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| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Freiname | Nintedanib | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C31H33N5O4 | |||||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
gelber Feststoff | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse | ||||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | ||||||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
253 °C | |||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
löslich in DMSO | |||||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
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| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Nintedanib ist ein Wirkstoff, der die Bildung neuer Blutgefäße bei der Versorgung von Tumoren (Tumorangiogenese) hemmt. Er wirkt als Tyrosinkinase-Inhibitor und Angiokinasehemmer, der die Rezeptoren für den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), den Fibroblasten-Wachstumsfaktor (FGF) und den Platelet-Derived Growth Factor (PDGF) blockiert. Nintedanib wurde bei Boehringer Ingelheim entwickelt und 2004 zum Patent angemeldet.
Nintedanib ist eine niedermolekulare Verbindung und wirksam gegen Bronchialkarzinome und Lungenfibrosen. Es ist oral wirksam und wird eingenommen (z. B. als Kapsel).
Das Ethansulfonsäuresalz des Nintedanibs (Nintedanibesilat) ist ein gelber, kristalliner Feststoff mit einem Schmelzpunkt von 244 bis 251 °C, das in Wasser sehr schlecht und in DMSO wenig löslich (25 g·l−1) ist.
Die EU-weite Arzneimittelzulassung zur Behandlung des fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) in Kombination mit Docetaxel wurde im November 2014 und zur Behandlung der idiopathischen pulmonalen Fibrose im Januar 2015 erteilt.
Liegt eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vor, darf das Arzneimittel nicht angewendet werden.
Nintedanib verursacht eine schwache Inhibition von OCT-1, BCRP und P-gp, dies ist klinisch jedoch kaum relevant. Als Substrat des P-gp kann der Plasmaspiegel des Nintedanib jedoch durch gleichzeitige Gabe von starken P-gp-Inhibitoren wie z. B. Ketoconazol oder Erythromycin erhöht werden, sodass je nach Verträglichkeit eine Dosisreduktion erwogen werden muss. Die gleichzeitige Gabe von starken P-gp-Induktoren wie z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin und Johanniskraut verringert die Plasmakonzentration des Nintedanibs. Hier empfiehlt sich eine sorgfältige Prüfung des Nutzens einer gleichzeitigen Einnahme. Durch den Arzneistoff oder seine Metabolite tritt keine Inhibition oder Induktion von CYP-Enzymen auf.
Nintedanib ist teratogen, fetotoxisch und milchgängig. Es darf während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden darf. Frauen im gebärfähigen Alter sollten bei Behandlung mit diesem Arzneistoff eine konsequente Empfängnisverhütung anwenden bzw. im Falle einer Schwangerschaft mit dem Arzt eine Nutzenabwägung der Behandlung mit Nintedanib durchführen. Das Stillen soll während der Behandlung mit Nintedanib unterbrochen werden.
Die Wirksamkeit und Sicherheit des Arzneimittels bei älteren Patienten (über 65 Jahre) unterscheiden sich nicht im Vergleich mit Patienten mittleren Alters. Die Anfangsdosis muss nicht reduziert werden.
Da der Arzneistoff nur zu einem sehr geringen Teil (weniger als 1 %) über die Niere ausgeschieden wird, ist keine Dosisanpassung bei leichter bis mittelschwerer Niereninsuffizienz erforderlich.
Nintedanib wird hauptsächlich biliär/fäkal ausgeschieden, jedoch ist bei Patienten mit leichter Leberinsuffizienz (Child Pugh A) keine Dosisanpassung nötig, eine engmaschige Überwachung der Leberwerte wird dennoch empfohlen. Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Leberinsuffizienz (Child Pugh B bzw. C) sollten nicht mit dem Arzneistoff behandelt werden.
Durch Rauchen verringert sich die Plasmakonzentration des Arzneistoffs um 21 %. Patienten sollten dazu angehalten werden, während der Therapie auf das Rauchen zu verzichten.
Sehr häufige unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW, Nebenwirkungen) sind:
Häufige UAW sind:
Nintedanib ist ein niedermolekularer Rezeptor-Tyrosinkinase-Inhibitor. Der Arzneistoff blockiert die vaskulären endothelialen Wachstumsfaktorrezeptoren (vascular endothelial growth factor receptor, VEGFR) 1 bis 3, die Kinaseaktivität von Fibroblasten-Wachstumsfaktorrezeptoren (fibroblast growth factor receptor, FGFR) 1 bis 3 und die von Thrombozyten abgeleiteten Wachstumsfaktorrezeptoren (platelet-derived growth factor receptor, PDGFR) α und ß. Man bezeichnet ihn deshalb auch als 3-fach zielgerichteten Angiokinase-Hemmer. Des Weiteren werden durch Nintedanib die nicht-Rezeptor-Tyrosinkinasen (nRTKs) lymphozytenspezifische Tyrosinproteinkinase (Lck), Fms-artige Tyrosinproteinkinase (Flt) 3 und proto-onkogene Tyrosinproteinkinase (Src) inhibiert. Durch die kompetitive Bindung des Nintedanibs an die Bindungstasche der oben genannten Rezeptoren für Adenosintriphosphat wird die intrazelluläre Signalübertragung und damit die Proliferation und das Überleben von Endothelzellen sowie perivaskulären Zellen (Perizyten und vaskuläre glatte Muskelzellen) entscheidend beeinflusst.
Bedeutung für die Behandlung
Nintedanib wirkt direkt „antitumorös“ durch Hemmung der Blutversorgung des Tumors, unterbindet aber auch weitere Escape-Mechanismen durch simultane Inhibition mehrerer Rezeptorklassen. Außerdem wird durch Hemmung der Tumorangiogenese eine Normalisierung der Gefäßstruktur bewirkt und damit bessere Erreichbarkeit des Tumors für andere Chemotherapeutika gewährleistet.
Fibroblasten sind für den bei IPF charakteristischen narbigen Umbau der Lunge verantwortlich. Durch Hemmung der Signaltransduktion der Wachstumsfaktoren VEGF, FGF und PDGF wird Einfluss auf die Proliferation, Migration und Transformation von Fibroblasten genommen und damit die weitere Vernarbung der Lunge vermindert.
Es gibt Hinweise, dass Nintedanib die Verschlechterung der Lungenfunktion bei systemischer Sklerose verlangsamt.
Bei der Einnahme zu einer Mahlzeit ist die aufgenommene Nintedanib-Menge etwa 20 % höher als im Nüchternzustand.
Nintedanib ist teratogen, fetotoxisch und milchgängig. Die akute letale Dosis beläuft sich bei Ratten und Mäusen bei oraler Aufnahme auf mehr als 2000 mg/kg. Bei wiederholter Exposition über 13 Wochen erweisen sich 3 mg/kg Körpergewicht oral bei Affen als tödlich. Der Ames-Test an Salmonella typhimurium ist negativ, sodass keine Mutagenität vorliegt.
Nintedanib weist eine (E-/Z)-Isomerie zwischen C20 und C21 auf, wobei das (Z)-Isomer als Arzneistoff Anwendung findet. Das Molekül hat keine Stereozentren.
Der Indol-Stickstoff ist schwach sauer. Die basischste Stelle findet sich am tertiären (methylierten) Stickstoff des Piperazin-Rests.
Die Synthese von Nintedanib erfolgt in mehreren Stufen:
1. Stufe:

Zunächst wird 3-Nitrobenzoesäure (1) mit Methanol zu 3-Nitrobenzoesäuremethylester (2) verestert und anschließend mit Chloressigsäuremethylester über eine elektrophile Substitution am Aromaten zu 4-Methoxycarbonyl-methyl-3-nitrobenzoesäuremethylester (3) umgesetzt. Die reduktive Cyclisierung (intramolekulare Amidierung) liefert 6-Methoxycarbonyl-2-oxindol (4).
2. Stufe:

Das 6-Methoxycarbonyl-2-oxindol (4) aus Stufe 1 wird mit Chloressigsäureanhydrid N-alkyliert (SN2-Reaktion) zum Methyl-1-(chloracetyl)-2-oxoindolin-6-carboxylat (5), einem Chlorimid. Dessen Reaktion mit Trimethylorthobenzoat liefert Methyl-1-(chloracetyl)-3-[methoxy(phenyl)methylen]-2-oxoindolin-6-carboxylat (6). Dieser Reaktion liegt die Hydrolyse des Trimethylorthobenzoat unter Bildung eines Diacylcarbeniumions zugrunde, einem Elektrophil, das (5) am Indolstrukturelement in Position 3 angreift und wobei ein „Methanol-Fänger“ wie Essigsäureanhydrid den Reaktionsablauf vermittelt.
Die anschließende basenkatalysierte Dechloracetylierung von Methyl-1-(chloracetyl)-3-[methoxy(phenyl)methylen]-2-oxoindolin-6-carboxylat wird in protischen Lösungsmitteln wie Alkoholen (vorzugsweise Methanol) durchgeführt; es entsteht Methyl-3-[methoxy(phenyl)methylen]-2-oxoindolin-6-carboxylat (7).
3. Stufe:

Die Umsetzung von N-Methyl-4-nitroanilin (8) mit Chloressigsäureanhydrid oder einer anderen geeigneten Chloressigsäureverbindung in aprotischen Lösungsmitteln wie etwa Ethylacetat liefert das N-(4-Nitroanilin)-N-methyl-2-chlor-acetamid (9). Durch Reaktion mit 1-Methylpiperazin erhält man im Weiteren das N-(4-Nitrophenyl)-N-methyl-2-(4-Methylpiperazin-1-yl)-acetamid (10) und durch anschließende katalytische Hydrierung (z. B. Palladium auf Holzkohle) unter Druck das anilinische N-(4-Aminophenyl)-N-methyl-2-(4-methylpiperazin-1-yl)acetamid (11).
4. Stufe:

Die vierte Stufe ist die Herstellung des Endproduktes aus den aus den Stufen 2 und 3 erhaltenen Intermediaten Methyl-3-[methoxy(phenyl)methylen]-2-oxoindolin-6-carboxylat (7) und N-(4-Aminophenyl)-N-methyl-2-(4-Methylpiperazin-1-yl)acetamid (11). Diese Reaktion ist stereospezifisch in Bezug auf die Z- und E-Isomere und liefert die Z-Isoform. Dieser letzte Syntheseschritt wird in protischen Lösungsmitteln, also Alkoholen wie Ethanol oder Methanol oder in aromatischen Lösungsmitteln wie Toluol oder aber in Gemischen dieser Lösungsmittel mit stark polaren Lösungsmitteln wie N,N-Dimethylacetamid oder N,N-Dimethylformamid und bei einer Temperatur von nicht weniger als 50 °C durchgeführt. Nach Waschen und Trocknen kann das Nintedanib (3-Z-[1-(4-(N-((4-Methyl-piperazin-1-yl)-methylcarbonyl)-N-methyl-amino)anilino)-1-phenyl-methylen]-6-methoxycarbonyl-2-indolinon) (12) in Form gelber Kristalle isoliert werden.
δ: 11,00 (s, 1 H, 23-H); 12,23 (s, 19-H); 7,61 (t; J = 7,1 Hz, 1 H, 33-H); 7,57 (t, J = 7,5 Hz, 2 H, 32-H + 34-H); 7,50 (d, J = 7,7 Hz, 2 H, 31-H + 35-H); 7,43 (d, J = 1,6 Hz, 1 H, 29-H); 7,20 (dd, J = 8,3; 1,6 Hz, 1 H, 27-H); 7,13 (d, J = 8,3 Hz, 2 H, 14-H + 18-H); 6,89 (d, 8,3 Hz, 2 H, 15-H + 17-H); 5,84 (d, J = 8,3 Hz, 1 H, 26-H); 3,77 (s, 3 H, 40-H3); 3,06 (m, 3 H, 12-H3); 2,70 (m, 2 H, 8-H2); 2,19 (m, 8 H, 2-H2, 3-H2, 5-H2, 6-H2); 2,11 (s, 3 H, 7-H3)
δ: 54,5 (C-2 + C-6); 52,2 (C-3 + C-5); 45,6 (C-7); 59,1 (C-8); 168,5 (C-9); 36,6 (C-12); 140,1 (C-13); 127,6 (C-14 + C-18); 123,8 (C-17 + C-15); 137,0 (C-16); 158,3 (C-20); 97,5 (C-21 ); 170,1 (C-22); 136,2 (C-24); 128,9 (C-25); 117,2 (C-26); 121,4 (C-27); 124,0(C-28); 109,4 (C-29); 131,9 (C-30); 128,4 (C-31 + C-35); 129,4 (C-32 + C-34); 130,4 (C-33); 166,3 (C-37); 51,7 (C-40)
1610 cm−1 (Indolinon), 1655 cm−1 (Amid), 1711 cm−1 (Ester)
Molekülpeak bei m/z = 540 [M + H]+
Nintedanib kann nasschemisch durch verschiedene Nachweisreaktionen identifiziert werden, z. B. per Hydroxamsäure-Reaktion mit Hydroxylamin und Eisen(III)-chlorid-Reagenz zum Nachweis des Carbonsäureesters oder durch den Nachweis von tertiären Aminen durch Versetzen mit Citronensäure und Acetaldehyd, sodass ein rotblauer Farbstoff entsteht, dessen Struktur noch nicht vollständig aufgeklärt ist.