| Międzyrzecz | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Lebus | |
| Powiat: | Międzyrzecz | |
| Gmina: | Międzyrzecz | |
| Fläche: | 10,26 km² | |
| Geographische Lage: | 52° 27′ N, 15° 35′ O | |
| Höhe: | 51 m n.p.m. | |
| Einwohner: | 16.832 (1. Januar 2024) | |
| Postleitzahl: | 66-300 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 95 | |
| Kfz-Kennzeichen: | FMI | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | S3 (E 65) | |
| Eisenbahn: | PKP-Linie 3 | |
| Wierzbno–Rzepin | ||
| Nächster int. Flughafen: | Posen | |
Międzyrzecz [] (deutsch Meseritz) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit 23.698 Einwohnern und Kreisstadt des Powiats Międzyrzecki, der etwa dem früheren Landkreis Meseritz (Grenzen ab 1920) entspricht.
Die Stadt liegt in historischen Großpolen, an der Mündung der Pachlitz in die Obra, rund 88 Kilometer östlich von Frankfurt (Oder) bzw. Kostrzyn nad Odrą (Küstrin) und etwa 48 Kilometer südöstlich von Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe). In der Gemarkung des Stadtgebiets befindet sich das Naturschutzgebiet Nietoperek.







Die erste geschichtliche Erwähnung des Ortes als einer Abtei „meserici“ stammt aus dem Jahr 1005 in der Beschreibung einer Schlacht zwischen Bolesław I. dem Tapferen und König Heinrich II. durch Thietmar von Merseburg. Der Ort hatte eine strategisch wichtige Bedeutung, da er an den Wegen von Gnesen nach Magdeburg und von Stettin nach Breslau und Krakau lag. 1094 eroberten die Polen die „Burg“ an der Mündung der Packlitz in die Obra von den Pommern zurück. Am 29. Januar 1230 wurde offiziell das Zisterzienserkloster Paradies gegründet, welches von Mönchen aus dem brandenburgischen Kloster Lehnin besiedelt wurde. Die Großpolnische Chronik des Posener Bischofs Bogufał erwähnte in Zusammenhang mit einem Zehnterlass der Deutschen von Meseritz (Theutunicis de Medzyrzecz) den Ort 1248 als Stadt. Eine Stadtrechtsurkunde existiert nicht. 1474 wurde der Ort von Matthias Corvinus zerstört, aber wieder aufgebaut. Kasimir IV. bestätigte 1485 die Stadtrechte von Meseritz. 1606 wütete ein großer Brand in der Stadt. In den Schwedenkriegen 1655–1660 und 1700–1721 wurde der Ort mehrfach verwüstet. Mit der Zweiten Polnischen Teilung fiel der Ort 1793 an Preußen. Am 26. November 1806 hielt sich Napoleon in der Stadt auf, es wurde ein Attentat auf ihn geplant. 1807 kam der Ort zum Herzogtum Warschau. Die Einwohnerzahl sank während dieser Zeit noch weiter auf 3500. Nach Ende der Befreiungskriege fiel Meseritz durch den Wiener Kongress 1815 wieder an Preußen und wurde am 1. Januar 1818 Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Landkreises im Großherzogtum Posen. Bei der Volkszählung 1905 hatte die Stadt 5800 Einwohner, darunter 1859 Katholiken und 171 Juden. Im gesamten Landkreis gaben 1900 20,2 % der Einwohner Polnisch als Muttersprache an.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Meseritz eine evangelische Kirche, eine altlutherische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Präparandenanstalt, ein Gymnasium, eine Höhere Töchterschule, eine kaufmännische Fortbildungsschule und war Sitz eines Landgerichts. 1935 gab es in Meseritz unter anderem vier Hotels, 14 Gasthöfe und Restaurants, vier Bankhäuser, zwei Buchdruckereien, drei Getreidegroßhandlungen, zwei Holzsägewerke, eine Kartoffelgroßhandlung, eine Molkerei und Camembertfabrik, drei Maschinenfabriken, eine Mühle, einen Mühlenbauer, zwei Ölmühlen, einen Siebmacher, vier Viehhandlungen, einen Zeitungsverlag und zahlreiche Einzelhändler, Dienstleister sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.
Zwischen 1919 und 1938 gehörten Stadt und Kreis Meseritz zur Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und nach deren Auflösung am 1. Oktober 1938 bis 1945 zur Provinz Brandenburg.
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wurde Meseritz zum Knotenpunkt für insgesamt fünf Bahnlinien. Davon waren im Jahr 2008 nur noch zwei in Benutzung. An der Wiederherstellung der Bahnlinie aus Richtung Jordan-Paradies wird aktuell mit EU-Mitteln gearbeitet.
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die deutsche Wehrmacht im nahe gelegenen Nipter die Bunkeranlagen der „Grenzschutzbefestigungsanlage III“ („Regenwurmlager“) im Zusammenhang mit der „Festungsfront Oder-Warthe-Bogen“ errichtet. Diese Anlage hatte eine Gesamtlänge von etwa 65 Kilometern und war mit einem 30 Kilometer langen Verbindungstunnel ausgestattet.
In der 1904 erbauten Heil- und Pflegeanstalt Obrawalde wurden während des Zweiten Weltkriegs etwa hundert bis tausend Menschen im Rahmen der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch ermordet. Im ersten der sogenannten „Ärzte-Prozesse“ wurden eine Ärztin und eine Krankenpflegerin der Anstalt am 25. März 1946 in Berlin des Mordes an mindestens 100 Menschen für schuldig befunden, zum Tode verurteilt und im Januar 1947 hingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg eroberte die Rote Armee Meseritz am 31. Januar 1945 und unterstellte es im März 1945 der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Infolge der Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa und der Besiedlung mit Polen kam es in Meseritz bis 1947 zu einem Bevölkerungsaustausch. Die Stadt wurde in Międzyrzecz umbenannt.
Międzyrzecz war seit dem 15. März 1945 Sitz eines Powiats und gehörte ab dem 7. Juli 1945 zur Woiwodschaft Posen, ab 1950 dann bis 1975 zur Woiwodschaft Zielona Góra und anschließend bis 1999 zur Woiwodschaft Gorzów. Im Jahr 1994 erfolgte die Renovierung des Rathauses. Den 1924 im Stadtwappen an die Stelle des bisher polnischen weißen Adlers gesetzte preußische schwarze Adler ersetzte 1997 wiederum der polnische. Durch eine erneute Verwaltungsreform ist der Ort seit 1999 wieder Sitz eines Powiats.
Der evangelische Friedhof existiert nicht mehr. An ihn erinnert ein Lapidarium und eine Schrifttafel.


| Jahr | Einwohnerzahl | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1800 | 3406 | darunter 563 Juden |
| 1818 | 3855 | Kreisstadt |
| 1837 | 4589 | |
| 1861 | 4910 | |
| 1875 | 4818 | |
| 1880 | 5169 | |
| 1890 | 5167 | darunter 3417 Evangelische, 1490 Katholiken und 260 Juden |
| 1905 | 5800 | darunter 1859 Katholiken und 171 Juden |
| 1910 | 5990 | Stadt mit zwei evangelischen Pfarrkirchen, einer katholischen Pfarrkirche und einer Synagoge |
| 1933 | 9307 | |
| 1939 | 10.848 | darunter 6713 Evangelische, 3818 Katholiken, 79 sonstige Christen und 79 Juden |
Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Międzyrzecz gehören die Stadt selbst und 18 Dörfer mit Schulzenämtern. Sie hat eine Fläche von 315 km².