtschaftsethik, der Geschichte und Methodologie des ökonomischen Denkens, der ökonomischen Bildung und Sozialpolitik.
Goldschmidt hat für eine Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft als Gesellschaftsordnung plädiert. Dabei sieht er die Notwendigkeit eines ethischen Fundaments: „Wir wissen zu wenig über Wirtschaftsethik. Wir sind in vielen Dingen zwar formal gut ausgebildet, aber letztlich nicht immer sprachfähig“. Er warb 2017 für eine Stärkung der ökonomischen Bildung auf ordnungspolitischer Grundlage.
In seinem Buch „Gekippt“ von 2021 thematisierte er das Phänomen der Kippmomente (Tipping-Point) in Wirtschaft und Gesellschaft. Er widersprach der These, radikale Probleme bräuchten radikale Lösungen und forderte eine „Politik der Behutsamkeit“.
2023 erschien sein mit Stefan Kolev verfasstes Buch „75 Jahre Soziale Marktwirtschaft in 7,5 Kapiteln“.
2024 war er Mitautor einer empirischen Studie zu Wirtschafts-Schulbüchern. Diese fand viel mediale Beachtung.
2025 war er Mitautor des Buches „Gerechtigkeit. Wie wir unsere Gesellschaft zusammenhalten“, für das er Interviews mit zahlreichen Persönlichkeiten aus Öffentlichkeit und Wissenschaft führte, u. a. Martha Nussbaum, Francis Fukuyama, Paul Milgrom, Christiane Nüsslein-Volhard und Carlo Masala.
Ende 2025 äußerte er sich zu der Frage, ob und wie zum Beispiel Unternehmen und Unternehmensverbände mit der AfD sprechen sollten. Er sagte unter anderem:
Er riet zum Diskursabbruch, wo zu erwarten ist, dass es um grundsätzliche oder ideologische Positionen gehen wird. In einem Unternehmen oder auf kommunaler Ebene sei das anders – „Alltägliches muss man alltäglich behandeln“.
Goldschmidt erhielt 1995 den Bernhard-Welte-Preis von der Theologischen Fakultät, Universität Freiburg den Bernhard-Welte-Preis.
2002 wurde ihm der Constantin-von-Dietze-Preis der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Universität Freiburg verliehen.
Er wurde 2016 Berater der Kommission VI für gesellschaftliche und soziale Fragen (VI) der Deutschen Bischofskonferenz und 2012 in deren 'Arbeitsgruppe für soziale Fragen' berufen.
Er wurde 2010 zum wissenschaftlichen Betreuer im Promotionskolleg „Soziale Marktwirtschaft“ der Konrad-Adenauer-Stiftung ernannt.
Goldschmidt ist Vorsitzender des Kuratoriums des Ludwig Erhard Forums, Berlin, Vorsitzender des Beirats des Roman Herzog Instituts, München, Mitglied im Vorstand der Görres-Gesellschaft, Bonn, Mitglied im Forschungsbeirats des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Köln und Affiliated Fellow am Walter Eucken Institut, Freiburg. Von 2020 bis 2026 war er stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ökonomische Bildung.
Zum 10. Oktober 2024 wurde Nils Goldschmidt in den Deutschen Ethikrat berufen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Goldschmidt, Nils |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ordnungsökonom |
| GEBURTSDATUM | 1970 |
| GEBURTSORT | Höxter |