Obed Starbuck (* 5. Mai 1797 in Nantucket, Nantucket County, Massachusetts, USA; † 27. Juni 1882 ebd.) war ein US-amerikanischer Walfänger, Kapitän und Entdecker. Er gilt als Entdecker der Insel Starbuck und der Bakerinsel im Pazifik.
Obed Starbuck entstammte einer alteingesessenen Familie von Seefahrern der Insel Nantucket und fuhr von früher Jugend an zur See. Im Alter von 18 Jahren diente er als Maat auf der 1816 vom Stapel gelaufenen Bark Hero seines Onkels Joseph Starbuck, eines der wohlhabendsten Kaufleute und Reeder von Nantucket, auf deren erster Walfang-Expedition in den Pazifik.
Die zweite Reise unter Kapitän James Russell führte ebenfalls in den Pazifik. Wie viele Walfänger entschloss sich Russell, auf der Anreise einen Zwischenaufenthalt in der Bahía de Arauco in Chile einzulegen. Die Hero ankerte am Abend des 18. März 1828 in der Bucht zwischen der chilenischen Stadt Arauco und der vorgelagerten Isla Santa María. Zu jener Zeit befand sich Chile mitten in den Wirren der Südamerikanischen Unabhängigkeitskriege. Der Stadtkommandant und königstreue General Vincente Benavides (* ca. 1785; † 1822) lud Kapitän Russell zum Abendessen in die Stadt ein. Dieser hatte keine Bedenken, die höfliche Einladung anzunehmen, wurde jedoch während des Essens unter dem Vorwand verhaftet, er sei ein Spion des britischen Admirals Thomas Cochrane, 10. Earl of Dundonald, der auf Seiten der Aufständischen kämpfte.
Zur gleichen Zeit enterte ein Trupp Soldaten die Hero und setzte die Mannschaft im Vorschiff fest. Als sich eine Brigg näherte, nahmen die Besetzer an, es sei ein britisches Kriegsschiff aus Cochranes Flotte. Sie lösten den Anker der Hero, um das Schiff mitsamt der eingeschlossenen Besatzung auf die Klippen treiben zu lassen. Obed Starbuck konnte zunächst sich selbst und anschließend die übrigen Besatzungsmitglieder befreien, übernahm das Kommando, ließ Segel setzen und konnte knapp verhinderten, dass das Schiff havarierte. Anschließend segelte Starbuck das Schiff nach Valparaíso, wo er dem Kommandanten der zufällig anwesenden Fregatte U.S.S. Constellation, Captain Charles G. Ridgely, Bericht erstattete. Kapitän Russell und der Schiffsjunge, der ihn begleitet hatte, wurden ermordet. Obed Starbuck brachte die Hero, die fast vollständig ihrer Ladung und Ausrüstung beraubt war, zurück nach Nantucket. Wegen seines entschlossenen Handelns erhielt er das Kommando über das Schiff während der nächsten Reise in den Pazifik.
Einige Tage nach diesen Ereignissen attackierte Benavides den britischen Walfänger Perseverance, verbrannte das Schiff und ermordete den Kapitän sowie mehrere Besatzungsmitglieder. Die Fregatte U.S.S. Constellation fuhr nach Arauco und setzte dem Treiben von Bonavides ein Ende.
Seine nächste Reise, nunmehr als Kapitän der Hero, führte Starbuck von 1822 bis 1824 wieder in den Pazifik. Am 5. September 1823 entdeckte er auf der Position 5° 32‘ Süd und 155° 55‘ West eine einsame Insel, 18 km lang, 4 km breit und nur 2,5 bis 3 m hoch. Die ermittelte Position liegt nahe der Insel Starbuck und dürfte mit ihr identisch sein. Starbuck taufte sie „Hero“, nach seinem Schiff. Doch erhielt sie ihren heutigen Namen nicht nach Obed Starbuck, sondern nach seinem Cousin Valentine Starbuck, Kapitän des britischen Walfängers L'Aigle, der sie drei Monate später besuchte und sie „Volunteer Island“ nannte.
Jeremiah N. Reynolds (1799 – 1858) berichtete in seiner Vorlage von 1828 an das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von der Sichtung einer Insel: „Island, 5 deg. 1 min. south latitude. Seen by O. Starbuck, northwest from Marquesas“ (Insel, 5 Grad 1 Minute südlicher Breite. Gesehen von O. Starbuck, nordwestlich der Marquesas). In dem genannten Seegebiet gibt es keine Insel, Reynolds könnte sie jedoch mit der Insel Starbuck verwechselt haben, die auf 5° 38′ 28″ S und 155° 52′ 44″ W liegt, allerdings mehr als 1800 km von den Marquesas entfernt.
Vom Dezember 1824 bis Oktober 1826 unternahm Obed Starbuck als Kapitän der Loper eine weitere Walfang-Reise in den Pazifik. Bei dieser Fahrt machte er eine Neuentdeckung in der Phönix-Gruppe, die unbewohnte Bakerinsel, die er „New Nantucket Island“ nannte. Später wurde „New Nantucket“ umgetauft in „Baker Island“, nach Captain Michael Baker von der Braganza, der 1834 dort landete. Zwei Inseln in der Phönix-Gruppe, Sydney’s Island (Manra) und Birney’s Island (Birnie), waren nur Wiederentdeckungen. Sie waren bereits ein Jahr zuvor von Kapitän T. Emmett (oder Emment, Emmert) des britischen Walfangschiffes Sydney Packet (Eigner: Alexander Birnie) gesichtet worden. Auf dieser Reise ergänzte und vervollständigte Starbuck auch die von George Barrett, Kapitän des Walfangschiffes Independence II aus Nantucket, begonnene Kartierung des Tuvalu-Archipels.
Später auf dieser Reise kam Starbuck an zwei weiteren Inseln vorbei, die er „Loper’s Island“ und „Tracy’s Island“ taufte und fälschlich für Neuentdeckungen hielt. Es waren Niutao und Vaitupu.
Vom Juni 1829 bis September 1830 führte ihn eine weitere Fahrt mit der Loper in den Pazifischen Ozean. Die nächste Reise mit der Rose 1831 fand ein tragisches Ende, das Schiff lief auf Grund. Seine letzte Reise führte ihn von Oktober 1843 bis November 1846 wieder in den Pazifik.
Kapitän Starbuck hatte innerhalb von sechs Jahren drei Walfang-Reisen in den Pazifik unternommen und setzte sich im Alter von noch nicht einmal 40 Jahren auf Nantucket zur Ruhe. Er hatte mit seiner ersten Frau Eunice Paddack fünf Kinder. Nach ihrem Tod heiratete er 1873 erneut. Sein ältester Sohn Frederick (* 28. Januar 1820; † 12. Juni 1858) fuhr auf der Bark Robert Pennell ebenfalls zur See. Obed Starbuck starb am 27. Juni 1882 im Alter von 87 Jahren und ist auf dem Prospect Hill Cemetery auf Nantucket neben seiner ersten Frau Eunice begraben. Das Grab ist noch erhalten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Starbuck, Obed |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Walfänger, Kapitän und Entdecker |
| GEBURTSDATUM | 5. Mai 1797 |
| GEBURTSORT | Nantucket, Nantucket County, Massachusetts, USA |
| STERBEDATUM | 27. Juni 1882 |
| STERBEORT | Nantucket, Nantucket County, Massachusetts, USA |