Offene Stimmung

Eine offene Stimmung (englisch open tuning) ist eine Stimmung bei Saiteninstrumenten, bei der die nicht gegriffenen („offenen“) Saiten einen einfachen Akkord bilden.

In einer offenen Stimmung kommen neben dem Grundton und seinen Oktaven nur Quinten und maximal noch Terzen dazu, so dass beim Anschlagen der leeren Saiten ein einfacher Dur- oder Moll-Akkord entsteht. Das Instrument erhält dadurch einen besonders vollen Klang; darüber hinaus ermöglicht eine solche Stimmung besondere Spieltechniken.

Offene Stimmungen gibt es bei manchen Saiteninstrumenten als Normalstimmung (z. B. aus der Familie der Cistern), bei anderen Instrumenten dagegen nur als Skordatur (d. h. Veränderung der Normalstimmung, z. B. bei Gitarren). Im letzteren Fall bevorzugen viele Gitarristen den englischen Ausdruck „open tuning“.

Offene Stimmungen als Skordatur bei Gitarren

Große Bedeutung erhielten Open Tunings seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als hawaiische Gitarristen ihre Lieder in der „Slack-Key“-Technik arrangierten. Slack Key bezeichnet das Fingerpicking in offenen Stimmungen.

Open Tuning ist im modernen Fingerpicking, in der keltischen und irischen Musik sowie in der Rockmusik ein Element, das dem Gitarristen neue Möglichkeiten auf der Gitarre eröffnet. Inzwischen gibt es für das Open Tuning im Handel Grifftabellen für jeden Akkord, für Tonleitern (als Grundmuster für Soli und Licks) und Intervalle.

Theorie

Beim Spiel mit Open Tuning ist die Tonart des Stückes meist auch der Grundakkord, den die offene Stimmung hat. Wurde die Gitarre z. B. im Open-G-Tuning gestimmt, so wird das Stück in der Regel auch in G-Dur gespielt. So liegt bei jeder offenen Stimmung der Tonikaakkord (Grundakkord) auf den ungegriffenen Saiten, der Dominantakkord auf dem 7. Bund als Ganzes Barré und der Subdominantakkord ebenfalls als Ganzes Barré auf dem 5. Bund.

Beispiele

Die Standardstimmung einer Gitarre ist: E – A – d – g – h – e1

Stimmung in Saitenstimmung Name
C-DurC – G – c – g – c – e1Offene C-Stimmung, JelGi – Jeder lernt Gitarre
D-DurD – A – d – fis – a – d1Offene D-Stimmung, Vestapol
d-MollD – A – d – f – a – d1
E-DurE – H – e – gis – h – e1Offene E-Stimmung
G-DurD – G – d – g – h – d1Offene G-Stimmung, Spanish
g-MollD – G – d – g – b – d1
A-DurE – A – e – a – cis1–e1Offene A-Stimmung

Beim E-Tuning ist gegenüber dem D-Tuning nur die Tonhöhe aller Saiten um einen Ton höher, womit sich auch die Akkordbezeichnungen ändern, aber die Spielweise ändert sich nicht. Alle Akkorde, Skalen und Intervalle sind vom D-Tuning auf das E-Tuning übertragbar. Gleiches gilt beim A-Tuning und G-Tuning.

Weitere Skordaturen

Skordaturen, deren leere Saiten keinen (einfachen) Dur- oder Moll-Akkord ergeben, werden manchmal auch zu den offenen Stimmungen gezählt. Dazu gehören z. B.:

Saitenstimmung Name
D – A – d – g – a – d1DADGAD
D – A – d – g – h – e1Dropped-D-Stimmung
C – G – c – f – a – d1Dropped-C-Stimmung
D – A – d – a – a – d1nur Grundton, Quinten und Oktaven

Grenzen des Open Tunings

Bei der Auswahl des richtigen Open Tunings sind auch noch bauartliche Grenzen zu beachten. So ist bei Akustikgitarren mit dicken Saiten (> 12-Satz) wegen der hohen Beanspruchung der Basssaiten und des Gitarrenhalses vom E- und A-Tuning abzuraten.

Offene Stimmungen bei Cistern

Die meisten Instrumente aus der Familie der Cistern (z. B. Waldzither, English guitar) sind in offener Stimmung gestimmt. Dabei handelt es sich um keine Skordatur, sondern um die Normalstimmung dieser Instrumente. Die offene Stimmung führt zum vollen, reichen Klang dieser Instrumente und war mit einer der Gründe, weshalb die Cister schon in der Renaissancezeit als auch von Anfängern einfach zu erlernendes Volksinstrument große Verbreitung fand (im Unterschied z. B. zur Laute).

Durch die verschiedenen Bauformen in dieser Instrumentenfamilie sind die Anzahl Chöre und die genauen Stimmungen unterschiedlich.

Beispiele für offene Stimmungen bei Cistern:

Saitenstimmung Name
C-Dur (sechschörig)cc – ee – gg – c1c1 – e1e1 – g1g1
C-Dur (fünfchörig)cc – gg – c1c1 – e1e1 – g1g1
c-Moll (fünfchörig)cc – gg – c1c1 – es1es1 – g1g1

Besondere Spieltechniken

Zu den besonderen Spieltechniken, die durch eine offene Stimmung ermöglicht werden, gehört die Bordunspielweise (die tiefen Saiten werden als Bordunsaiten verwendet), die Slack-Key-Technik, die Technik der Slide-Gitarre und die Bottleneck-Technik.

Ein bekanntes Beispiel für ein in offener Stimmung gespieltes Gitarrenstück ist Das Loch in der Banane von Klaus Weiland.

Literatur

Wikibooks: Gitarre – hat einen Artikel über Tunings

Einzelnachweise

  1. ↑ Andreas Michel: Zister-Stimmungen. Abgerufen am 30. Dezember 2017.