Offene Beziehung

Formen von Beziehungen (Befragung von 1100 Teilnehmern, von denen sich 802 in Partnerschaften befanden; Schweiz 2018/2019).

Eine offene Beziehung (auch offene Ehe, falls die Partner miteinander verheiratet sind) bezeichnet eine Beziehung, in der die Beteiligten die Freiheit vereinbart haben, auch andere Sexualpartner zu haben. Die Entscheidung für eine offene Beziehung beruht in der Regel auf der Polygamie mindestens eines Partners. Falls mit den zusätzlichen Personen nicht bloß eine Sexbeziehung eingegangen werden darf, sondern ebenfalls eine emotionale Bindung (bspw. eine gleichwertige langfristige Liebesbeziehung), spricht man zusätzlich von Polyamorie, und statt von einer „offenen Beziehung“ eher von einer „polyamoren Beziehung“.

Formen / Abgrenzung

Es existieren verschiedene Formen der offenen Beziehung:

Motivation

Die Entscheidung zum Öffnen bzw. Offenhalten einer Beziehung beruht in der Regel auf der Polygamie oder Polyamorie mindestens eines Partners. Es können auch ideologische Gründe eine Rolle spielen. Offene Beziehungen erweitern das Konzept der Selbstbestimmung von Individuen auf die sexuelle Selbstbestimmung.

Geschichte

Von 1900 bis 1968 (DDR) bzw. 1973 (Bundesrepublik) machte sich bei einer offenen Ehe der Ehemann wegen schwerer Kuppelei (§ 181 Nr. 2 StGB a. F.) strafbar.

Nena und George O’Neill veröffentlichten 1972 Open Marriage. Dies führte in den Vereinigten Staaten erstmals zu öffentlichen Fernsehdiskussionen über alternative Lebensstile, die in Konflikt zu konventionellen Erwartungen an Beziehungen und Moralvorstellungen standen. Dies wird als eines der signifikanten Ereignisse des 20. Jahrhunderts gewertet, die zur Spannung zwischen zwei unterschiedlichen Lebensauffassungen beigetragen haben: Die eine sieht sexuelle Beziehungen nur in einer festen Partnerschaft legitimiert und als notwendige Komponente für das gemeinsame Glück. Die andere sieht Sex als wichtige Erfahrung und eigenständige Entfaltungsmöglichkeit des einzelnen Menschen.

Der Versuch, diese beiden Sichtweisen zu versöhnen, kann als eine grundlegende Dynamik für die Veränderung des sexuellen Verhaltens in den Vereinigten Staaten des 20. Jahrhunderts gesehen werden und führte zu einer öffentlichen Diskussion über alternative Lebensformen. Im Zuge der sexuellen Revolution wurde das Konzept einer offenen Beziehung auch in anderen Ländern diskutiert und als wichtiger Schritt zu der von links-libertären Kreisen propagierten Befreiung des Menschen gesehen.

Film

Literatur

Sachliteratur

Biografien und Berichte

Einzelnachweise

  1. ↑ Stefanie Gonin-Spahni, Michèle Borgmann, Sandra Gloor, Hansjörg Znoj: Sexualität Beziehung und Gesundheit. In: SeBeGe Newsletter, Informationen zum Projekt SeBeGe, Institut für Psychologie der Universität Bern, August 2019, S. 20.
  2. ↑ The Ethical Slut: A Guide to Infinite Sexual Possibilities von Dossie Easton und Janet W. Hardy (ursprünglich unter dem Pseudonym Catherine A. Liszt), Greenery Press, 1998, ISBN 1-890159-01-8.
  3. ↑ Gesetz, betreffend Aenderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuchs – Wikisource. Abgerufen am 28. August 2022.
  4. ↑ Nena O’Neill: Open Marriage: A New Life Style for Couples, M. Evans, 1984, ISBN 0-87131-438-X (erstmals 1972)
  5. ↑ The International Encyclopedia of Sexuality: United States of America, Robert T. Francoeur, 1997.