Eine empirische Verteilungsfunktion – auch Summenhäufigkeitsfunktion, (empirische) Verteilungsfunktion der Stichprobe oder Stichprobenverteilungsfunktion genannt – ist in der beschreibenden Statistik und der Stochastik eine Funktion, die jeder reellen Zahl den Anteil der Stichprobenwerte, die kleiner oder gleich sind, zuordnet. Die Definition der empirischen Verteilungsfunktion kann in verschiedenen Schreibweisen erfolgen.
Wenn die Beobachtungswerte in der Stichprobe (die Stichprobenwerte) sind, dann ist die empirische Verteilungsfunktion definiert als
wobei die Indikatorfunktion einer Menge bezeichnet, d. h.

Ihre Wahrscheinlichkeitsfunktion ist
wobei das Dirac-Maß ist.

Manchmal liegen Daten nur klassiert vor, d. h. es sind Klassen mit Klassenuntergrenzen , Klassenobergrenzen und relativen Klassenhäufigkeiten gegeben, .
Dann wird die Verteilungsfunktion definiert als
An den Klassenober- und -untergrenzen stimmt die Definition mit der Definition für unklassierte Daten überein, in den Bereichen dazwischen jedoch findet nun eine lineare Interpolation statt (siehe auch Summenhäufigkeitspolygon), bei der man unterstellt, dass die Beobachtungen innerhalb der Klassen gleichmäßig verteilt sind. Empirische Verteilungsfunktionen klassierter Daten sind damit (ebenso wie Verteilungsfunktionen stetiger Wahrscheinlichkeitsverteilungen, z. B. der Normalverteilung) zwar stetig, doch nur zwischen den Klassengrenzen differenzierbar, wobei ihr Anstieg der Höhe der jeweiligen Säule des zugrundeliegenden Histogramms entspricht.
Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Intervallgrenzen klassierter Daten nach Möglichkeit so gewählt werden, dass die beobachteten Merkmalsausprägungen zwischen und nicht (wie im Fall unklassierter Daten) auf den Intervallgrenzen liegen, wodurch je nach Wahl der Klassengrenzen für ein und denselben Datenbestand ggf. leicht verschiedene Summenhäufigkeitspolygone entstehen können.
Als Beispiel sollen die Pferdetrittdaten von Ladislaus von Bortkewitsch dienen. Im Zeitraum von 1875 bis 1894 starben in 14 Kavallerieregimentern der preußischen Armee insgesamt 196 Soldaten an Pferdetritten:

| Jahr | 75 | 76 | 77 | 78 | 79 | 80 | 81 | 82 | 83 | 84 | 85 | 86 | 87 | 88 | 89 | 90 | 91 | 92 | 93 | 94 | |
| Tote | 3 | 5 | 7 | 9 | 10 | 18 | 6 | 14 | 11 | 9 | 5 | 11 | 15 | 6 | 11 | 17 | 12 | 15 | 8 | 4 | 196 |
Schreibt man die Tabelle mit den Merkmalsausprägungen und relativen Häufigkeiten auf, dann ergibt sich
| 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 14 | 15 | 17 | 18 | |
| Jahre | 1 | 1 | 2 | 2 | 1 | 1 | 2 | 1 | 3 | 1 | 1 | 2 | 1 | 1 |
| 0,05 | 0,05 | 0,10 | 0,10 | 0,05 | 0,05 | 0,10 | 0,05 | 0,15 | 0,05 | 0,05 | 0,10 | 0,05 | 0,05 | |
| 0,05 | 0,10 | 0,20 | 0,30 | 0,35 | 0,40 | 0,50 | 0,55 | 0,70 | 0,75 | 0,80 | 0,90 | 0,95 | 1,00 |
Die letzte Zeile enthält den Wert der Verteilungsfunktion an der entsprechenden Stelle . Beispielsweise an der Stelle ergibt sich .
Klassiert man die Daten, so erhält man folgende Datentabelle. Die Grafik dazu findet man bei der Definition.
| ab | 2 | 4 | 6 | 8 | 10 | 12 | 14 | 16 |
| bis | 4 | 6 | 8 | 10 | 12 | 14 | 16 | 18 |
| 0,10 | 0,20 | 0,10 | 0,15 | 0,20 | 0,05 | 0,10 | 0,10 | |
| 0,10 | 0,30 | 0,40 | 0,55 | 0,75 | 0,80 | 0,90 | 1,00 |
Die letzte Zeile enthält den Wert der Verteilungsfunktion an der entsprechenden Stelle . An der Stelle ergibt sich .
Wenn die beobachteten Werte als realisierte Werte von Zufallsvariablen mit gemeinsamer -dimensionaler Wahrscheinlichkeitsverteilung aufgefasst werden, so ist die aus den beobachteten Werten gebildete empirische Verteilungsfunktion
eine realisierte Funktion der zufälligen empirischen Verteilungsfunktion
Damit definiert die Abbildung einen stochastischen Prozess, der auch durch die indizierte Familie von Zufallsvariablen charakterisiert werden kann. Realisierungen (Pfade) dieses Prozesses sind nichtstochastische Verteilungsfunktionen .
Im inferenztheoretischen Zusammenhang werden die beobachteten Werte als realisierte Werte von stochastisch unabhängigen und identisch verteilten Zufallsvariablen aufgefasst, die jeweils dieselbe unbekannte Verteilungsfunktion haben. Die aus den beobachteten Werten gebildete empirische Verteilungsfunktion ist dann eine konkrete Schätzung für und die zufälligen empirische Verteilungsfunktion ist ein Schätzer für die Verteilungsfunktion .
Endliche und asymptotische Eigenschaften der Verteilung von werden in der Theorie der empirischen Prozesse untersucht. Dabei ist
das Standardbeispiel eines empirischen Prozesses, dessen asymptotische Verteilung (für ) unter bestimmten Voraussetzungen durch eine Brownsche Brücke charakterisiert werden kann.
Für stochastisch unabhängige und identisch verteilte Zufallsvariablen , die jeweils dieselbe Verteilungsfunktion haben, gelten folgende Aussagen für endlichen fixierten Stichprobenumfang :
Für stochastisch unabhängige und identisch verteilte Zufallsvariablen , die jeweils dieselbe Verteilungsfunktion haben, gelten folgende Konvergenzaussagen für :
Die empirische Verteilungsfunktion ist die Verteilungsfunktion der empirischen Verteilung , die durch
definiert ist und von den beobachteten Werten abhängt.
Wenn die beobachteten Werte paarweise voneinander verschieden sind, dann ist die empirische Verteilung eine diskrete Verteilung, die jedem Beobachtungspunkt den Wert zuordnet, d. h. für . Falls bestimmte Werte mehrfach auftreten, ordnet die empirische Verteilung der entsprechenden Stelle die relative Häufigkeit zu. Diese relativen Häufigkieten addieren sich zu Eins. Umgekehrt lässt sich zu jeder empirischen Verteilung die empirische Verteilungsfunktion
definieren. Die empirische Verteilung besitzt formal die Eigenschaften einer Wahrscheinlichkeitsverteilung, kann aber in der deskriptiven Statistik als relative Häufigkeitsverteilung aufgefasst werden, ohne dass eine stochastische Interpretation intendiert ist.
Eine zufällige empirische Verteilungsfunktion charakterisiert eine zufällige empirische Verteilung , die durch
definiert werden kann und von den Zufallsvariablen abhängt.
Zu einer gegebenen zufälligen empirischen Verteilung ergibt sich die zufällige empirische Verteilungsfunktion als

Ogive bezeichnete ursprünglich das gotische Bau-Stilelement Spitzbogen sowie die verstärkten Rippen in den Gewölben. Der Ausdruck wurde in der Statistik für eine Verteilungsfunktion erstmals 1875 von Francis Galton verwendet:
“When the objects are marshalled in the order of their magnitude along a level base at equal distances apart, a line drawn freely through the tops of the ordinates..will form a curve of double curvature... Such a curve is called, in the phraseology of architects, an ‘ogive’.”
Auf der horizontalen Achse des Koordinatensystems werden hier die geordneten (oft gruppierten) Merkmalsausprägungen aufgetragen; auf der vertikalen Achse die relativen kumulierten Häufigkeiten in Prozent.
Die Grafik rechts zeigt die kumulierte Verteilungsfunktion einer theoretischen Standardnormalverteilung. Wird der rechte Teil der Kurve an der Stelle gespiegelt (rot gestrichelt), dann sieht die entstehenden Figur wie eine Ogive aus.
Darunter wird eine empirische Verteilungsfunktion gezeigt. Für die Grafik wurden 50 Zufallszahlen aus einer Standardnormalverteilung gezogen. Je mehr Zufallszahlen man zieht, desto stärker nähert man sich der theoretischen Verteilungsfunktion an.