Olympisches Dorf

Olympisches Dorf in Montreal
Das Olympiadorf von 1972, im Nordteil des Olympiaparks in München

Als Olympisches Dorf werden die gemeinsamen Unterkünfte der Teilnehmer an Olympischen Spielen bezeichnet. Häufig werden die dazu notwendigen Gebäude neu errichtet und nach den jeweiligen Olympischen Spielen als Wohnungen oder Studentenwohnheime weiterverwendet. Ebenso wurden auch schon bestehende Studentenwohnheime oder Kasernen umgebaut und als Sportlerunterkünfte verwendet. Mitunter wurden die Unterkünfte nach dem Ende der Spiele partiell wieder abgebaut, so beispielsweise bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer.

Geschichte

Bei den (inoffiziellen) Olympischen Zwischenspielen anlässlich des 10. Jahrestages der 1. Spiele der Neuzeit in Athen wurde 1906 eine Zeltstadt für die teilnehmenden Sportler errichtet. Andere Quellen berichten von einer Unterbringung im Zappeion, einem Gebäude des Nationalgartens im Zentrum Athens.

Erstmals bei offiziellen Olympischen Spielen wurde ein Olympisches Dorf anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1932 in Los Angeles gebaut. Dieses war den männlichen Teilnehmern vorbehalten; die weiblichen Athleten wurden in Hotels untergebracht. Es bestand aus 600 hölzernen Fertighäusern, wurde von privaten Investoren finanziert und nach den Spielen komplett abgebaut. Das Berliner Dorf von 1936 war dagegen erstmals massiv gebaut, da es nach den Spielen militärisch genutzt werden sollte.

Spätestens seit dem Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972 werden die Olympischen Dörfer streng bewacht. Das galt 2008 auch für das Olympische Dorf in Peking, das mit einem doppelten Zaun mit begehbarem Zwischenraum gesichert war, weil es Anschlagsdrohungen separatistischer Untergrundgruppen gegeben haben soll.

Liste Olympischer Dörfer

Übersicht über die Olympischen Dörfer (OD)
Spiele Olympisches Dorf Kapazität Nachnutzung
Sommer 1924
 Paris
OD Paris 1924 – Abgerissen
Sommer 1932
 Los Angeles
OD Los Angeles in Baldwin Hills 2.000 Abgerissen
Sommer 1936
 Berlin
OD Berlin in Elstal 4.600 1936–1945: Deutscher Militärstützpunkt
1945–1949: Unterkünfte für Vertriebene
1947–1991: Sowjetischer Militärstützpunkt
1993 unter Denkmalschutz gestellt, seit 2004 Freilichtmuseum
Sommer 1952
 Helsinki
OD Helsinki in Käpylä 4.800 Wohngebäude
Winter 1952
 Oslo
OD Oslo in Oslo-Sogn 600 + Trainer Unterkünfte für Studierende
Oslo-Ullevål 400 Unterkünfte für Angestellte des Ullevål-Universitätsklinikums und für Studierende
Oslo-Ila 200 Unterkünfte für Senioren
Sommer 1956
 Melbourne
OD Melbourne in Banyule 6.500 Wohngebäude
Sommer 1956
 Stockholm
OD Stockholm in den Schlössern Karlberg und Näsby – –
Sommer 1960
 Rom
OD Rom im Municipio II 8.000 Wohngebäude
Winter 1960
 Squaw Valley
OD Squaw Valley 1.200 Zeitweise als Hotel, Ferienwohnungen, Konferenz- oder Trainingszentrum. Teile abgerissen
Sommer 1964
Japan Tokio
OD Tokio 1964 8.868 Abgerissen, heute Yoyogi-Park.
Winter 1964
 Innsbruck
OD Innsbruck ~2.000 Wohngebäude
Sommer 1968
 Mexiko
OD Mexiko ~10.000 Wohngebäude
Winter 1968
 Grenoble
OD Grenoble ~2.000 Wohngebäude
Sommer 1972
 München
OD München ~12.000 Wohngebäude, Wohngebäude für Studierende
Winter 1972
 Sapporo
OD Sapporo 2.300 Wohngebäude
Sommer 1976
 Montreal
OD Montreal ~11.000 Wohngebäude
Winter 1976
 Innsbruck
OD Innsbruck 7.000 Wohngebäude
Sommer 1980
 Moskau
OD Moskau ~14.000 Wohngebäude
Winter 1980
 Lake Placid
OD Lake Placid ~2.000 Gefängnis (Federal Correctional Institution, Ray Brook)
Sommer 1984
 Los Angeles
OD Los Angeles 1984 University of Southern California ~7.000 Vor und nach den Spielen als Unterkünfte für Studierende. Neu gebaute Gebäude wurden überwiegend abgerissen.
University of California, Los Angeles ~3.700
Winter 1984
 Sarajevo
OD Sarajevo 2.200 Wohngebäude, im Bosnienkrieg schwer beschädigt, bis 1999 renoviert
Sommer 1988
 Seoul
OD Seoul in Songpa-gu 15.000 Wohngebäude
Winter 1988
 Calgary
OD Calgary Calgary 2.000 Unterkünfte für Studierende
Canmore 578 Von der Stadt Canmore übernommen
Sommer 1992
 Barcelona
OD Barcelona ~14.000 Wohngebäude
Winter 1992
 Albertville
OD Albertville in Bains-les-Bains 1.300 Vorbestehende Hotels, die danach als solche weitergeführt wurden
Winter 1994
 Lillehammer
OD Lillehammer 2.650 Zentralgebäude: Kindergarten, Kirche, Pflegeschule, Altenheim
Wohngebäude: überwiegend als solche weitergenutzt, teilweise abgerissen
Sommer 1996
 Atlanta
OD Atlanta an der Georgia Tech ~15.000 Unterkünfte für Studierende
Winter 1998
 Nagano
OD Nagano 3.283* Wohngebäude
Sommer 2000
 Sydney
OD Sydney in Newington ~15.300 Wohngebäude
Winter 2002
 Salt Lake City
OD Salt Lake City 2002 3.500 Unterkünfte für Studierende
Sommer 2004
 Athen
OD Athen 17.000 Wohngebäude
Winter 2006
 Turin
OD Turin Turin 2.500 Wohngebäude, Forschungsstätte
Bardonecchia 725 Wohngebäude, Hotels als solche weitergenutzt
Sestriere 1.850 Hotel
Sommer 2008
 Peking
OD Peking in Chaoyang 16.000 Wohngebäude, Parks
Winter 2010
 Vancouver
OD Vancouver Vancouver 2.720 Stadtviertel mit Markt, Wohnungen, Büros etc.
Whistler 2.850 Ferienwohnungen, Sportleistungszentrum
Sommer 2012
 London
OD London ~17.000 Wohngebäude, heutiger Name East Village
Winter 2014
Sotschi
OD Sochi Sotschi 2.000 Wohngebäude
Rosa Chutor 2.900 Hotels, Ferienwohnungen
Sommer 2016
 Rio de Janeiro
OD Rio de Janeiro in Barra da Tijuca ~18.000 Verwendung als Hotels geplant
Winter 2018
 Pyeongchang
OD Pyeongchang Pyeongchang 3.894 Wohngebäude
Gangneung 2.900
Sommer 2020
 Tokio
OD Tokio 2020 ~18.000 Wohngebäude
Winter 2022
 Peking
OD Peking Peking-Chaoyang 2.300 Wohngebäude
Yanqing 1.430 Hotels, Ferienwohnungen, sonstige gewerbliche Nutzung
Zhangjiakou 2.640
Sommer 2024
 Paris
OD Paris 2024
Winter 2026
 Mailand-Cortina
OD Mailand
Sommer 2028
 Los Angeles
OD Los Angeles 2028
Winter 2030
 Französische Alpen
OD Französische Alpen
Sommer 2032
 Brisbane
OD Brisbane
Winter 2034
 Salt Lake City
OD Salt Lake City
Commons: Olympische Dörfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Olympic Summer Games Villages from Paris 1924 to Tokyo 2020. The Olympic Studies Centre, 2022 (englisch, olympics.com [PDF]).
  2. ↑ Olympic Winter Games Villages from Oslo 1952 to Beijing 2022. The Olympic Studies Centre, 2022 (englisch, olympics.com [PDF]).