
Ein Ochsenauge (französisch œil-de-bœuf) ist ein kleines, ovales Fenster (als Rundfenster: Okulus, lateinisch für Auge), das in einer Wand und in Dachgauben Verwendung fand, besonders in der Barockarchitektur des 17. und 18. Jahrhunderts.
Die Verbreitung der Rundfenster beschränkt sich nicht nur auf die kirchliche Baukunst. So lässt sich diese Fensterform in der Spätromanik auch im Bereich der säkularen Baukunst an Kastellen Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen (Castel del Monte, Palazzo San Gervasio, am Donjon im Kastell von Lucera u. a.), später auch im Schloss- und Villenbau der Renaissance und des Barocks nachweisen.
Kreisrunde Fenster mit einer steinernen Maßwerkfüllung nennt man dagegen Rosenfenster, deren romanische und frühgotische Vorläufer mit Füllung in Form eines Speichenrades Radfenster. In den meisten Sprachen werden auch Radfenster als Rosenfenster (rose window, rosacee) bezeichnet.
Als Oculus werden auch die kreisrunden Öffnungen in Kuppelgewölben der Glockentürme mittelalterlicher Kirchengebäude bezeichnet, durch die die Glocken vertikal transportiert werden konnten, wie auch Baumaterial und Gerätschaften zur Errichtung und späteren Wartung der Turmbauten. Oculi dieser Art werden auch als Kuppelauge bezeichnet (vgl. Opaion). Die Öffnung wird manchmal dekorativ eingefasst, etwa in Form von achtpässigem Maßwerk.
Eine seltenere und spezielle Form ist der Friedhofsoculus. Diese meist kreisrunden Öffnungen an Außenwänden von Kirchen hatten die Aufgabe, den Schein des ewigen Lichtes aus dem Kircheninneren auf den Friedhof zu leiten. Der Friedhofsoculus stellt so eine Sonderform der Totenleuchte dar.