Die Oiscingas (auch Oiscinger, Æscingas, altenglisch für „Nachfahren des Oisc“) waren das Königsgeschlecht des angelsächsischenKönigreiches Kent. Sie benannten sich nach Oeric, der den Beinamen Oisc trug. Die Dynastie herrschte vom 5. bis ins 8. Jahrhundert.
Genealogie
Mythische Herkunft
Ob Hengest und Horsa historische Personen waren, gilt als „offene Frage“. Auch Oiric und Ohta sind, zumindest in Hinblick auf ihre Taten, als eher mythisch einzustufen. Die geschichtliche Zeit beginnt mit Eormenric.
Einige Historiker halten diese Genealogie für eine frühe Verquickung zweier Überlieferungen. Spätere Könige wollten ihre Herkunft auf Hengest, den „Gründungsvater“ Kents, zurückführen. Dennoch nannte sich die Dynastie nach Oeric/Oisc, mit dem auch die folgenden Königsnamen alliterieren, was darauf hindeutet, dass die Abstammung von Hengest wohl unhistorisch in die Oiscinga-Linie eingereiht wurden. Beda Venerabilis’ Historia ecclesiastica gentis Anglorum und die Angelsächsische Chronik weisen gegenüber der Anglian Collection und Nennius’ Historia Brittonum für Oeric und Ohta sowie für Wecta/Wægdæg und Witta eine umgekehrte Reihenfolge auf, worin unterschiedliche Überlieferungstraditionen bzw. verschiedene Ursprungsmythen gesehen werden. Ein weiterer Hinweis auf einen doppelten Ursprung ist die in der Angelsächsischen Chronik berichtete zweimalige Thronbesteigung Oerics: 455 mit seinem „Vater“ Hengest und 488 als alleiniger König.
Der Geograph von Ravenna (7. Jahrhundert) nannte einen princeps (etwa „Fürst“) Ansehis, der die „Sachsen“ nach Britannien geführt haben soll. Möglicherweise erhielt Oeric seinen Beinamen Oisc, der etymologisch mit Ansehis verwandt ist, um ihn nachträglich mit dem mythischen Gründer zu identifizieren.
Die Stellung der Könige Eanmund (um 764–765?), Heahberht (um 765–?), Ecgberht II. (764–779/784), Eadberht III. Præn (796–798) und Baldred (um 821–um 825) im Stammbaum ist unbekannt. Könige sind durch Fettschrift hervorgehoben.
12Nicholas Brooks: Anglo-Saxon Myths: State and Church, 400–1066. Hambledon & London, 1998, ISBN 0-8264-5792-4, The Kentish Origin Myth. S. 37–46.
12Seiichi Suzuki: The Quoit Brooch Style and Anglo-Saxon Settlement: A Casting and Recasting of Cultural Identity Symbols. Boydell, 2000, ISBN 0-85115-749-1, S. 111–121.
12D. P. Kirby: The Earliest English Kings, Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 37.
↑D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 36.
↑Eormenburg und Æbbe (Eafe) werden zum Teil als identische, zum Teil als unterschiedliche Personen dargestellt. siehe: Mary Dockray-Miller: Motherhood and mothering in Anglo-Saxon England. Palgrave Macmillan, 2000, ISBN 0-312-22721-3, S. 19.
↑D. P. Kirby: The Earliest English Kings, Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 103.
↑Mary Dockray-Miller: Motherhood and Mothering in Anglo-Saxon England. Palgrave Macmillan, 2000, ISBN 0-312-22721-3, S. 31.
↑evtl. Sohn oder Enkel von Æthelberht II. siehe: Julia Barrow, Andrew Wareham (Hrsg.): Myth, Rulership, Church and Charters: Essays in Honour of Nicholas Brooks, Ashgate, 2008, ISBN 978-0-7546-5120-8, S. 77. oder Sohn von Wihtred, siehe: D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 112.