Ole Wittmann

Ole Wittmann (November 2019)

Ole Wittmann (* 31. August 1977 in Henstedt-Ulzburg) ist ein deutscher Kunsthistoriker. Er rückt mit seinen Forschungen zur Tätowierung nach Ansicht der Kunsthistorikerin Stefanie Handke „erstmals umfassend das Tattoo in den Fokus kunstwissenschaftlicher Betrachtung“.

Leben

Nach dem Abitur absolvierte Wittmann eine Ausbildung zum Kommunikationswirt und arbeitete als Kundenberater in Werbeagenturen. Ab 2002 studierte er Kunstgeschichte, Kulturanthropologie und Soziologie in Hamburg. 2015 promovierte er über den menschlichen Körper als Bildträger für Tätowierungen. Seine Dissertation Tattoos in der Kunst wurde 2017 publiziert. Zwischen 2009 und 2016 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Arno Schmidt Stiftung tätig, am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg begleitete er die Sonderausstellung Tattoo. Ferner arbeitete er als Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg.

Kurator

Wittmann war der Kurator der Sonderausstellung Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli, die vom 27. November 2019 bis zum 25. Mai 2020 im Museum für Hamburgische Geschichte gezeigt wurde. Aufgrund der COVID-19-Pandemie musste die Ausstellung am 13. März 2020 unvermittelt geschlossen werden. Wittmann und das Institut für Deutsche Tattoo-Geschichte erstellten einen digitalen Rundgang mit dem Ergebnis, dass die Ausstellung am 20. März „international die einzige aktuelle Sonderausstellung war, die online zu besuchen war - eine schon totgesagte Ausstellung wurde reanimiert und es gab eine aktive Teilhabe einer Community am Thema Tattoo-Geschichte“. Das Projekt wurde am 29. Oktober 2020 mit dem Annual Multimedia Award in Gold für den virtuellen Rundgang Tattoo-Legenden in der Kategorie „Events im Internet“ ausgezeichnet. Ein Jahr nach Eröffnung der analogen Ausstellung im MHG folgte ab November 2020 die Fortsetzung der digitalen Variante: in der Schau Christian Warlich. Digital Exhibit Pt II stehen einzelne Objekte im Fokus.

Warlich Rum

Warlich war nicht nur einer der einflussreichsten Tätowierer des 20. Jahrhunderts, sondern auch Hamburger Gastwirt. In der Clemens-Schultz-Straße 44 auf St. Pauli betrieb er eine Grog-Kneipe, in der er ebenso seiner Tätigkeit als Tätowierer nachging. Entsprechend wurden die Themen Gastronomie und Rum in der Ausstellung aufgegriffen. Wittmann kam auf die Idee auf, einen exklusiven Warlich Rum zur Ausstellung zu entwickeln – für den Ausschank bei der Eröffnung und darüber hinaus für den Verkauf im Museumsshop. Die ausstellungsspezifische Diversifikation ermöglichte eine Erhöhung der Wahrnehmung des Themas, auch außerhalb des Museums. Seit 2020 schmückt ein Dreimaster das Label von Warlich Rum. Im Frühjahr 2021 wurde die Produktpalette von Warlich Rum um Eierlikör erweitert und Wittmann baute den Verkauf von Warlich Rum aus, zu diesem Zweck wurde im selben Jahr eine Kapitalgesellschaft gegründet, die ihre Geschäfte am 1. Januar 2022 aufnahm.

„Wittmann hatte während seines Forschungsprojekts zum Nachlass des Tätowierers die Idee, einen Warlich Rum mit Motiven des Tätowierers auf den Flaschen zu produzieren. Hergestellt werden Rum und Eierlikör in Hamburgs ältester Spirituosenmanufaktur Heinrich von Have. Verkauft und ausgeschenkt wird der Warlich Rum u.a. im Toom Peerstall auf St. Pauli, der ehemaligen Schankwirtschaft von Christian Warlich, in der die neuen Besitzer sein Andenken pflegen.“

– NDR Nordtour, 20. August 2022

Im Jahr 2024 kam es zu einem Rechtsstreit, bei dem der von William Verpoorten und Underberg-Chef Frank Barwinski geleitete Schutzverband der Spirituosen-Industrie e.V. juristisch gegen Start-up Nachlass Warlich vorgeht. Das Unternehmen vertreibt eine vegane Alternative zu Eierlikör unter dem Namen „Likör ohne Ei“ mit einem Etikett, das einen stilisierten Hahn zeigt. Der Verband sah darin einen Verstoß gegen das sogenannte Anspielungsverbot der EU-Spirituosenverordnung und forderte eine Änderung von Bezeichnung und Etikett. Die Auseinandersetzung fand mediale Beachtung und wurde unter anderem von der Wochenzeitung Die Zeit und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) kritisch kommentiert. Beide Medien hinterfragten, ob das juristische Vorgehen des Verbands innovationshemmend wirke und kleinere Anbieter pflanzlicher Alternativen benachteilige. Am 28. Oktober 2025 sprach das Landgericht Kiel sein Urteil "zugunsten des Likör-Start-ups". Der Sprecher des Landgerichts führte nach der Urteilsverkündung aus, die Kammer „halte die Formulierung für unproblematisch. Europarechtliche Verbraucherschutzvorschriften stünden dem nicht entgegen. „Weil es eben nicht Eierlikör ist“, sondern gerade eine Abgrenzung gegenüber dem Begriff Eierlikör sei“. Geschäftsführer Wittmann, "betonte, dass sich sein Getränk mit dem gewählten Namen ja gerade bewusst vom Eierlikör abgrenze: "Das Ziel war, eine vegane Alternative zu dem bekannten Klassiker zu erschaffen", so Wittmann vor Beginn der Verhandlung. Das Urteil wurde von den Medien mit großem Interesse aufgenommen, die es in ihren Berichten ausführlich thematisierten.

Der Rechtsstreit führte jedoch auch dazu, dass das Haus der Geschichte in Bonn darauf aufmerksam wurde. wundern. Das Museum präsentiert zwei Flaschen des Likörs nunmehr in seiner Dauerausstellung "Heute". Diese Ausstellung beschäftigt sich mit Themen zur aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung und dokumentiert öffentliche Debatten, so auch diesen Rechtsstreit.

Forschung

Ole Wittmann (rechts) & Manfred Kohrs im Museum für Hamburgische Geschichte 2019

Von 2015 bis 2020 war Wittmann Postdoc-Stipendiat der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. In Kooperation mit dem Museum für Hamburgische Geschichte leitet er ein Forschungsprojekt zum Nachlass des Tätowierers Christian Warlich. Im Jahr 2017 veröffentlichte und verlegte Wittmann in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig die erste Publikation des Projektes Nachlass Warlich: Eine vielfach ausgezeichnete Herausgabe des Tattoo-Vorlagealbums Buch No. 3 von Warlichs Mitbewerber Karl Finke.

In seiner Eigenschaft als Forschungsleiter und Vorstandsmitglied des Instituts für deutsche Tätowier-Geschichte (IDTG) nimmt Wittmann eine zentrale Rolle in der öffentlichen Rezeption wahr und dient als stetiger Ansprechpartner für fachwissenschaftliche Medienanfragen. Eines der laufenden Forschungsprojekte, das Wittmann zusammen mit Manfred Kohrs durchführt, setzt sich mit dem Tätowierer und Piercer Horst Streckenbach auseinander.

Werke und Publikationen (Auswahl)

Literatur

Auszeichnungen

Medienresonanz (Auswahl)

Dokumentationen

  • Axel Bieber: Nackte Fakten, Tattoos zwischen Kult und Kunst. Spiegel Geschichte 1. Dezember 2020.
  • Tattoos. Das geht unter die Haut. Xenius (arte) 4. September 2019.
  • Oliver Steinkrüger: Tattooing über alles: Nachlass Warlich. Dokumentarfilm 26. Dezember 2018.
  • Karin Moser: Tattoos: zwischen Knast und Kunst. NZZ Format 14. September 2017.
  • Ralph Alexowitz: Typisch! Unter die Haut – Der Hamburger Tattoo-Forscher Ole Wittmann NDR 23. März 2017.
  • Rebecca Leiter (ARD Kultur) und Anika Mellin (MDR): Flaesh – Tattookultur in Deutschland. ARD Kultur und MDR Fernsehen. ardmediathek.de vom 22. Juni 2023.
    (Episode 4: Alles nur geklaut? von 08:52 bis 10:50)

Podcasts

  • Onlineshop-Geflüster: Ole Wittmann von WARLICH RUM. 31. Juli 2022.
  • Tattoo Tales: V–OFF THE WALL– Lal Hardy & Dr. Ole Wittmann. 8. März 2022.
  • Zuerst war die Haut: Frank Krabbenhöft. 27. September 2020.
Commons: Ole Wittmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Stefanie Handke: Ole Wittmann: Tattoos in der Kunst. Materialität – Motive – Rezeption, Reimer 2017. In: portalkunstgeschichte.de. 12. Dezember 2017, abgerufen am 29. Juli 2019.
  2. ↑ Katja Engler: Das Anker-Tattoo im Nacken der Kaiserin. In: Welt. 8. Februar 2015, abgerufen am 29. Juli 2019.
  3. ↑ MKG: Archiv 13. Februar bis 6. September 2015 Tattoo.
  4. ↑ Stiftung Historische Museen Hamburg: Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli. In: Ruhr-Universität Bochum Wortmarke. 11. April 2018, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. Juli 2019; abgerufen am 29. Juli 2019.
  5. ↑ olewittmann.de Vorträge, abgerufen am 29. Juli 2019.
  6. ↑ Hall-of-Fame 2021 Gold annual-multimedia.de
  7. ↑ Schau Christian Warlich. Digital Exhibit Pt II Abgerufen am 2. Dezember 2020.
  8. ↑ Ole Wittmann: Von Nachlass Warlich bis Warlich Rum Bericht zum Postdoc-Forschungsprojekt „Der Nachlass des Hamburger Tätowierers Christian Warlich (1891–1964)“ und zur Entstehung des Instituts für deutsche Tattoo-Geschichte e. V. (IDTG), Henstedt-Ulzburg: Nachlass Warlich 2022.
  9. ↑ Magazin Nordtour, gesendet vom NDR am 20. August 08.2022 um 18:00 Uhr Der Jamaika-Rum des legendären Tätowierers Christian Warlich
  10. ↑ Der Verein wird vertreten durch die Geschäftsführer der Verpoorten GmbH & Co. KG und Underberg GmbH & Co. KG. Vorstand
  11. ↑ Daniel Bakir: Start-up verklagt - Warum die Eierlikör-Lobby "Likör ohne Ei" verbieten will. stern.de vom 1. April 2025.
  12. ↑ Marcus Rohwetter: Man wird ja wohl noch ‚Ei‘ sagen dürfen. In: Die Zeit, Nr. 16, 16. April 2025, S. 21.
  13. ↑ NDR Info: „Likör ohne Ei: Start-up kämpft um veganen Eierlikör.“ 2025. Sendung: NDR Fernsehen | NDR Info | 16.04.2025 | 21:45 Uhr 2 Min | Verfügbar bis 16.04.2027
  14. ↑ Realer Irrsinn: Likör ohne Ei auf der Anklagebank Extra 3 - Realer Irrsinn Spezial im NDR Fernsehen am 24. August 2025
  15. ↑ Daniel Sprenger: Eierlikör gegen "Likör ohne Ei": Prozess-Auftakt am Kieler Landgericht NDE 3. Juni 2025.
  16. ↑ Hamburger Morgenpost: Ärger um „Likör ohne Ei“: Kleines Start-up gewinnt vor Gericht. Abgerufen am 28. Oktober 2025.
  17. ↑ NEWS5: Sieg für den Veganen Eierlikör: "Likör ohne Ei" darf weiter vermarktet werden Vom 28. Oktober 2025 - Kiel - News Nr.: 39169
  18. ↑ Urteil: Veganer "Likör ohne Ei" darf Namen behalten NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28. Oktober
  19. ↑ Zwei Flaschen von "Likör ohne Ei" stehen jetzt im Museum tagesschau.de vom 16. März 2026.
  20. ↑ Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur: Postdoc-Forschungsprojekt „Der Nachlass des Hamburger Tätowierers Christian Warlich (1891–1964)“. Abgerufen am 29. Juli 2019.
  21. ↑ Kilian Trotier: Geschichte mit gravierenden Folgen. In: Zeit. 10. April 2017, abgerufen am 29. Juli 2019.
  22. ↑ Heide Heim: Das Vorlagenalbum von Karl Finke wird gedruckt! In: Tätowier Magazin. 11. Juli 2017, abgerufen am 1. Januar 2019.
  23. ↑ Christoph Reimann: Corso – Kunst und Pop; im Interview Ole Wittmann vom Institut für deutsche Tätowier-Geschichte Deutschlandfunk vom 17. April 2026. Abgerufen am 17. April 2026.
  24. ↑ Manfred Kohrs: Horst H. Streckenbach der vergessene Pionier. In: Tattoo Kulture Magazine Issue No.32 vom 12. April 2019, S. 28–40.
  25. ↑ Leipziger Buchmesse, Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig: Tattoos in der Kunst (Mar 16, 2018) (Memento vom 28. Juli 2019 im Internet Archive)
  26. ↑ Hall-of-Fame 2021 Gold annual-multimedia.de
  27. ↑ ndr.de: Dr. Ole Wittmann - Kunsthistoriker erforscht Tattoos