Oberdeutsche Dialekte

Oberdeutsch

Gesprochen in

Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Frankreich, Italien; diverse Diaspora-Minderheiten in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Rumänien,
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache in –
Oberdeutsche Dialekte nach 1945

Die oberdeutschen Dialekte sind die im Süden des deutschen Sprachraumes (Oberdeutschland) gesprochenen hochdeutschen Mundarten. Sie unterscheiden sich vom angrenzenden Mitteldeutsch darin, dass die sogenannte zweite oder hochdeutsche Lautverschiebung in stärkerem Maße durchgeführt worden ist.

Begriffsgeschichte

Obwohl „Oberdeutsch“ in der modernen Sprachwissenschaft verwendet wird, um eine Zweiteilung innerhalb der hochdeutschen Dialekte zu bezeichnen, war dies historisch nicht immer der Fall. So verwendete Johann Bödiker „Oberdeutsch“ („Öberländisch“ in der ersten Ausgabe) in seinem einflussreichen Werk Grundsäze der teutschen Sprache von 1690 als Oberbegriff für sowohl die mitteldeutschen als auch die oberdeutschen Dialekte; den Begriff „Hochdeutsch“ verwendete er hingegen ausschließlich für die deutsche Standardsprache.

Umfang

Die oberdeutschen Dialekte werden wie folgt untergliedert:

Merkmale

Von den mitteldeutschen Sprachen werden die oberdeutschen Sprachen durch die vollständig durchgeführte Lautverschiebung für p abgegrenzt, also alle Sprachen, in denen p vollständig zu pf verschoben wurde (Apfel statt Appel und Pfund statt Pund). Die Isoglosse, welche nach dieser Definition die Nordgrenze der oberdeutschen Sprachen darstellt, wird Speyerer Linie genannt.

Darüber hinaus gibt es einige weitere phonologische oder morphosyntaktische Merkmale, die als typisch oberdeutsch gelten, jedoch nicht unbedingt in allen Dialekten zu finden sind oder auch in angrenzenden mitteldeutschen Dialekten vorkommen können:

Historische Schreibsprachen

Bis 1774 gab es eine anerkannte oberdeutsche Schreibsprache, die nach dem „spätbarocken Sprachenstreit“ von Maria Theresia von Österreich zugunsten der gemeindeutschen, ganz überwiegend auf dem Ostmitteldeutschen basierenden Schriftsprache aufgegeben wurde, um eine sprachliche Entfremdung zu verhindern.

Eine südwestoberdeutsch basierte, alemannische Schreibsprache war überdies die Eidgenössische Landsprach, die in der Schweiz im 15. und 16. Jahrhundert gebräuchlich war.

Literatur

Zum historischen Oberdeutsch:

Wiktionary: Oberdeutsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1609, Z. 71.
  2. ↑ Johann Bödiker: Grund-Sätze Der Deutschen Sprachen im Reden und Schreiben. Cölln an der Spree 1690.