Nullteiler

In der abstrakten Algebra ist ein Nullteiler eines Ringes ein Element , für das es ein vom Nullelement verschiedenes Element gibt, so dass . Dieses letztere Produkt wird gelegentlich als Nullprodukt bezeichnet.

Das Nullelement ist als neutrales Element der Addition gleichzeitig absorbierendes Element der Multiplikation. Deshalb ist es selbst ein Nullteiler, ein trivialer Nullteiler. Ferner wird ein Nullprodukt, das einen Faktor enthält, trivialerweise , weshalb Produkte mit einem bekannten Faktor zur Definition des Begriffs Nullteiler nicht herangezogen werden.

Definition

Ist ein Ring und , dann unterscheidet man zwischen:

In nichtkommutativen Ringen müssen Linksnullteiler keine Rechtsnullteiler sein und umgekehrt, bei kommutativen Ringen hingegen fallen die zwei mal drei Begriffe schlicht zu Nullteiler bzw. Nichtnullteiler zusammen.

Man nennt von verschiedene Links-, Rechts- oder zweiseitige Nullteiler echt (dann sind beide Faktoren ). Ein Ring ohne echte Links- und ohne echte Rechtsnullteiler heißt nullteilerfrei.

Ein nullteilerfreier, kommutativer Ring mit Einselement heißt Integritätsring.

Satz vom Nullprodukt

Für nullteilerfreie Ringe gilt per Definition:

Ist für zwei Elemente , dann ist oder

Diese Aussage wird auch, vor allem in der Schulmathematik, als Satz vom Nullprodukt bezeichnet. Der Satz vom Nullprodukt gilt insbesondere im Bereich der reellen Zahlen und kann dort manchmal vorteilhaft benutzt werden, um Gleichungen aufzulösen.

Beispiel

Gesucht sind die reellen Zahlen, welche die Gleichung erfüllen. Durch Ausklammern erhält man die äquivalente Gleichung . Mit dem Satz vom Nullprodukt folgt nun oder . Also hat die Gleichung die beiden Lösungen und .

Beispiele

denn

Eigenschaften

.
Im Fall eines Rechtsnullteilers sind die Terme zu spiegeln.
In einem nichtkommutativen Ring mit Einselement gilt: Ein Linksnullteiler hat kein Linksinverses, jedoch kann ein Linksnullteiler ein Rechtsinverses haben; analog für Rechtsnullteiler. Ein beidseitiger Nullteiler hat demnach kein Inverses.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ B. L. van der Waerden: Algebra I. 8. Auflage. Springer, Berlin New York 1971, ISBN 3-540-03561-3, S. 36.
  2. ↑ Gerd Fischer: Lehrbuch der Algebra. 4. Auflage. Springer Spektrum, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-19217-4, S. 172.
  3. 1 2 Jens Carsten Jantzen, Joachim Schwermer: Algebra. 2. Auflage. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-40532-7, S. 85.
  4. ↑ Bärbel Barzel, Matthias Glade, Marcel Klinger: Algebra und Funktionen: Fachlich und fachdidaktisch. 1. Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg 2021, ISBN 978-3-662-61392-4, S. 35.
  5. 1 2 Christian Karpfinger: Algebra: Gruppen – Ringe – Körper. 6. Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg 2024, ISBN 978-3-662-68655-3, S. 195.
  6. ↑ Gerd Fischer, Boris Springborn: Lineare Algebra: Eine Einführung für Studienanfänger. 19. Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg 2020, ISBN 978-3-662-61644-4, S. 77.
  7. ↑ Kurt Meyberg: Algebra. Band 1. Hanser, München u. a. 1980, ISBN 3-446-13079-9, Lemma 3.2.15